Ärger mit VonoviaMieter-Frust

Mieterin ist nach Wasserschaden doppelt in Sorge

HUCKARDEHOMBRUCH - Melanie Glodde wohnt in Huckarde und ist Vonovia-Mieterin. Nach einem Wasserschaden im Keller ist die Auszubildende nicht nur verärgert, sondern auch in Sorge. Denn sie befürchtet, dass ihr Haus bald abgerissen werden könnte.Ein lauer Spätsommerabend versprach einen angenehmen Tagesausklang - jedoch nicht für rund 20 Anwohner der Karlsbader Straße, die am Montag einer Einladung der Hombrucher SPD gefolgt sind. Die widmeten ihren Feierabend einem Thema, das ihnen sauer aufstößt - den umstrittenen Vonovia-Plänen zur Bebauung eines Innenhofs in Hombruch.

Melanie Glodde steht vor einem Haufen stinkender Lumpen im Vorgarten der Basenachstraße 10 in Huckarde. "Die Kleidung und Elektrogeräte sind das eine. Erinnerungen kann man nicht ersetzen", sagt sie traurig. Denn im Keller lagerten nicht nur vorübergehend Kleidungsstücke, sondern auch persönliche Erinnerungsstücke der Familie.

"Wir bedauern, dass unsere Mieter diese Unannehmlichkeiten haben", schreibt die Wohnungsgesellschaft Vonovia auf unsere Anfrage. "Wir haben versucht, so schnell wie möglich zu reagieren und den Schaden zu beheben." Aus Sicht von Melanie Glodde hat das viel zu lange gedauert.

Die Chronologie des Wasserschadens: Um 5.45 Uhr bemerkt Melanie Gloddes Mutter ein lautes Rauschen unter der Erdgeschosswohnung. Ein Blick in den Keller bestätigt: Unter der Stahltür des Heizungsraums dringt Wasser hervor. Sie ruft den Reparaturservice an. Die Auskunft: Es könne eine halbe Stunde dauern. Beim zweiten Anruf, eine Stunde später, die gleiche Antwort, erzählt Melanie Glodde. Beim dritten Anruf habe der Mitarbeiter an der Hotline erklärt, die Monteure arbeiteten einen Notfall nach dem anderen ab.

Schwall flutet KellerSchließlich kommt die ersehnte Hilfe. Nach Melanie Gloddes Aussage ist es mittlerweile 8.30 Uhr - nach Auskunft der Vonovia-Pressestelle war der Techniker "bereits 7.30 Uhr vor Ort". So stehe es im Protokoll, erklärt Bettina Benner auf Nachfrage.

Der Monteur öffnet die Stahltür. Mit einem großen Schwall flutet das gestaute Wasser den Keller. "Wir haben noch versucht, alle Türen zu Abflüssen zu öffnen", erzählt Melanie Glodde. Es nutzt nichts. Ihr Kellerraum steht vorübergehend unter Wasser.

Ursache des Schadens sei ein gebrochenes Ventil, erfährt Glodde vom Monteur, der auch einen verschmorten Schalter ausgetauscht habe. Melanie Glodde wundert das nicht. Sie erzählt von zögerlichen Reparaturen an einer kaputten Toilette und Heizkörpern, von Fenstern, durch die es ziehe. "Es gibt schon länger das Gerücht, dass das Haus und die beiden Nachbarhäuser abgerissen werden sollen." Alle anderen Häuser im Quartier sind bereits oder werden gerade saniert.

Vonovia will Abriss weder bestätigen noch dementieren

Melanie Glodde sorgt sich um bezahlbaren Wohnraum, wenn ein Umzug notwendig wird. Ihre Ausbildungsstelle zur Einzelhandelskauffrau läuft über eine Fördermaßnahme. Die 21-Jährige bewohnt die Wohnung zusammen mit ihrer kranken Mutter und ihrer Schwester, die eine geistige Behinderung hat.

Bettina Benner will die Abriss-Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. "Wir sind gerade in der zeitlichen Abstimmung und Planung des weiteren Vorgehens", schreibt die Sprecherin. Und auf Nachfrage: "Ende des Jahres kann ich Genaueres sagen."

Vonovia sei eine ganzheitliche Quartierentwicklung wichtig. Auf konkrete Fragen über wirtschaftliche Hintergründe von Kündigungsfristen und zu einer transparenten Informationspolitik gegenüber der Familie in ihrer besonderen Situation antwortet Bettina Benner: "Eine offene Kommunikation mit unseren Mietern ist uns sehr wichtig, und wir versuchen immer, auf Wünsche unserer Kunden zu reagieren." Ferner: "Wir wollen, dass sich unsere Mieter in ihren Wohnungen wohlfühlen und möglichst lange in ihren Wohnungen wohnen bleiben können."

Zwischen Aussigring, Egerstraße, Harkortstraße und Karlsbader Straße will die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia einen circa 80 Meter langen drei- bzw. viergeschossigen Baukörper mit 35 Wohneinheiten samt untergestellten Parkplätzen errichten.

Die Bewohner der umliegenden Häuser würden hierdurch ihre Gärten verlieren. Nutzen können sie diese bereits zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr. "Die Gärten wurden bis vor anderthalb Jahren bewirtschaftet. Dann wurde die Nutzung seitens der Vonovia gekündigt. Die Schreiben dazu liegen der SPD vor", erklärt Markus Demtröder, Sprecher der Sozialdemokraten in der Hombrucher Bezirksvertretung - und beschreibt das Verhalten der Gesellschaft als "Farce": Nach dem Nutzungsentzug sei der Innenhof verwildert. Die Vonovia, so Demtröder, führe diesen selbst verursachten Zustand nun als Grund an, die Fläche anderweitig zu nutzen.

Neben dem Verlust der Gärten, bei dem auch ein Großteil der Bäume im besagten Bereich weichen müsste, fürchten Anwohner und SPD auch eine Verschlechterung der Wohn- und Lebensqualität durch das erhöhte Verkehrsaufkommen und die Verengung der Lage. Auch sei für die Versiegelung der Grünfläche kein Ausgleich an anderer Stelle vorgesehen und die Bezirksvertreter in Hombruch seien erst kurz vor der Abstimmung der Bezirksvertretung am 4. Juli über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden. Bis auf Bezirksbürgermeister Hans Semmler hatten sich dort alle Teilnehmer gegen die Pläne ausgesprochen.

Wie es weitergeht

Im weiteren Verlauf des Abends kam auch der SPD-Ratsvertreter Norbert Schilff hinzu: "Im Gespräch mit der Vonovia habe ich zwei Fragen gestellt. Kann es auch kleiner sein? Da hieß es nein, dann rechnet es sich nicht. Kann es woanders sein? Das wäre schon möglich". Als Alternative diskutierten die Anwesenden etwa den nahegelegenen Parkplatz am Aussigring, an dessen Stelle ein Wohnhaus mit Tiefgarage samt allen bisherigen und neu hinzu-kommenden Parkplätzen entstehen könnte.

Über den Fortgang des Projekts berät der Umweltausschuss am 20. September. Danach liegt die Entscheidung beim Rat der Stadt. Abschließend erklärten die SPD-Vertreter den Anwohnern, dass sie bis es so weit ist um weitere Unterstützung zur Ablehnung des Vorhabens werben würden. "Es ist wichtig, dass wir hier Stärke zeigen. Ähnliche Vorhaben sorgen gerade auch im Kreuzviertel für Aufsehen, die Entscheidung könnte also richtungsweisend für Dortmund sein", so Volker Schultebraucks von der Hombrucher Bezirksfraktion.

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