Augmented Reality

App holt Weltkriegs-Zeitzeugen virtuell ins Klassenzimmer

Köln - Bomber über den Köpfen, Enge im Bunker: Mit einer neuen App können Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus ihre Erlebnisse für Schüler virtuell erlebbar machen.

"Es war die Hölle", sagte Anne Priller-Rauschenberg über einen Bombenangriff auf ihre Heimatstadt Köln, den sie erlebte. "Feuer, Sturm, Hitze, kein Essen, kein Schlaf", berichtete die 88-Jährige am Montag bei der Vorstellung des Projekts. "Es ist eine wichtige Aufgabe, das konserviert wird, was die Zeitzeugen zu sagen haben", sagte WDR-Intendant Tom Buhrow, in dessen Auftrag die App "WDR AR 1933-1945" entwickelt wurde.

Mit Tablets oder Smartphones können Nutzer die Zeitzeugen in das Klassenzimmer oder die eigene Wohnung holen. Durch sogenannte Augmented Reality erscheinen Hologramme und Animationen auf dem Bildschirm. Wenn Priller-Rauschenberg von Funken spricht, wehen sie durchs Bild. Später stehen Nutzer vor der zerstörten Kölner Innenstadt. "Das muss weitergegeben werden. Das darf nie verloren gehen", sagte die Zeitzeugin. Die kostenlose App ist zunächst für Apple-Geräte verfügbar. Eine Android-Version soll bald folgen.

Auch Überlebende der deutschen Luftangriffe auf London und der Blockade von St. Petersburg schildern in kurzen Videos ihre Erfahrungen. "Wir haben nach einer Form gesucht, die bei Jugendlichen funktioniert", sagte Maik Bialk aus der WDR-Redaktion Doku und Digital.

Anwesende Schüler des Kölner Genoveva-Gymnasiums zeigten Interesse. "Die App bringt uns näher dahin, dass wir das ein bisschen nachempfinden können", sagte ein Elftklässler.

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