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Zur Aufsichtspflicht gehört, Kinder auf die Schulweg-Gefahren aufmerksam zu machen.

Aufsichtspflicht auf dem Schulweg

Eltern haften für ihre Kinder

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KREIS RE - Eltern befinden sich im Zwiespalt. Sie wollen, dass ihre Kinder selbstständig werden. Den Schulweg zu meistern, gehört dazu. Eltern müssen aber trotzdem ihre Aufsichtspflicht im Blick haben. Was tun?

Im zurückliegenden Schuljahr ereigneten sich im Kreispolizeibezirk Recklinghausen (Kreis RE und Bottrop) 39 Schulwegunfälle, bei denen vier Kinder schwer und 35 leicht verletzt wurden. Zwölf dieser Unfälle wurden nach Angaben der Polizei von Schülerinnen und Schülern selbst verursacht.

In so einem Fall, wenn die Kinder noch jünger sind, stellt sich schnell die Frage nach der Aufsichtspflicht. Müssen Eltern ihre Sprösslinge Tag für Tag zur Grundschule eskortieren? Hier sagen Rechtsexperten eindeutig nein. Die Aufsichtspflicht gilt als erfüllt, wenn ein sechsjähriges Kind begleitet und auf die Gefahren aufmerksam gemacht wurde, bevor es seinen Schulweg alleine zurücklegt.

„Wie intensiv die Betreuung ausfallen sollte, hängt natürlich von der Reife des Kindes und dem Schwierigkeitsgrad des Weges ab“, gibt Michael Franz von der Pressestelle des Recklinghäuser Präsidiums zu bedenken. Im Zweifelsfall müssten das Gerichte bewerten.

Private Haftpflichtversicherung ist ratsam

Zivilrechtlich ist ein Kind für einen Schaden, den es anrichtet, nicht verantwortlich, wenn es das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet hat (§ 828 BGB). Eine andere Frage ist jedoch, inwieweit die Eltern oder andere Aufsichtspersonen für den Schaden einzustehen haben. Im Straßenverkehr haften Minderjährige (bzw. deren Eltern) allerdings erst ab einem Alter von zehn Jahren für von ihnen verursachte Verkehrsunfälle. Ratsam ist es für Familien in jedem Fall, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen.

Rund 6 000 i-Männchen werden in der nächsten Woche im Vest eingeschult, etwa 6 700 Jungen und Mädchen wechseln zu einer weiterführenden Schule. Diese Jugendlichen sind dann häufig mit dem Fahrrad unterwegs – und gehören damit nach Einschätzung der Polizei zur besonders gefährdeten Gruppe. Denn an 62 Prozent aller Schulwegunfälle im Vest waren Radfahrer im Alter von 10 bis 14 Jahren beteiligt. Die Polizei appelliert deshalb an die Eltern, die Drahtesel ihres Nachwuchses auf Verkehrssicherheit zu überprüfen. Beleuchtung und Bremsen seien hier an erster Stelle zu nennen – und natürlich auch der Fahrradhelm.

Allerdings ist der Leiter der Direktion Verkehr, Rolf Engler, überzeugt davon, dass die größte Gefahr auf dem Schulweg nicht von den Schülern selbst ausgeht, sondern von den anderen Verkehrsteilnehmern, die nicht achtsam genug sind. Häufig sind es sogar die eigenen Eltern, die ihre Kinder in Gefahr bringen; etwa dann, wenn auf Anschnallgurte und Kindersitze verzichtet wird.

Auch darauf werden die Polizisten achten, wenn sie in der Zeit vom 12. bis zum 28. August im Bereich der Schulen Aktionen zur Schulweg-Sicherheit durchführen.

Schulweg: Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste

  1. Eltern sollten rechtzeitig mit ihren Kindern den Schulweg üben; und zwar zu Tageszeiten, an denen sie auch wirklich zur Schule müssen.
  2. Dabei sollte die sicherste Variante und nicht die kürzeste gewählt werden. Ampeln und Zebrastreifen sind anderen Straßenquerungen vorzuziehen.
  3. Weggemeinschaften mehrerer Kinder, am besten begleitet von einem Elternteil, haben den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler besser wahrgenommen werden. Grundsätzlich empfiehlt sich das Tragen heller und reflektierender Kleidung.
  4. Kinder sollten nur an der Hausseite der Gehwege laufen, nicht am Straßenrand. Sie müssen lernen, dass sie an Ampeln auch auf abbiegende Fahrzeuge achten und an Zebrastreifen so lange warten müssen, bis eine ausreichend große Lücke im Verkehr entsteht und die Autos angehalten haben.
  5. Auch ganz wichtig: Früh genug losgehen, um Hektik auf dem Schulweg zu vermeiden.

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