A43-Ausbau

Tonnenschwere Ungetüme

RECKLINGHAUSEN. - Es verlief nicht alles nach Plan, doch am Ende wurde die Autobahn-Brücke über die Straße Zum Wetterschacht dann noch fertig. Eine Reportage...

Der erste Stahlträger (40 Meter lang/rund 40 Tonnen schwer) kommt gegen 22 Uhr an der auf der A43 in Höhe der Straße Zum Wetterschacht an. Dort wird der Träger mit seinen bereits vormontieren Betonplatten, das Ganze wiegt zusammen stolze 100 Tonnen, von zwei 50-Tonnen-Kranen angehoben und provisorisch auf ein Traggerüst aufgelegt. Das Auflegen wird rund 2,5 Stunden dauern. In den nächsten Wochen wird eine neue Autobahnbrücke entstehen. Drei Träger werden Samstagnacht – drei Sonntagnacht aufgelegt. So viel zur Theorie an diesem Samstagabend.

Die Autobahn wird für das Bauvorhaben beidseitig gesperrt und der Güterbahnverkehr auf der Strecke neben der Autobahn eingestellt. „Diese Sperrung haben wir schon vor drei Jahren bei der Deutschen Bahn beantragt“, sagt Guido Meinzer, Projektleiter von Straßen.NRW.

Er steht mit rund 15 weiteren Männern, darunter Mitarbeiter von Straßen.NRW und der verschiedenen Baufirmen, um 22 Uhr auf der gespenstisch leeren Autobahn. Wo tagsüber bis zu 100.000 Fahrzeuge lang rollen, könnte man jetzt eine Radtour machen oder Rollerbladen.

Die beiden Krane stehen in Position, spezielle Lampen spenden taghelles Licht und alles ist perfekt vorbereitet. Nur von den Stahlträgern ist nichts zu sehen. Insgesamt drei sollen noch in diesen Stunden in Recklinghausen ankommen. Die Träger der Firma Züblin wurden im Betonwerk in Dorsten (Firma Fuchs) bearbeitet und kommen mit Schwertransport-Tiefladern zu ihrem Ziel.

Die Zeit vergeht, nichts passiert. Der Mond leuchtet am Firmament, es ist eine sternklare Nacht. Alle Mitarbeiter warten gespannt auf den ersten Tieflader. „In 20 Minuten soll er da sein“, erfährt Guido Meinzer. „In 20 Minuten“ soll in dieser Nacht ein geflügeltes Wort werden.

„Das ist ein bisschen wie Warten auf das Christkind. Nur, dass das Christkind einen Hydraulikschaden hat“, fügt Guido Meinzer wenige Minuten später hinzu. Es ist mittlerweile 23.15 Uhr. Über sein Handy hat er erfahren, dass ein Tieflader ein Problem mit der Hydraulik hat und die Experten der Transporter-Firma dieses beheben müssen. „In 20 Minuten ist er aber da“, erklärt er und berichtet: „Der zweite Transporter ist auch auf dem Weg.“

Um 23.38 Uhr ereilt den Projektleiter die nächste Hiobsbotschaft: „Der zweite Tieflader ist falsch gefahren und wird später ankommen.“ Vielleicht in 20 Minuten?

Um 2 Uhr ist ein Transporter endlich zu sehen. Bei allen Beteiligten ist Erleichterung zu spüren. Dann geht alles ganz schnell. Mitarbeiter der Baufirma leuchten die riesige Konstruktion nach Beschädigungen ab, einer lackiert noch emsig eine verkratzte Stelle nach und wieder andere Männer befestigen dicke Stahlketten an dem Träger, damit er beim Anheben nicht verrutschen kann. Man merkt sofort: Hier sind Profis am Werk. Jeder weiß, was er tut. Die Männer sind ein eingespieltes Team. Ein Experte bringt Bänder, die am Kran hängen, an dem Träger an.

Dann steht auch der zweite Tieflader auf der Autobahn und ist für seinen Einsatz bereit. Warum sich einer der Transporter verfahren hat, das findet niemand in dieser Nacht heraus. Das spielt auch keine Rolle mehr, als die 100 Tonnen schwere Konstruktion um 2.38 Uhr scheinbar spielend leicht angehoben wird und über der Autobahn schwebt.

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