Klara Mogge, Gabriele Beisenkamp und Martina Fischer (v.l.) sind drei von zehn aktiven Frauen im Frauenverband Courage. Sie hoffen auf weitere Mitstreiterinnen.
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Klara Mogge, Gabriele Beisenkamp und Martina Fischer (v.l.) sind drei von zehn aktiven Frauen im Frauenverband Courage. Sie hoffen auf weitere Mitstreiterinnen.

1.450 Fälle häuslicher Gewalt

Frauenverband Courage setzt sich für Frauenrechte ein

OER-ERKENSCHWICK - Die Zahlen sprechen für sich: 1.450 Fälle häuslicher Gewalt registrierte die Polizei im Kreis RE im Jahr 2014. Aber es gibt Menschen, die setzen dagegen ein Zeichen. Ob Gewalt gegen Frauen oder Gleichberechtigung, die Mitstreiterinnen im Frauenverband Courage setzen sich mit Mut für die Rechte von Frauen ein.

Seit kurzem unterhalten die zehn Frauen eigene Geschäftsräume an der Horneburgerstraße 121 in Oer-Erkenschwick. Neben den vierzehntägigen Treffen sollen hier in naher Zukunft auch ein Frauencafé, Lesungen oder Flohmärkte stattfinden, die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Es ist ein Frauenverband für alle: überparteilich, aber politisch. Offen für Frauen jeden Alters, jeder Religion. Sich nicht auseinanderdifferenzieren zu lassen, sei gerade die Stärke der Frauen. „Wir mischen uns bei allen Themen ein, neben Gewalt gegen Frauen oder Gleichberechtigung, auch bei Umweltthemen oder der Flüchtlingsproblematik“, erklärt Gabriele Beisenkamp vom Vorstandsteam.

Dabei schauen die Frauen über den Tellerrand, greifen gesellschaftlich wichtige Probleme wie Altersarmut in ihrer Arbeit auf. Die Diskriminierung der Frau habe gesellschaftliche Ursachen. „Die Gesellschaft ist sexualisiert, die Frau wird vermarktet und als Ware gesehen“, sagt Klara Mogge vom Frauenverband.

In den fast 25 Jahren des Bestehens des Frauenverbandes sei die Gesellschaft vielfältiger geworden, und damit auch die Problematiken. „Mädchen werden ko.-Tropfen in den Drink geschüttet, die HipHop-Kultur verherrlicht Gewalt gegen Frauen“, erklärt Gabriele Beisenkamp. Gemeinsam gegen die Missstände auf die Straße zu gehen, den weltweiten Widerstand zu sehen, das gebe Kraft, weiter für die Rechte der Frauen einzutreten.

Alle 14 Tage treffen sich die Courage-Frauen um 19 Uhr in den Räumen an der Horneburger Straße 121. - Das nächste Treffen ist am heutigen Montag, 19. Oktober. Alle Frauen, die Interesse haben, Neues aus dem Bereich Kultur, Politik, Bildung und Freizeit kennenzulernen, sind eingeladen. - Der Frauenverband Courage fördert den Zusammenschluss der Frauen zur Wahrung ihrer Interessen. - Verbandsaktivitäten beruhen auf vier Säulen: kämpferische Interessensvertretung, Bildung und Beratung, gegenseitige Hilfe, Kultur. Infos:

Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren wurde bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten misshandelt. - Die Polizei im Kreis RE hat fast täglich mit Gewalt gegen Frauen zu tun. „Zu allererst ist es sehr wichtig, dass sich die von Gewalt Betroffenen nicht schämen, wenn sie Opfer geworden sind, sondern sich sofort Hilfe suchen, um einen Weg aus der Gewaltspirale zu finden“, erklärt Polizei-Pressesprecherin Ramona Hörst. - Auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annegret Holzapfel organisiert verschiedene Aktionen zum Beispiel anlässlich des „Equal-Pay-Day“ oder dem „Tag gegen Gewalt gegen Frauen“, um sich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzusetzen. „Willy Brandt hat einmal gesagt ‚Gleichstellung bewegt sich wie eine Schnecke auf Glatteis‘. Die Gesellschaft verändert sich, Reformen lassen aber auf sich warten. Da müssen wir am Ball bleiben“, sagt Annegret Holzapfel. - Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. - Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist für alle Frauen, die von Gewalt betroffen sind: Tel. 0 80 00/11 60 16

Noch längst sei die Frauenfrage in vielen Bereichen nicht gelöst. Solange treten sie für die Rechte der Frauen hier, aber auch auf der ganzen Welt ein. Und beweisen damit eines: Courage!

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