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Einst diente der Kasten zur Notstromversorgung an Baustellen, künftig sollen hier Bienen einziehen: Martin Saglimbeni präsentiert Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek die „insektenfreundliche Straßenmeisterei“.

Aktion von Straßen.NRW

Wenn der Stromkasten zum Bienenhotel wird

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Marl - Der Landesbetrieb Straßen.NRW will 80 Betriebshöfe „insektenfreundlich“ ausbauen. Der Pilotversuch dazu läuft jetzt an der Halterner Straße in Marl.

Eine Straßenmeisterei ist kein Ponyhof – auch wenn hier viele Pferdestärken bewegt werden. Für Natur ist auf den Betriebshöfen eigentlich kein Platz, hier dreht sich alles um schwere Lkw und Arbeitsgeräte. Doch das soll sich jetzt bei Straßen.NRW in Marl ändern: Martin Saglimberi, als Handwerker für den Fuhrpark zuständig, gab den Anstoß: „Die Berichte über das Bienensterben in der Zeitung haben mich erschüttert. Da kam ich auf die Idee, dass doch auf der Meisterei Lebensraum geschaffen werden könnte.“ Seit gestern läuft an der Halterner Straße ein Modellversuch, der bald auf alle 80 Betriebshöfe von Straßen.NRW ausgeweitet werden soll.

Und wie will Martin Saglimberi nun Bienen, Hummeln und anderes Getier zum Betriebshof zu locken? „Der Plan besteht aus zahlreichen Einzelmaßnahmen“, erläutert der Marler. Zuerst wurde die auf jedem Gehöft vorhandene Mittelinsel umgegraben und eine Wildblumenwiese eingesät. „Dann haben wir eine 15 Meter lange Thujen-Hecke gefällt und durch heimische Sträucher ersetzt“, erzählt er beim Rundgang. An einem vorhanden Teich ist eine Trockenmauer entstanden, die mit Kräutern dekoriert wurde. Nebenan wachsen bereits zwei Apfelbäume – „alte Sorten“, wie Saglimberi betont. Und in einer Azubi-Aktion wurden Meisenkästen gezimmert, die wir auf dem Gelände verteilt haben.

Sein „Meisterstück“ ist jedoch aus Blech: „Diesen Notstromversorgungskasten habe ich aus dem Schrott gerettet“, stellt er einen orangefarbenen Schrank vor, „dann gereinigt und schließlich mit Stroh, Schilfrohren und Porenziegeln ausgestattet. Das wird unser Bienenhotel.“

Weniger Rasenschnitt soll Kosten sparen

Dauerhafte Kosten darf die „insektenfreundliche Meisterei“ allerdings nicht verursachen. „Wir sind auf Kostenoptimierung getrimmt“, sagt Saglimberi und ergänzt: „Ich hoffe, dass ich den zeitlichen Aufwand durch eine Reduzierung des Rasenschnitts wieder rausholen kann.“

Überzeugt von der Idee zeigt sich auch die Direktorin von Straßen.NRW – und nutzt den Medienauftrieb für Werbung in eigener Sache: „Als Straßenbauer werden wir nicht sofort mit dem Thema Naturschutz in Verbindung gebracht“, räumt Elfriede Sauerwein-Braksiek ein. Dabei ist die Realität eine andere, sagt sie. Für jeden Eingriff muss Ausgleich geschaffen werden. „Wir beschäftigen nicht nur Ingenieure und Techniker, sondern auch Landespfleger, Umwelt- und Forstexperten, um die gesetzlichen Maßnahmen zu erfüllen. Allein im letzten Jahr haben wir 80.000 Sträucher und 40.000 Bäume gepflanzt“, betont Sauerwein-Braksiek.

Durch Autobahn-Projekte seien auch ökologische Vorzeigeprojekte entstanden, zählt sie auf: An der A 43 in Recklinghausen etwa wurde eine Lärmschutzwand für Vögel gebaut, die nun in der Hohenhorster Heide ungestört brüten können. An der A 33 bei Bad Oeynhausen wurden Grünbrücken erstellt, damit Steinkäuze und Fledermäuse überleben können. Und zahlreiche Streuobstwiesen werden heute in Kooperation mit Mostereien angelegt, damit die Ernte auch genutzt wird.

„Nachhaltigkeit ist uns wichtig“, betont Sauerwein-Braksiek. „Mit den insektenfreundlichen Straßenmeistereien wollen wir unsere Bemühungen noch verstärken.“

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