Anklage wegen versuchten Totschlags

Blutiges Kneipendrama

MARL - Nach einem blutigen „Kneipen-Drama“ in Dorsten muss sich ein 37-jährige Vater aus Hüls seit Dienstag wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten. Zum Prozessauftakt berief er sich auf Notwehr.

Es war die Nacht auf den 12. Februar 2017, als es vor einer Gaststätte in Dorsten plötzlich drunter und drüber ging. Erst gab es Schläge und Tritte – dann floss Blut. Worum es eigentlich ging, ist noch immer unklar. Der Messerangriff erfolgte „unvermittelt und grundlos“, heißt es in der Anklage. Die lebensgefährliche Bluttat beschäftigt nun das Essener Schwurgericht.

Zum Prozessauftakt hat der 37-Jährige den Angriff nach Rücksprache mit seinem Marler Verteidiger Tim F. Schubert gleich zugegeben. Dabei will er sich aber nur gewehrt haben. „Das war wie ein Überfall“, sagte der Marler den Richtern. „Einer hat mich festgehalten, einer getreten. Die haben mir den Kehlkopf zugedrückt. Ich habe keine Luft mehr gekriegt.“ In dieser Situation habe er dann zu einem Taschenmesser gegriffen. „Ich habe die Klinge aufgeklappt und dann habe ich den anderen weggehauen“, so der Angeklagte. „Der ist dann umgefallen.“ Die Klinge hatte sich von unten in die Brust des 31-jährigen Opfers gebohrt. Dass der Mann überlebt hat, ist wohl nur unfassbarem Glück und der Kunst der Ärzte zu verdanken, die ihn sofort notoperiert haben. Nach eigenen Angaben hatte der Angeklagte die Gaststätte kaum betreten, als er auf der Tanzfläche auch schon seine Ex-Partnerin gesehen habe. Deshalb sei er sofort wieder gegangen – ohne Streit. Warum er vor dem Eingang der Kneipe angegriffen worden sei, wisse er bis heute nicht.

Aber war das auch wirklich so? Oder war vielleicht doch Eifersucht im Spiel? Eine Polizistin, die mit ihrem Streifenwagen unmittelbar vor der Bluttat an der Gaststätte vorbeigefahren war, hatte den Angeklagten mit zwei anderen Männern vor dem Eingang diskutieren sehen. Erst danach habe es eine Schlägerei gegeben. Später soll ihr der 37-Jährige sogar gesagt haben, dass einer der anderen Männer etwas von seiner Frau gewollt und ihm den gemeinsamen Sohn wegnehmen wollte. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Das Urteil fällt voraussichtlich im Dezember.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

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