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Vornehm geht es in der Regel bei den Abitur-Bällen zu, wie der Blick in einen Festsaal zeigt.

Abschlussfeier

Elternverband kritisiert teure Abitur-Bälle

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Kreis RE - In die Abi-Bälle wird viel Geld und Vorbereitungszeit gesteckt. Eine Volkskundlerin lobt die findige und kreative Organisation durch die Schüler. Die Landeselternschaft Gymnasien in NRW kritisiert die immer teureren Abschlussfeiern dagegen.

Dieter Cohnen stellt klar: „Ich habe nichts gegen Abitur-Bälle – aber gegen die Entwicklung, dass sie immer größer und teurer werden.“ Das Vorstandsmitglied der Landeselternschaft Gymnasien in NRW kritisiert: „Die Kosten für die Abschlussfeiern sind in den vergangenen Jahren explodiert, für manche Familien ist das schwer zu stemmen.“

Oguzhan Kesim ist Schüler am Recklinghäuser Hittorf-Gymnasium und einer von 2563 jungen Leuten im Kreis Recklinghausen, die in diesem Jahr ihr Abitur machen wollen. Der 18-Jährige erläutert die Kosten des Abitur-Balls: „Unsere Abiturstufe mit etwa 160 Schülern feiert in der LaVictoria Eventhalle in Marl.

Für den Ball entstehen Kosten von etwa 45.000 Euro – für die Hallenmiete, das Catering, Dekorationen, Service, eine Fotoecke.“ Um diese Summe zu decken, haben die Hittorf-Abiturienten unter anderem Kuchen verkauft, Vor-Abi-Feten organisiert, hinzu kommen Gelder von Sponsoren, die in der Abitur-Zeitung oder auf dem Ball werben, sowie mehrere Ratenzahlungen der Abiturienten: „Wir haben in den letzten zwei Jahren in kleineren Raten jeder insgesamt so etwa 200 Euro eingezahlt“, berichtet Oguzhan Kesim. Zudem müssen die Abiturienten für sich und ihre Familienmitglieder Karten für den Abi-Ball kaufen, Stückpreis 30 Euro.

„Neben dem Abitur-Ball entstehen persönliche Kosten für die Abiturienten: Beim Outfit sind inzwischen zwei Kleider die Regel – eins für morgens bei der Zeugnisübergabe, eins für abends beim Abi-Ball. Dazu kommen oft eine besondere Frisur, Maniküre, Pediküre, ein aufwendiges Make-Up“, berichtet Christiane Cantauw. Die Volkskundlerin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hat eine Untersuchung über Abi-Bräuche gemacht.

„Da können je nach Familie schon vierstellige Summen zusammenkommen. Das wird immer doller“, beklagt Dieter Cohnen, nach dessen Ansicht man eine Grenze ziehen müsste. „Der psychologische Druck auf Eltern, die weniger Geld haben, ist groß: Sie können solche Summen eigentlich nicht bezahlen, wollen aber natürlich mitziehen“, meint der Elternvertreter. Auf Hilfe des Staates – zum Beispiel eine Kostenübernahme für Hartz-4-Empfänger – kann man hier kaum bauen: Die Feier sei schließlich keine schulische Veranstaltung, hieß es vor Gericht.

Expertin spricht von „einer Art Wettstreit“

Oguzhan Kesim hält die aktuelle Form der Abitur-Feier für angemessen: „Ich habe von niemandem gehört, dass das finanziell schwierig ist. Für mich passt unser Abi-Ball zu dem besonderen Anlass. Man macht ja schließlich nur einmal Abitur.“

Christiane Cantauw sieht in den Abitur-Feiern der letzten Jahre auch „eine Art Wettstreit: Die Schüler wollen ihre Vorgänger und die zeitgleich feiernden, anderen Schulen übertreffen.“ Und das Prinzip „je größer, je professioneller, desto besser“ funktioniere bislang: „Zum einen sind die finanziellen Mittel da oder werden durch kostensenkende Aktionen generiert, durch die Zahlung regelmäßiger kleiner Beiträge machbarer gestaltet. Hier agieren die Schüler sehr findig und kreativ.

Zum anderen besteht die Bereitschaft sich zu engagieren, Zeit und Ideen einzubringen. Das ist sinnvoll, dabei lernen die Schüler viel. Allerdings ist die Organisation solcher Feiern auch sehr, sehr zeitaufwendig. Meist muss jeder Abiturient in einer der zahlreichen Vorbereitungsgruppen mitmachen – nur so ist das für eine Jahrgangsstufe zu schaffen.“

Auch Dieter Cohnen lobt die tolle Organisation. Doch nach Ansicht des Elternvertreters sollten die Abiturienten ihre Kreativität, ihr Engagement nicht für das Sammeln von Geld, sondern für eine andere Art von Feier einsetzen. Cohnen macht hier gleich mehrere Vorschläge: „Wie wäre es mit einem originell-nachhaltigen Abi-Ball, zum Beispiel in einer Uni-Mensa mit Nutzung der Essensausgabe? Und wie wäre es mit einem Wettbewerb, wer den günstigsten Abi-Ball veranstaltet?“

Für solche Änderungen sieht Christiane Cantauw jedoch keinen Anhaltspunkt: „Bislang geht die Steigerung weiter. Es ist nichts passiert, dass die Akteure sagen, es ist nicht mehr sinnvoll.“

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