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Lehrer aus dem Kreis Recklinghausen versammeln sich am Hauptbahnhof Recklinghausen zur Abfahrt nach Gelsenkirchen, wo sie an einem Marsch durch die Stadt und einer regionalen Kundgebung teilnahmen.

Angestellte Lehrer gehen auf die Straße

Warnstreiks haben wenig Auswirkungen auf den Unterricht

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KREIS RE - Ein Teil der Lehrerschaft ist am Mittwoch in einen ganztägigen Warnstreik getreten. An den Schulen im Kreis Recklinghausen war davon allerdings wenig zu spüren. Nur vereinzelt fiel Unterricht aus.

„Trotzdem ist es wichtig, dass wir ein Zeichen setzen“, sagt Stefanie Neumann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kreisvereinigung Recklinghausen. Rund 50 nicht verbeamtete Lehrer aus dem Kreis versammeln sich am Morgen am Hauptbahnhof in Recklinghausen sowie an Treffpunkten in Dorsten und Castrop-Rauxel. Von dort geht es zur regionalen Kundgebung nach Gelsenkirchen. Die Lehrerschaft macht dort einen großen Teil der etwa 250 Demonstranten aus. Aber auch andere Tarifbeschäftigte des Landes – von Gerichten, dem Landesbetrieb Straßen.NRW, Hochschulen und der Polizei – wollen mit ihrem Einsatz in den laufenden Tarifverhandlungen Druck machen auf die öffentlichen Arbeitgeber.

Den angestellten Lehrern aus dem Kreis Recklinghausen geht es vor allem darum, auf eine Stufe gestellt zu werden mit den verbeamteten Kollegen. „Wir machen die gleiche Arbeit, aber erhalten nicht das gleiche Geld“, sagt Gudrun Rehse (54), Lehrerin an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Recklinghausen. Bis zu 500 Euro monatlich betrage der Unterschied beim Gehalt. Gewerkschafterin Neumann schätzt den Anteil der nicht verbeamteten Pädagogen auf rund 20 Prozent. Dabei handelt es sich um Männer und Frauen, die sich spät für den Lehrerberuf entschieden haben oder als sogenannte Seiteneinsteiger an die Schulen gekommen sind. Sie waren zu dem Zeitpunkt schon zu alt, um noch in den Genuss des Beamtenstatus zu kommen. Das wirkt sich nicht nur aufs monatliche Einkommen, sondern auch auf das spätere Ruhegehalt nachteilig aus.

Verbeamtete Kollegen zeigen sich solidarisch

In den Lehrerzimmern herrscht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft – aber auch Solidarität, wie Jörg Wojcinski (60), seit zehn Jahren Lehrer an der Gesamtschule Waltrop, betont. „Bei den verbeamteten Kolleginnen und Kollegen stoßen wir mit unserem Anliegen auf Verständnis“, sagt er. Das zeige sich auch darin, dass niemand von ihnen auf die Idee käme, für einen streikenden Kollegen Vertretungsunterricht zu übernehmen.

Zu denen, die am Mittwoch in Gelsenkirchen auf die Straße gehen, gehört auch Sabine Hoffmann (52). Sie ist Schulsozialarbeiterin an der Wolfgang-Borchert-Gesamtschule in Recklinghausen. „Wir haben ein abgeschlossenes Studium, sind hochqualifiziert – und werden noch ein Stück weit schlechter bezahlt als die angestellten Lehrer“, erzählt sie.

In der aktuellen Tarifrunde liegen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) mit ihren Positionen noch weit auseinander, stellt GEW-Vertreterin Stefanie Neumann fest. Verdi und GEW fordern u. a. sechs Prozent mehr Gehalt (bei einer Laufzeit von zwölf Monaten), mindestens aber 200 Euro pro Monat, sowie eine verbesserte Eingruppierung der angestellten Lehrer. „Nur mit einer guten Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen bleibt der öffentliche Dienst attraktiv“, meint Neumann. „Das ist auch das beste Mittel gegen den vielerorts grassierenden Lehrermangel.“

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