Im Ruhrgebiet soll es künftig einen einheitlichen Ticket-Tarif geben - das zumindest sieht ein 11-Punkte-Plan vor.
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Im Ruhrgebiet soll es künftig einen einheitlichen Ticket-Tarif geben - das zumindest sieht ein 11-Punkte-Plan vor.

Metropol-Region will zusammenrücken

11-Punkte-Plan für den Nahverkehr im Ruhrgebiet: Tickets sollen günstiger werden - doch es gibt einen Haken

  • Daniele Giustolisi
    vonDaniele Giustolisi
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Die Städte im Ruhrgebiet rücken in Sachen Nahverkehr näher zusammen. Jetzt haben sie einen 11-Punkte-Plan beschlossen. Die Preise sollen sinken.

  • Städte und Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet rücken näher zusammen.
  • Die Kommunen haben einen Elf-Punkte-Plan für den Nahverkehr erstellt.
  • Ob und wie der Plan umgesetzt werden kann, hängt auch an einer Bewerbung der Metropolregion.

Bochum/NRW - Die Pläne für den Nahverkehr im Ruhrgebiet klingen vielversprechend. Städte und Verkehrsunternehmen haben einen 11-Punkte-Plan für die Metropolregion aufgestellt. Die wohl größte Änderung für Kunden: Es soll künftig einen einheitlichen Tarif und günstigere Preise für Tickets geben.

Ort

Ruhrgebiet

Bevölkerung

Über 5 Millionen Menschen

Fläche

4.438 Quadratkilometer

Größte Stadt

Dortmund

Beteiligt am 11-Punkte-Plan für den Nahverkehr im Ruhrgebiet sind folgende Städte und Kreise:

  • Kreis Wesel, Duisburg, Oberhausen, Kreis Recklinghausen, Bottrop, Mülheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Bochum, Ennepe-Ruhr-Kreis, Dortmund, Witten, Herdecke, Hagen, Kreis Unna, Hamm.

Dass diese Kommunen im Nahverkehr zusammenarbeiten, ist nicht neu. Seit 1999 gibt es diese Kooperation. Die Städte und Kreise beschaffen zum Beispiel baugleiche Busse oder vereinheitlichen Qualitätsstandards.

Verkehrsunternehmen aus dem Ruhrgebiet für günstigere Tickets

Zu den teilnehmenden Verkehrsbetrieben zählen jetzt unter anderem BOGESTRA, DSW21, HCR und Vestische, sowie seit neustem die Ruhrbahn, VER und HST.  STOAG und DVG komplettieren das Feld zunächst mit einem Gast-Status.

Von außerhalb der Metropole Ruhr sowie dem VRR-Gebiet gesellen sich NIAG (Kreis Wesel) sowie die Unternehmen WVG und VBH dazu. Man sieht, die Region ist in Sachen Nahverkehr ein echter Flickenteppich.

Städte und Nahverkehrsunternehmen im Ruhrgebiet wollen künftig noch besser zusammenarbeiten.

Aber was wollen diese ganzen Städte und Betriebe nun eigentlich? Zum Beispiel einen günstigen und einfachen Tarif*. 2 Euro für Fahrten innerhalb einer Stadt / eines Kreises und 4 Euro für Fahrten im gesamten Verbund sollen die Tickets künftig kosten.

Zur Erinnerung: Zuletzt wurden die Preise für Tickets im VRR-Gebiet zum 1. Januar noch erhöht*. Das günstigste Ticket in der Preiskategorie A kostet derzeit 2,80 Euro bzw. 2,90 Euro in der Kategorie A2. Für eine Fahrt über die Stadtgrenze hinaus zahlt man derzeit 6 Euro.

Monatstickets sollen fürs Ruhrgebiet einen einheitlichen Preis bekommen

Monatstickets für Städte/Kreise sollen laut dem Wunsch des Verbundes namens "Kooperation Metropole Ruhr" 50 Euro im Monat kosten. Zum Vergleich: Das Ticket 1000 in der Preisstufe A kostet derzeit 71,20 Euro.

Als Verbundticket für die gesamte Region soll das Ticket künftig 80 Euro. Derzeit kostet ein Verbundticket im VRR mindestens 113 Euro in der Preisstufe B.

Der Haken daran: Das Vorhaben ist an eine Bewerbung als Modellregion des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung gebunden - und damit an öffentliche Zuschüsse des Bundes. Und die sehen vor, dass der VRR die gesamte Fördersumme gar nicht komplett bekommen kann.

Aber: "Unabhängig davon, ob wir Modellregion werden oder nicht, ist ein einfacher Tarif, bestehend aus zwei kostengünstigen Preisstufen, ergänzt um einen entfernungsabhängigen Tarif das Ziel", heißt es im 11-Punkte-Plan der "Kooperation Metropole Ruhr". Was das am Ende preislich bedeutet, steht aber nicht fest.

Video: Grün, grüner, Ruhrgebiet

Die weiteren zehn Punkte im Plan lauten:

  • Nahverkehrspläne der Städte und Kreise sollen aufeinander abgestimmt werden - und zwar bis 31. Dezember 2023.
  • Sogenannte Metrobusse sollen das Bahnnetz ergänzen.
  • Der Ausbau von Elektro- und Wasserstoff-Bussen soll vorangetrieben werden.
  • Alle Mobilitätsangebote der Metropole Ruhr sollen in einer App gebündelt werden.
  • Ergänzende Sharing-Angebote wie Autos, Lastenräder, Pedelecs, E-Scooter sollen den Nahverkehr ergänzen.
  • "On-Demand-Angebote" - also etwa Sammeltaxis - sollen den Nahverkehr in Randzeiten verbessern.
  • Ruhrgebietsinteressen sollen bei Besetzungen der Aufsichtsräte der Verkehrsunternehmen und der Verbandsversammlung des VRR gewährleistet werden.
  • Das Image des Nahverkehrs in der Metropole Ruhr soll verbessert werden - und zwar durch bessere Takte, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Service, gute Preise und eine zeitgemäße Kommunikationsstrategie.
  • Der Fokus auf städteübergreifende Verbindungen mit Blick auf die EM 2024 in Deutschland sowie eine mögliche Olympiade in 2032 soll geschärft werden.
  • Die Verkehrsverbünde VRR und NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe) sollen enger zusammenarbeiten.

11-Punkte-Plan: OB von Bochum sieht einen "Durchbruch"

Dass der 11-Punkte-Plan ein Durchbruch für die Region sein könnte, ist an den Reaktionen der Macher zu erkennen: "Zum ersten Mal ist es gelungen, dass alle Kommunen, Kreise und Verkehrsunternehmen des Ruhrgebiets organisiert an einem Strang ziehen", meint Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD).

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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