Attacken in Bottrop und Essen

Prozess um Amokfahrt in der Silvesternacht beginnt

Essen - In der Silvesternacht 2018 fährt ein Autofahrer mehrfach in Menschengruppen. Ab Freitag beschäftigt die Amokfahrt das Essener Landgericht.

Diese Tat war wie ein Alptraum: In der vergangenen Silvesternacht ist ein Autofahrer im Ruhrgebiet mehrfach in Menschenmengen gefahren. 14 Personen wurden verletzt, eine schwer. Laut Staatsanwaltschaft hatte es der 50-jährige Mann aus Essen vor allem auf Personen abgesehen, die aus seiner Sicht einen Migrationshintergrund hatten. Ab Freitag beschäftigt die Amokfahrt das Essener Landgericht.

Es war 23.30 Uhr, als ein Mercedes-Kombi auf dem "Pferdemarkt" in Bottrop plötzlich auf eine Gruppe von neun Personen zufuhr. Bis kurz nach Mitternacht sollen mit dem selben Auto elf weitere Angriffe erfolgt sein - in Bottrop und in Essen. Von vielen Tatorten gibt es Handyvideos. Darauf ist zu sehen, wie Erwachsene und Kinder panisch versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.

Ein Vater aus Bottrop hat mit seinen vier und sechs Jahre alten Töchtern auf der Straße Silvester gefeiert, als der Mercedes auf sie zugefahren kam. Ein Bekannter hatte das jüngere der beiden Mädchen gerade noch zur Seite reißen können. "Für die Familie ist es bis heute unbegreiflich, was da passiert ist", sagt Anwalt Burkhard Benecken, der den Vater der Kinder vor Gericht vertritt. "Alle sind bis heute völlig schockiert." Die Familie, die türkische Wurzeln habe, befinde sich in psychotherapeutischer Behandlung.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Angriffe als Mordversuch. Erste Aussagen des gelernten Fensterputzers hatten auf Rassismus als Tatmotiv gedeutet. Bestraft werden kann der 50-Jährige Mercedesfahrer aber wohl nicht. Er gilt aufgrund einer paranoiden Schizophrenie als schuldunfähig. Die Richter müssen jedoch prüfen, ob er eine Gefahr für die Allgemeinheit ist und deshalb auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss.

Dem Verfahren haben sich 18 Nebenkläger angeschlossen. Zum Prozessauftakt sind jedoch erst einmal nur Polizeibeamte als Zeugen geladen. Das Essener Schwurgericht hat für den Prozess zunächst zehn Verhandlungstage bis zum 1. August vorgesehen.

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