Alles aus dem eigenen Garten

Selbstversorgung ist nicht nur lecker - sondern auch leicht

Dortmund - Im Supermarkt kauft Heide Hasskerl nur das Allernötigste. Denn die Dortmunderin ist ein echter Profi, was Selbstversorgung aus dem eigenen Garten angeht. Und sie hat für Neueinsteiger ein paar gute Tipps parat.

Selbstversorgerin, sagt Heide Hasskerl, wird man nicht. Das ist man. So kommt man auf die Welt. Sie jedenfalls sei schon immer eine gewesen, habe nie anders leben wollen.

Das allermeiste, was sie braucht, um sich zu versorgen, findet Heide Hassekerl in ihren Gärten. Einen, 500 Quadratmeter groß, hat sie beim Gartenverein Remy in Brünninghausen. Das, sagt sie, sei ihr Küchengarten. Der andere, ihr Selbstversorger-Garten, liegt in Hessen, ist 1,5 Hektar (15.000 Quadratmeter) groß mit einem 300 Jahre alten Fachwerkhaus darauf und allein 36 Obstbäumen auf einer Streuobstwiese.

Allergie gegen die Spritzmittel

Eigentlich ist Heide Hasskerl ein "Thüringer Mädchen", wie sie sagt. Nach der Wende zog sie nach Nord-Hessen. Vor acht Jahren kam sie nach Dortmund. Nicht ganz freiwillig. "Ich bin hochsensibel", sagt sie. Sie habe eine "fürchterliche Allergie" von den Spritzmitteln auf dem Land bekommen, die sie zwang, wegzuziehen. Und so wurde Dortmund zu ihrer neuen Heimat.

Arbeiten kann sie von überall aus: Heide Hasskerl ist Schriftstellerin, sie schreibt über die Selbstversorgung. Macht auch die Fotos selbst. Aber vor allem ist sie leidenschaftliche Literatin.

Um sich selbst zu versorgen, reichen längst nicht nur Obst und Gemüse im Garten. Heide Hasskerl hat noch sehr viel mehr in ihren Gärten angepflanzt. Sie hat Getreide, Hafer, viele Wildpflanzen. Aus Sojabohnen macht sie Milch und Quark. Brennnesseln nutzt sie, um Bier zu brauen und "so etwas wie Leberwurst herzustellen", sagt sie. Sie lebe vorwiegend vegetarisch. Aus Äpfeln macht sie ihren Wein. Einkaufen, sagt sie, gehe sie trotzdem. "Kaffee trinke ich doch lieber echten", sagt sie. Waschmittel könne man zwar auch aus Kastanien produzieren, sie kaufe aber welches. "Ich achte drauf", sagt sie, "dass ich so viel wie möglich selbst mache." Aber sie gehe auch mal auswärts essen.

Früher hatte sie in Hessen auch Tiere. Heute nicht mehr. Nur noch Freier, ihren Hund, der mit ihr und ihrem Mann in Dortmund lebt.

Das Leben als Selbstversorger setze sehr viel Wissen voraus. Man müsse nicht nur gärtnern, sondern die Pflanzen verarbeiten können. Konservieren spiele eine wichtige Rolle beim Selbstversorgen, sagt Heide Hasskerl. Sie rät, langsam und bewusst einzusteigen und sich nicht zu viel zuzumuten.

Gemüse "schmeckt auch nach etwas"

Im Garten, sagt Heide Hasskerl, seien eigentlich nur drei Arbeitsgeräte nötig: eine Harke, ein Rechen, ein Spaten. Harken, harken, harken. Wer den Boden laufend bearbeitet, halte ihn feucht und gesund, sagt Heide Hasskerl.

Man sollte nur das anbauen, was für einen selbst auch zeitlich machbar sei. Ein Eisbergsalat etwa brauche viel mehr Pflege und Aufmerksamkeit als ein Spargelsalat.

Der große Unterschied zu dem Gemüse, das es im Supermarkt gebe, sei, dass ihr Gemüse auch nach etwas schmecke. Wer Gemüse im Garten anpflanze, solle am besten alte Sorten nehmen, Haferwurzel zum Beispiel, oder Pastinaken. Sie rät davon ab, Hybrid-Samen zu kaufen (solche, die mit F1 oder F2 gekennzeichnet sind). Denn diese Gemüse reiften nicht richtig aus und würden dann nach nichts schmecken. Wer keinen Garten hat: Perfekt für den Balkon sind Tomaten.

Jetzt ist die beste Zeit, um anzufangen

Wer Lust bekommen hat, sich einen Nutzgarten anzulegen: Jetzt ist die beste Zeit, um anzufangen. Sprossen und Pflanzen (Zucchini, Aubergine, Tomate, Paprika) sollten am besten jetzt gezogen werden, sagt Heide Hasskerl. Dafür kann man die Samen in einem Töpfchen säen, auf die Fensterbank stellen und warm und feucht halten. Nach den Eisheiligen werden sie dann im Garten angepflanzt. "Wenn man barfuß durch den Garten gehen kann, ohne kalte Füße zu bekommen, dann ist die richtige Zeit zur Aussaat", sagt sie.

Salat und Kohlrabi können in einem Mistbeet vorgezogen werden. Heide Hasskerl holt sich den Pferdemist von den Polizeipferden in Dortmund. Auf das Mistbeet legt sie alte Fensterscheiben, die sie beim Fenster-Anbieter meistens ebenfalls umsonst bekommt, um die Pflanzen zu schützen.

Kein Freund des Gießens

Die geologischen Besonderheiten eines Gartens seien wichtig. Wenn dort viel Unkraut (Heide Hasskerl nennt es Beikraut) wächst, sei das ein gutes Zeichen. Dann könne man fast alles anpflanzen. Den Boden sollte man immer gut umgraben, das Unkraut entfernen und dann säen.

Heide Hasskerl ist kein großer Freund des Gießens. "Ich gieße im Grunde nie", sagt sie. "Die Pflanzen, die gepäppelt werden müssen, sind keine vollwertigen Pflanzen", sagt sie. Pflanzen, die Durststrecken nicht überstünden, seien nicht das, was man essen solle. "Ich will doch nicht einen Haufen Gießwasser essen", sagt sie. "Ich will Athleten." Fruchtgemüse wie Tomaten und Gurken seien davon ausgenommen, die müssten gegossen werden.

In der Natur aufgehoben

Die Selbstversorgerin liebt den Gedanken, mit der Natur vereint zu sein. "Das macht zufrieden und glücklich", sagt sie. Und im eigenen Garten gehe das eben sehr gut. "Hier bin ich zu Hause", sagt sie. Sie sei davon überzeugt, dass Pizza und Döner langfristig nicht glücklich machen. "Wir werden glücklich, wenn wir Teil der Natur bleiben und unsere Wurzeln pflegen." Das habe auch etwas mit Heimat zu tun: In der Natur, sagt sie, seien wir aufgehoben. "Und aufgehoben wollen wir doch alle sein."

Sie liebe es zudem, als Selbstversorgerin selbst entscheiden zu können, was sie wann ernte. Immer dann, wenn es perfekt gewachsen ist. "Man kann die Dinge ganz sorgfältig auswählen." Und bekomme so immer die allerbesten Lebensmittel.

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