35-Jährige vor Gericht

Baby getötet: Mutter angeblich im Rausch

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Gelsenkirchen/Essen - Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein. Stundenlang lag ein drei Monate altes Baby mit schwersten Kopfverletzungen in seiner Wiege. Erst wurde die Atmung schwer, dann hörte das kleine Herz auf zu schlagen. Jetzt steht die Mutter vor Gericht.

Die 35-jährige Rumänin soll ihr Kind am 7. Januar brutal misshandelt haben. Die Ärzte stellten später einen doppelten Schädelbruch und schwerste Hirnblutungen fest. Was genau passiert ist, kann aber offenbar niemand mehr sagen. In der Anklage heißt es dazu nur im trockenen Juristendeutsch: „Es ist auf nicht mehr aufklärbare Weise zu einer massiven Gewalteinwirkung gegen den Kopf gekommen.“

Es ist nicht einmal rekonstruierbar, wann es zu dem unfassbaren Gewaltausbruch gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft geht von den Nachmittagsstunden aus. Dann hätte die Angeklagte erst Stunden später den Notarzt gerufen.

Als die Rettungssanitäter schließlich in der Gelsenkirchener Wohnung auftauchten, war die 35-Jährige volltrunken. Eine Blutprobe ergab fast 2,8 Promille. Zur Tatzeit könnte es sogar deutlich mehr gewesen sein.

Alkohol spielte im ganzen Leben immer ein Rolle

Zum Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht wollte sich die Angeklagte selbst nicht zu den Vorwürfen äußern. Das überließ sie ihrem Verteidiger Bernhard Scholz. Und der sagte unter anderem diesen Satz: „Meine Mandantin kann sich nicht vorstellen, ihrem eigenen Baby so etwas Schreckliches angetan zu haben.“ Sie sei zutiefst bestürzt.

Die Angeklagte habe Erinnerungslücken, ausgelöst durch einen massiven Alkoholkonsum. Die 35-jährige will nach einem Telefon-Streit mit ihrem Ehemann, der zur Tatzeit in Süddeutschland war, schon nachmittags angefangen haben, Schnaps zu trinken.

Später hatte sie dann noch Besuch von ihren Nachbarn bekommen, die die Verletzungen ebenfalls gesehen haben sollen. Auf die Frage einer der Frauen, ob die Angeklagte das Kind auf den Boden geworfen habe, soll die 35-Jährige geantwortet haben: „Das ist ein Geheimnis.“ Später hatte die angeklagte Mutter auf Facebook diesen Post abgesetzt: „Ich werde das Kind abgeben. Ich kann es nicht groß ziehen. Weil ihr Vater ein A… ist.“

Die Angeklagte war im siebten Monat schwanger, als sie mit ihrem Mann im Sommer vergangenen Jahres von Rumänien nach Deutschland kam. Zuletzt wohnte das Paar bei einem Bekannten in dessen Gelsenkirchener Wohnung.

Nach Angaben ihres Verteidigers hatte sie schon lange versucht, ein Baby zu bekommen. Als es dann endlich geklappt hat, sei sie überglücklich gewesen. „Sie hat sich sehr über das Kind gefreut“, so Scholz. Doch privat ging es in ihrer Beziehung angeblich bergab. Ihr sei es so vorgekommen, als ob ihr Mann durch das vermehrte Schreien des Kindes genervt gewesen sei. Deshalb habe es oft Streit gegeben.

Außerdem sei sie mit dem Baby häufig alleine gewesen. „Sie sagt, dass sie sich mit der alleinigen Sorge überfordert gefühlt hat“, so Scholz. Sie sei müde und erschöpft gewesen, habe deshalb viel getrunken. Alkohol habe in ihrem Leben ohnehin immer eine große Rolle gespielt. Die Großmutter, frühere Freunde: alle hätten massiven Missbrauch betrieben. Ihre eigene Alkoholkrankheit habe schließlich in Spanien begonnen, wo sie zwischenzeitlich als Prostituierte gearbeitet habe. Die Anklage lautet auf Totschlag.

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