Apothekerskandal

Medikamente gestreckt: Folgen für Patienten?

BOTTROP - Der Apothekerskandal um gestreckte Medikamente ist gerichtlich aufgearbeitet. Nun soll eine Studie Folgen der unterdosierten Krebsmittel für die Patienten untersuchen.

Nach dem Medizinskandal um gepanschte Krebsmedikamente in einer Apotheke in Bottrop zieht das NRW-Gesundheitsministerium weitere Konsequenzen. Minister Karl-Josef Laumann (CDU) will in einer Vergleichsstudie überprüfen lassen, ob und in welchem Maß die Krankheitsverläufe von Patienten, die Krebsmittel aus der Bottroper Apotheke erhalten haben, von Patientengruppen abweichen, die mit ordnungsgemäß hergestellten Arzneimitteln behandelt wurden. Das teilte das Ministerium am Mittwoch mit.

Belastbare Ergebnisse könnte die Studie bei Brustkrebs und Blutkrebs bringen, hieß es weiter. Allerdings seien wohl keine individuellen Aussagen möglich, wie weit einzelne betroffene Patienten gesundheitlich geschädigt wurden. Vielmehr müsse die Chance genutzt werden, „die grundsätzlichen Auswirkungen dieses beispiellosen Skandals auf die Versorgung der Bevölkerung mit Zytostatika wissenschaftlich aufzuarbeiten“, sagte Laumann. Mit Ergebnissen sei nicht vor Ende 2019 zu rechnen, hieß es.

Das Landgericht Essen hatte Anfang Juli im Prozess um einen der größten Medizinskandale der vergangenen Jahre einen Apotheker aus Bottrop zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Mann jahrelang lebenswichtige Medikamente seiner Patienten gestreckt, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Mindestens 14.500 Arzneimittel sollen zwischen 2012 und 2016 unterdosiert gewesen sein. Der Prozess hatte aber keine sicheren Erkenntnisse zu den Folgen der unterdosierten Chemotherapien für die Patienten erbracht.

Als Folge aus dem Bottroper Skandal wird auch die Überwachung der Apotheken in NRW verschärft. Künftig soll es in allen Apotheken einmal im Jahr unangemeldete Personalkontrollen geben. Damit wird geprüft, ob ausreichend pharmazeutisches Fachpersonal anwesend ist. Alle drei bis fünf Jahre müssen die Apotheken sich umfassenden und angemeldeten Kontrollen unterziehen.

In den Schwerpunktapotheken, die zum Beispiel Krebsmittel herstellen, werden zusätzlich mindestens einmal jährlich unangemeldet Proben aus der laufenden Produktion gezogen und untersucht. Außerdem werden bestimmte Schwerpunktapotheken künftig alle zwei Jahre in Vollrevisionen umfassend überprüft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette Roller vor dem Aus?
130 Filialen in Deutschland: Bekannte Möbelhauskette Roller vor dem Aus?
Mit 150 km/h durch die Stadt - hier wurden im Ostvest die schlimmsten Raser erwischt
Mit 150 km/h durch die Stadt - hier wurden im Ostvest die schlimmsten Raser erwischt
Knöllchen-Ärger auf der Holtgarde - deshalb sind die Anwohner sauer
Knöllchen-Ärger auf der Holtgarde - deshalb sind die Anwohner sauer
Pendler kommen nicht mehr direkt von Sinsen nach Düsseldorf
Pendler kommen nicht mehr direkt von Sinsen nach Düsseldorf
Führerschein weg! Schalke-Profi darf nicht mehr hinters Steuer. Jetzt zum "Idiotentest"?
Führerschein weg! Schalke-Profi darf nicht mehr hinters Steuer. Jetzt zum "Idiotentest"?

Kommentare