100.000-Euro-Tresor-Coup

Ein „Bettel-Brief“ aus der Zelle

Datteln - Mit einem förmlichen Brief will ein vorbestrafter Serientäter die Richter von seiner Einbrecher-Unschuld überzeugen – inklusive „Hochachtungsvoll“ und „PS.“

Das gibt es wohl auch nicht alle Tage: Im Prozess um einen spektakulären Tresor-Diebstahl in Meckinghoven hat ein vielfach vorbestrafter Wohnungseinbrecher aus Dortmund zuletzt zwischen zwei Sitzungstagen einen handschriftlichen Brief ans Gericht verfasst. Darin stellt sich der 47-Jährige sinngemäß als großer Pechvogel und Justizopfer hin. Jetzt wurden die außergewöhnlich höflich formulierten Zeilen am Bochumer Landgericht verlesen. Im „PS.“ heißt es zum Beispiel wörtlich: „Recht haben und dieses auch zu bekommen, ist mir einfach nicht vergönnt.“

Dortmunder beteuert seine Unschuld

In dem Brief beteuert der Dortmunder erneut seine Unschuld mit Blick auf die aktuellen Vorwürfe, einen 100.000-Euro-Tresor-Coup in Datteln vor drei Jahren. Aber auch bei seinen Vorstrafen, so der 47-Jährige weiter, sei nicht alles korrekt verlaufen. Zurzeit sitze er zwar eine Gefängnisstrafe wegen Wohnungseinbruchdiebstahls aus dem Jahr 2016 ab (drei Jahre Haft).

Dieses Urteil des Landgerichts Limburg, so der 47-Jährige, sei jedoch ein klares Fehlurteil – denn in Wahrheit sei er nie ein Einbrecher gewesen. „Alles, was ich damals im Prozess gesagt habe, wurde im Urteil so gedreht, wie es gerade passt. Das ganze Verfahren war eine Farce.“ Dass er sich erst jetzt dazu äußere, so der Angeklagte weiter, liege nur daran, dass er die Bochumer Richter zuletzt bei der Verlesung dieses Urteils „nicht unterbrechen wollte“. Für ihn stehe jedoch fest: „Das Urteil entspricht nicht der Realität.“

Mittäterschaft sei „frei erfunden"

Beendet wird der Brief mit der Grußformel: „Hochachtungsvoll!“ Im aktuellen Prozess fühlt er sich von seinem ehemals besten Freund – einem Mithäftling aus dem Dortmunder Gefängnis- schamlos angezinkt. „Er wollte mich nach einem Streit einfach in die Sache reinziehen“, beteuerte der Angeklagte in dem Brief an das Gericht. Der 47-Jährige will gar nicht bestreiten, dass er seinerzeit mit einer Uhr aus einem Einbruch hantiert hat. Er beteuerte jedoch bereits zum Prozessauftakt: „Ich habe die Uhr damals gekauft und weiter verschenkt.“ Dass er selbst bei dem Einbruch dabei gewesen sei, sei schlicht und einfach frei erfunden. Der mutmaßliche Mittäter hatte dagegen im Prozess beteuert: „Er war dabei und hat geholfen.“

Nach dem Coup sei er zusammen mit dem Angeklagten auf einen Schrottplatz im Osten von Dortmund gefahren. Dort habe man den Tresor aufgebrochen und den Inhalt aufgeteilt. Laut Anklage sollen die beiden Männer am 26. Januar 2015 in einem Wohnhaus an der Fuhlenstraße abgeräumt haben. Damals wurde ein schwerer Panzerschrank, in dem die Hausbewohner ihre gesamten Ersparnisse aufbewahrt hatten, aus der Verankerung gerissen und abtransportiert. Beute: 51.500 Euro Bargeld sowie Papiere, Schmuck und mehrere Handtaschen der Marke Louis-Vuitton im Wert von weiteren 50.000 Euro. Im Falle einer Verurteilung droht dem Serientäter eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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