Amtsgericht

Neonazi Steven F. räumt nur Teile der Anklagevorwürfe ein

Raub, Körperverletzung, Beleidigung und Verwenden von Nazi-Symbolen: Steven F. soll in Marten ein Klima der Angst geschürt haben. Vor Gericht gibt er nur einen Teil der Vorwürfe zu.

Schon eine halbe Stunde vor Verhandlungsbeginn herrschte vor Saal 1.101 des Amtsgericht großer Andrang. Der Grund war der Auftakt des Prozesses um den Dorstfelder Neonazi Steven F. Er soll in Dorstfeld ein Klima der Angst geschürt haben und ist wegen Raubes, Körperverletzung, Beleidung und des Verwendens von Nazi-Symbolen angeklagt.

Zahlreiche Anhänger der rechten Szene waren erschienen, um dem im November festgenommenen Steven F. ihre Unterstützung zu signalisieren. Der 28-Jährige grinste verlegen, als er in den Saal geführt wurde. Danach wurde er sofort wieder sachlich und machte auch Angaben zu den einzelnen Vorwürfen.

Vorfall im Nachtexpress

Unterm Strich steht: F. räumt einen Teil der Vorwürfe ein, allerdings nur die kleineren oder die, bei denen Leugnen ohnehin keinen Sinn gemacht hätte. Zum Beispiel bei dem Vorfall im Nachtexpress NE12 am 1. Oktober 2016. Zwei "ausländisch aussehende" Personen, so die Anklage, wurden damals von einer Gruppe Rechtsextremer um Steven F. provoziert und angegangen. Und als zwei Sicherheits-Mitarbeiter dazwischen gingen, sollen auch diese ins Visier der Schläger geraten sein.

Der gesamte Vorfall ist auf Video dokumentiert. Wohl auch deshalb sagte Steven F. am Donnerstag: "Ich finde das Verhalten, das ich damals an den Tag gelegt habe, absolut peinlich. Ich distanziere mich davon."

Handyraub auf Kirmes bestritten

Nicht zugeben will der 28-Jährige dagegen den wohl schwersten Vorwurf: den Raub eines Handys auf der Bartholomäus-Kirmes in Lütgendortmund im August 2018. Ein Kirmesgast gibt an, von dem Martener Neonazi als "Zigeuner" beschimpft und anschließend geschlagen und getreten worden zu sein, ehe dieser auch noch sein Handy nahm. Im Prozess wollte der Zeuge diese Aussage jedoch nicht wiederholen. Er hatte im Vorfeld angekündigt, aus Angst gar nicht erst zu erscheinen. Auch die Androhung von Ordnungsgeldern oder gar Ordnungshaft schocke ihn nicht.

Der Angeklagte räumt ein, an besagtem Abend auf der Kirmes gewesen zu sein. Er will das angebliche Raubopfer aber nur zur Rede gestellt haben, weil dieses von seinem Handy in aller Öffentlichkeit Drogen gesnieft habe. "Ich habe ihn gefragt, ob er sich damit cool vorkommt", so Steven F., daraufhin habe der andere Mann sich vor ihm aufgebaut und ihn bedroht." Ich habe ihn dann geschlagen, um mich zur Wehr zu setzen", sagte der Angeklagte. Das Handy habe er nicht angefasst.

Zweite Aussage zwei Tage nach der Tat

Tatsächlich erzählte das mutmaßliche Raubopfer an diesem Abend auch noch nichts von einem Mobiltelefon. Erst zwei Tage nach dem Vorfall erschien der Mann noch einmal bei der Polizei, gab an, dass auf der Kirmes auch sein Handy geraubt worden sei.

Das Amtsgericht muss nun noch weitere Zeugen vernehmen, um alle Vorwürfe aufzuklären. Mit einem Urteil ist nicht vor Mitte April zu rechnen.

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