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Gertrud Krimpert (l.) und Kirsten Stranghöner mit Schoko-Nikoläusen.

Advent

Weihnachtsmann im Gegensatz zum Nikolaus nur Werbefigur

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Kreis RE - Der Weihnachtsmann steht bei Nikolaus-Freunden in der Kritik – Schoko-Nikoläuse sollen an Werte wie Solidarität und Engagement erinnern.

Gardinen, Vorhänge, Decken: Im Schaufenster des Raumausstatters Krimpert ist einiges zu sehen. Und zwischen all den Stoffen und Dekorationen stehen – Schokoladen-Nikoläuse. Die süßen Figuren in Stanniolpapier mögen manche Passanten in der Recklinghäuser Innenstadt überraschen, doch „wir verkaufen die Schoko-Nikoläuse hier schon seit bestimmt zehn Jahren“, berichtet Geschäfts-Inhaberin Gertrud Krimpert. „Und zwar aus Überzeugung.“

Für die 61-Jährige ist es wichtig, mit dem Verkauf an den Nikolaus, sein Leben und seine Werte zu erinnern. „Das war ein richtiger Mensch, der Gutes getan hat – im Gegensatz zum Weihnachtsmann. Das ist doch nur eine Werbefigur. Es darf doch nicht sein, dass es nur noch Schoko-Weihnachtsmänner zu kaufen gibt.“

Auch Kirsten Stranghöner vom benachbarten Kinderladen „Siki“ an der Großen Geldstraße hält es für wichtig, dass der Heilige nicht in Vergessenheit gerät: „Der Nikolaus gehört vor Weihnachten dazu, seine Tradition darf nicht verloren gehen.“ So bestellen die beiden Geschäftsfrauen jahraus jahrein zusammen beim BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) für den Verkauf Schoko-Nikoläuse – der Erlös geht diesmal an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst im Kreis Recklinghausen.

Dabei sind die Nikolaus-Figuren im Gegensatz zu den Weihnachtsmännern mit Mitra und Bischofsstab ausgestattet. „Echte Nikoläuse eben“, betont Krimpert. Nikoläuse, die häufig in Eine-Welt-Läden, Gemeinden, auch im Lebensmittel- und Biohandel verkauft werden.

Der Heilige Nikolaus war ein Vorbild

Etwa 145 Millionen Schokoladen-Weihnachtsmänner und -Nikoläuse sind in diesem Jahr in Deutschland hergestellt worden, wie der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie mitteilt. Auch wenn Schätzungen von Experten davon ausgehen, dass der Anteil der echten Nikoläuse dabei weit unter zehn Prozent liegt, melden Initiativen, die Nikolaus-Figuren produzieren, erhebliche Steigerungsraten. So hat das Fair-Handelsunternehmen GEPA 2004 mit dem Verkauf eines Schoko-Nikolauses begonnen. Damals wurden knapp 49.000 Stück hergestellt. In diesem Jahr gibt es fünf verschiedene Figuren-Varianten – Gesamtzahl: 485.000, eine Verzehnfachung in 14 Jahren.

„Der christliche Hintergrund ist uns wichtig“, betont GEPA-Sprecherin Barbara Schimmelpfennig. „Der Nikolaus ist ein Symbol für Gerechtigkeit, er hat sich für Arme und Schwache engagiert. Das sind genau die Werte unseres Fairen Handels, bei dem wir solidarisch mit den Benachteiligten sind.“ So ist der Schoko-Nikolaus-Verkauf für Schimmelpfennig „ein Zeichen der Solidarität: Es ist wichtig, dass nicht nur der rein kommerzielle Weihnachtsmann verkauft wird.“

Das bestätigt Schwester Theresita M. Müller vom katholischen Bonifatiuswerk, das seine Nikolaus-Verkaufszahlen in den letzten Jahren von 70.000 auf etwa 100.000 Stück gesteigert hat – begleitet von der Forderung nach einer „weihnachtsmannfreien Zone“. „Der Nikolaus ist für uns ein bewusster Gegenpol zum Weihnachtsmann. Der Heilige Nikolaus war ein Vorbild, er hat sich für Arme, Kinder, für Gerechtigkeit eingesetzt.

Der Weihnachtsmann steht nur für Kommerz und Verkauf“, sagt Schwester Theresita. Dabei verbindet das Bonifatiuswerk den Schoko-Verkauf mit Aktionen – so werden am 6. Dezember süße Nikoläuse zum Beispiel in Kinderkliniken, an Strafgefangene und Altenheim-Pflegekräfte verteilt. „Gutes Tun, sich für andere einsetzen: Das kann jeder an seinem Platz mit seinen Möglichkeiten – und das ist die bleibende Botschaft vom Nikolaus. Dafür steht er“, sagt Schwester Theresita. Und an diese Botschaft möchte das Bonifatiuswerk mit seinen Schoko-Nikoläusen erinnern – verbunden mit der Aufforderung, Gutes rund um den Nikolaus-Tag zu tun.

Bei aller Konkurrenz durch den Weihnachtsmann: Der Nikolaus ist bis heute einer der bekanntesten Heiligen im Christentum. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sich um sein sehr wohltätiges und engagiertes Leben zahlreiche Legenden ranken, die auch zu bestimmten Bräuchen geführt haben.

Bescherung am 6. Dezember

So soll der Heilige Nikolaus drei Töchter einer verarmten Familie beschenkt haben, indem er in drei Nächten je einen Goldklumpen in ihre Zimmer warf – so wurden sie vor der drohenden Prostitution bewahrt. Auf diesen heimlichen nächtlichen Geschenken basiert der bis heute übliche Brauch, am Abend vor dem Nikolaustag Schuhe oder Ähnliches an die Tür zu stellen, die dann – hoffentlich – des Nachts gefüllt werden. Auch die Weihnachtsbescherung gab es früher am 6. Dezember. Nach der Reformation und der damit verbundenen Ablehnung der Heiligenverehrung wurde das Schenken dann dem Christkind zugesprochen und auf Weihnachten verlegt.

Auch eine wundersame Kornvermehrung während einer Hungersnot, die Rettung von in Seenot geratenen Schiffsleuten sowie die Erweckung von drei bereits eingepökelten Studenten gehören zu den zahlreichen Legenden rund um den Nikolaus.

Legenden und vor allem Werte, die auch durch den Verkauf der Schoko-Nikoläuse präsent bleiben sollen. Und die Resonanz auf die Aktion ist gut, wie Gertrud Krimpert bestätigt: „Kunden kaufen die Schoko-Figur bei uns oft ganz bewusst, weil es der Nikolaus ist – und nicht der Weihnachtsmann.“

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