Auftakt zum Umbau

Am Dortmunder Hauptbahnhof buddeln die ersten Bagger

Dortmund - Mit Arbeiten an der Entwässerung hat die Sanierung des Dortmunder Hauptbahnhofs begonnen. Bis 2024 soll die Verkehrsstation mit allen Bahnsteigen umgebaut werden. Alle Fragen sind aber noch nicht geklärt.

Sie sind tatsächlich da - die ersten Bagger buddeln am Hauptbahnhof. Ganz im Norden des Gleisbetts hat der seit vielen Jahren ersehnte Umbau der Verkehrsstation begonnen. Bis 2024 soll die Runderneuerung der Bahnstation dauern. Wir erklären den Ablauf.

Was ist geplant?

Das wichtigste Ziel ist: Der Hauptbahnhof soll endlich barrierefrei werden. Denn an vielen Bahnsteigen gibt es bekanntlich bislang keine Aufzüge, teilweise noch nicht einmal Rolltreppen. Um sie unterbringen zu können, muss der Fußgängertunnel, über den man zu den Bahnsteigen kommt, auf 13,20 Meter verbreitert werden. Die Aufzüge werden dann in der Mitte des Tunnels angelegt. Die Bahnsteige werden komplett umgestaltet - vom Boden über das "Mobiliar" und die Beleuchtung bis zu den Dächern. Es gibt insgesamt aber nur eine Standard-Ausstattung. "Funktional" soll es sein, sagt die Bahn.

Woran wird aktuell gebaut?

Bauvorbereitende Arbeiten laufen schon seit Mitte 2017. Jetzt hat Bauphase 1 des Gesamtprojekts begonnen. Dazu gehört vor allem der Neubau eines Entwässerungskanals. Die Rohre haben bis zu zwei Meter Durchmesser. Parallel wird weiter nach Bombenblindgängern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gesucht. Bislang hat man nichts gefunden - was angesichts der Tatsache, dass der Bahnhof im Oktober 1944 schwer bombardiert wurde, selbst Experten erstaunt.

Wann merkt man als Reisender etwas vom Umbau?

Wahrscheinlich im Sommer dieses Jahres. Dann beginnt im Norden der Umbau des ersten Bahnsteigs und die Verbreiterung des Tunnels. Dazu müssen die bestehenden Gleisbrücken abgerissen und neue gebaut werden. Weil es am Nord-Bahnsteig mit den Gleisen 26 und 31 gleich drei Gleisbrücken gibt, dauert das hier besonders lange. Etwa 14 Monate Bauzeit, rechnet Projektleiterin Nicole Becker. Danach geht es schneller. Der Umbau der anderen Bahnsteige, der von Norden in Richtung Süden angegangen wird, soll jeweils knapp ein Jahr dauern. Macht bei fünf Bauabschnitten also insgesamt fünf Jahre.

Warum dauern die Arbeiten überhaupt so lange?

Gebaut wird bei laufendem Bahnbetrieb. Das heißt, dass nur der Bahnsteig, an dem aktuell gebaut wird, gesperrt ist. Der Fußgängertunnel wird dann im Baustellen-Bereich zum Nadelöhr mit einer Breite von 5,60 Meter.

Ist der Hauptbahnhof denn während der Bauzeit überhaupt in der Lage, Großveranstaltungen wie etwa den Evangelischen Kirchentag abzuwickeln?

Auch das ist in der Bauplanung berücksichtigt, versichern Projektleiterin Nicole Becker und Bahnhofsmanager Jörg Seelmeyer. So wird für die Vorbereitung des Evangelischen Kirchentages im Juni 2019 eigens eine "Crowd-Managerin" eingebunden, die Pläne für die Lenkung von Menschenmassen entwickelt. "Sicherheit ist auch während des Umbaus oberstes Gebot", sagt Seelmeyer.

Welche Rolle spielen die Planungen für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) als schnelle Regionalverbindung?

Für Dortmund hinkt das Planverfahren für den RRX deutlich hinterher. Grund ist die immer noch ungeklärte Frage, ob die RRX-Strecke nach Münster über Dortmund geführt wird. Deshalb ist auch noch offen, welcher Bahnsteig im Hauptbahnhof zum RRX-Bahnsteig wird. Die Planungen seien aber so flexibel, dass dies beim Umbau keine Rolle spiele, erklärt Nicole Becker.

Was ist mit dem Bahnhofsgebäude?

Das wurde schon 2010/2011 modernisiert und im 50er-Jahre-Stil aufgehübscht. Umgebaut wird nur noch im Übergang zum Fußgängertunnel und an der Verknüpfung zur U-Bahn. Auch hier gibt es dann einen Aufzug.

Was passiert am Nordausgang?

Hier entsteht, ganz zum Ende des Gesamtumbaus, eine neue Halle, die den Bahnhofstunnel mit dem Fußgängertunnel zur U-Bahn verbindet. Bei der Frage, wie der Nordausgang gestaltet wird, spielen auch die Planungen der Stadt für das nördliche Umfeld des Bahnhofs eine Rolle. Zurzeit werden dazu Entwürfe eines städtebaulichen Wettbewerbs ausgestellt, die auch Bauten am Nordeingang vorsehen - bis hin zu einer spektakulären Rampe mit großer Bahnhofshalle. Bis zum Sommer sollen die Planungen für die drei Siegerentwürfe des Wettbewerbs verfeinert werden. Bei der Bahn ist man grundsätzlich bereit, sie zu berücksichtigen. Allerdings: Die Zeit drängt. "Wir brauchen möglichst bald eine definitive Aussage", sagt Nicole Becker. Das wisse die Stadt aber auch. Man sei im engen Austausch. Die spannende Frage bleibt dann, wie ein mögliches Eingangsgebäude im Norden des Hauptbahnhofs finanziert wird. Hier setzt die Stadt auch auf Förderung durch das Land.

Apropos Kosten. Wer bezahlt eigentlich den Bahnhofsumbau?

Die Gesamtkosten für den Bahnhofsumbau werden inklusive Planung auf 130,5 Millionen Euro beziffert. Davon finanziert der Bund aus verschiedenen Töpfen 73,2 Millionen und das Land 51,3 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Bahn beträgt 6 Millionen Euro.

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