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Die beiden „Mülldetektive“ Reiner Baranowski (l.) und Michael Gonska inspizieren eine illegale Müllablage.

Abfallsündern auf der Spur

Erste "Mülldetektive" in Gladbeck im Einsatz

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Kreis RE - Gladbeck geht einen neuen Weg, um die Stadt sauber zu halten. "Mülldetektive" haben die Aufgabe illegale Abfallablagerungen aufspüren und deren Verursacher ermittelnAndere Kommunen sind skeptisch.

Reiner Baranowski und Michael Gonska sind bereits acht Abfallsündern auf die Spur gekommen. Die beiden sind „Mülldetektive“ im Auftrag der Stadt Gladbeck. Ihre Tätigkeit ist ein Novum im Kreis Recklinghausen. Der Ermittlungsdienst des Zentralen Betriebshofs Gladbeck (ZBG), so die offizielle Bezeichnung, hat zu Beginn des Jahres seine Arbeit aufgenommen. Baranowski und Gonska gehen täglich auf Streife.

Ihre Aufgabe: Illegale Abfallablagerungen aufspüren und deren Verursacher ermitteln. Auch Leute, die ohne Abholtermin Sperrmüll an die Straße stellen, bekommen Ärger. „Die Abfälle werden nach Hinweisen, die auf die Verursacher schließen lassen, überprüft. Vor Ort werden Fotos gemacht und die Vermüllungen genauestens dokumentiert“, berichtet die Stadtverwaltung. „Die Mitarbeiter klingeln zudem auch an Haustüren und befragen die Nachbarn.“

Bußgeld zwischen 25 und 250 Euro

Im vergangenen Jahr hat der Zentrale Betriebshof Gladbeck rund 80 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Die Höhe der Buß- und Verwarngelder lag je nach Schwere des Delikts zwischen 25 und 250 Euro. Die Stadt erwartet, dass die Zahl der Verfahren durch die gezielte Ermittlungsarbeit deutlich steigen wird. „Wir wollen ein sauberes Gladbeck“, heißt es im Rathaus.

Das Problem der Vermüllung kennt jede Stadt im Vest. Doch spezielle „Mülldetektive“ zu beschäftigen, so weit will keine andere Kommune gehen, wie eine Umfrage dieser Zeitung ergab. „Dafür haben wir überhaupt kein Personal“, sagt Peter Raudszus, Sprecher der Stadt Oer-Erkenschwick. Auch Castrop-Rauxel verweist auf die „prekäre Haushaltslage“.

Das heißt aber nicht, dass illegale Entsorgungspraktiken generell ungeahndet bleiben. In allen Städten gehen die Mitarbeiter der Betriebshöfe und/oder der kommunalen Ordnungsdienste Hinweisen nach, die aus der Bevölkerung kommen. Viele Bürger nutzen dafür auch die Melde-Apps, die die Kommunen anbieten.

„Eine Adresse im Müll ist noch kein Beweis“

Die Stadt Herten hat nach eigenen Angaben in der Vergangenheit einen „Mülldetektiv“ damit beauftragt, bestimmte Containerstandorte für Altpapier und Glas im Auge zu behalten – dort, wo laufend wild Müll abgekippt wurde. Es seien auch tatsächlich ein paar „Sünder“ erwischt und mit Bußgeldern belegt worden, so die Pressestelle.

Heute geht die Stadt davon aus, dass eine verstärkte Präsenz von Kräften des kommunalen Ordnungsdienstes eher eine abschreckende Wirkung haben dürfte. Ohnehin sei es schwierig, den Verursacher einer illegalen Abfallentsorgung dingfest zu machen. „Eine Adresse, die im Müllhaufen entdeckt wird, ist noch kein Beweis“, heißt es im Hertener Ordnungsamt. „Es sind immer auch Zeugenaussagen notwendig.“ Die Stadt Haltern hält es überhaupt nicht für zielführend, eine „Abfallpolizei“ einzurichten. „Wir setzen auf eine umfassende Beratung der Bürger bezüglich der Mülltrennung, -sammlung und der Entsorgungsmöglichkeiten“, betont Stadtsprecher Georg Bockey.

Seine Abfälle illegal in der Landschaft zu entsorgen ist kein Kavaliersdelikt. „Es sollte allen Müllsündern klar sein, dass für ihr Fehlverhalten letztlich alle Bürger bezahlen müssen“, argumentiert Ludger Böhne, Sprecher der Stadt Dorsten. Dabei habe der Bürger doch die komfortable Möglichkeit, nahezu jede Art von Abfall korrekt loszuwerden – und zwar im Entsorgungsbetrieb.

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