Afrikanische Schweinepest

Dorstener Bauern fürchten tödliche Tierseuche

Dorsten - Dorstens Schweinezüchter fürchten das Schlimmste: Die Afrikanische Schweinepest, eine für die Haus- und Wildschweine tödliche Erkrankung, breitet sich von Ost- nach Westeuropa aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie in bei uns ankommt.

In Dorsten leben 65.685 Schweine. Das besagt eine Statistik der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2015. 86 Betriebe in Dorsten und den Ortsteilen wären betroffen, wenn die afrikanische Schweinepest zu uns herüberschwappt. "Es reicht, wenn eine infizierte Wildsau von der polnischen Lausitz nach Deutschland rüber läuft, dann ist ganz Deutschland für den asiatischen Absatzmarkt gesperrt", sagt der Lembecker Landwirt Bernhard Heiming.

Der Vorsitzende im Ortsverband Lembeck des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) ist Schweinehalter und fürchtet die hochansteckende Schweineseuche, aber für den Menschen unbedenkliche Tierkrankheit aus wirtschaftlichen Gründen. Aber nicht nur. "Wir Landwirte bekommen 10 Euro pro Tier für die Weitervermarktung des Schlachtfleisches in Asien. Dort werden Pfötchen, Rüssel, Speck und Schwarte sowie Schweineschwänze als Delikatessen angesehen." Wird das Virus bei uns nachgewiesen, breche der Absatzmarkt weg und die Schweinehalter büßten den Zusatz-Verdienst für die asiatische Komplett-Verwertung der Schlachttiere ein.

Grausames Keulen von Tierbeständen

Heiming hat aber noch einen weiteren Grund, die afrikanische Schweinepest zu fürchten: "Wer einmal das Keulen ganzer Tierbestände erlebt hat, der erholt sich nicht mehr von dem Anblick." 2006 habe sich die europäische Schweinepest in Haltern-Lavesum und in Raesfeld-Erle in unmittelbarer Nachbarschaft des Lembecker Landwirtes ausgebreitet. "Das war furchtbar für die Betroffenen."

Die Jäger geben zurzeit ihr Bestes, den seit jeher übermäßigen Wildschweinbestand in den Wäldern zu reduzieren. Das Land hat ihnen das per Erlass genehmigt, in dem es die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben hat. Hermann Wolff, Dorstener Berufsjäger und Sprecher des Jägerverbandes, sieht das mit gemischten Gefühlen: "Wir wollen nicht auf die Mutterschweine anlegen, weil sie Anführerinnen der Rotten sind. Sie müssen unbedingt verschont werden." 600.000 Schweine seien in den letzten Wochen von der Jägerschaft bundesweit erlegt worden, auch in Dorsten kamen viele Schweine den Jägern vor die Flinte. Die haben aber noch ein weiteres Problem: "Wir können das Wildbret nicht mehr verkaufen, weil es keine Abnehmer für die Fleischmengen gibt." Die Truhen der Jäger seien bis an den Rand gefüllt.

Nicht das Mittel der WahlWolff sieht im Abschuss der Tiere auch nicht das Mittel der Wahl: "Wenn man in einem Revier Schweine jagt, ziehen die überlebenden Tiere ins nächste Revier weiter." Auf dem Weg dorthin hinterlassen die Rotten zuweilen heftige Flurschäden zum Nachteil von Bauern und anderen Eigentümern.

Die Afrikanische Schweinepest wird aber lediglich über die Wildschweine weiter verbreitet. Verursacher für die pestartige Ausbreitung der Seuche ist der Mensch. Kontaminierte Lebensmtitel werden weggeworfen und von den Wildschweinen in freier Natur aufgestöbert und gefressen: "Die Wildschweine stecken sich dann an."

Hygiene sei eine vorbeugende Maßnahme, wenngleich die Chancen recht hoch seien, dass das Virus Deutschland erreicht: "Für den Tag X müssen wir gewappnet sein", sagt Hermann Wolff. Er spricht davon, dass es im Kreis Recklinghausen einen runden Tisch mit Landwirten, Jägern, Kreisveterinär und Straßenbaubehörden geben soll. Die Vertreter der Behörden säßen mit am Tisch, weil die Wildschweine bei der Jagd aufgestöbert werden und fluchtartig ihr Gelände räumen, oftmals quer über die Straßen. "Die müssten dann stundenweise gesperrt werden."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Brexit: Entscheidung vertagt! Johnson beantragt wieder einen Aufschub
Brexit: Entscheidung vertagt! Johnson beantragt wieder einen Aufschub
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Metro verkauft Real: Wohin die Reise für den Supermarkt in Herten geht, ist offen
Wie viele Einwohner hat Waltrop? Eine Frage, bei der sich die Statistiken widersprechen
Wie viele Einwohner hat Waltrop? Eine Frage, bei der sich die Statistiken widersprechen
Rückruf: Salami kann Kunststoffstückchen enthalten - Worauf Käufer jetzt achten sollten
Rückruf: Salami kann Kunststoffstückchen enthalten - Worauf Käufer jetzt achten sollten
130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette vor dem Aus? 
130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette vor dem Aus? 

Kommentare