Amtsgericht

Angeblicher Faustschlag bleibt wohl für immer ungeklärt

Der Richter urteilte mit Freispruch - aber deshalb, weil die Beweislage nichts anderes hergibt. Gab es diesen Faustschlag vor der Gaststätte Zeitsprung? Es bleibt wohl für immer unklar.

Es ist nahezu ein Jahr her, dass ein Streit vor der Gaststätte Zeitsprung eskalierte und mit einem Faustschlag in den Solar plexus eines 49-Jährigen geendet haben soll. Dieser hatte erst Tage später Anzeige gegen den 31-jährigen Kontrahenten erstattet. Der geht nun nach zwei Verhandlungstagen mit einem Freispruch nach Hause.

Nachdem die Schilderungen des Angeklagten, des Nebenklägers und zweier Zeugen stark voneinander abwichen und niemand den angeblichen Faustschlag gesehen hatte, war ein zweiter Verhandlungstag notwendig geworden, um weitere Zeugen anzuhören. Die Wirtin der Gaststätte und die 28-jährige Bekannte des Angeklagten waren darunter. Sie hatte wohl den Anlass für den Streit gegeben.

"Du bist ja pädophil"

Der Angeklagte wollte, so seine Aussage, verhindern, dass die Frau vom Nebenkläger belästigt würde. Das sei zuvor seiner Freundin schon einmal passiert. Sein Spruch "Du bist ja pädophil" passte nicht, das gab er zu, doch habe er auf den großen Altersunterschied zum 49-jährigen Nebenkläger abgezielt, begründete er seine Wortwahl.

Weil der Ältere Pfefferspray gezückt haben soll, kam der Security-Angestellte der Gaststätte dazu. Er war von einem Gast darauf aufmerksam gemacht worden. Denn die Videoüberwachung des Außenbereichs beim Zeitsprung zeigt nur den direkten Eingang - und da war nichts Auffälliges, so der Angestellte.

Beim Fortsetzungstermin sagte auch die Wirtin aus, nichts von Ausschreitungen vor ihrem Lokal bemerkt zu haben. Zeuge wie Angeklagter seien nach der Raucherpause draußen wieder ins Lokal gekommen. Erst Tage später habe ihr der 49-Jährige berichtet, dass er angegriffen und verletzt worden sei. Da habe er eine Halskrause getragen.

Monatelang arbeitsunfähig

Denn der Schlag in die Magengrube hatte seinen Ausführungen nach weitreichende Folgen. So habe sein Kopf aufgrund des harten Hiebes einen Ruck nach vorn gemacht. Dabei sei der Hals verrenkt worden. Eine weitere Folge seien starke Schmerzen in der Seite. Drei Monate sei er deshalb arbeitsunfähig gewesen - und habe bis heute Probleme.

Die 28-Jährige konnte nichts zur Aufklärung beitragen. Sie hatte, wie sie sagte, zu viel getrunken, um sich zu erinnern. Dennoch waren sich Staatsanwaltschaft und Richter schließlich sicher: Es gibt keinen Nachweis für eine körperliche Misshandlung. "Zudem ist es sehr unverständlich, warum Sie nicht direkt die Polizei gerufen, sondern erst Tage später über einen Anwalt Anzeige erstattet haben", ergänzte der Strafrichter in der Begründung - es gab einen Freispruch.

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