Ausbau der B1 in Dortmund

Bauarbeiten beginnen Ende April

Dortmund - Die Bundesstraße 1 (B1) im Osten Dortmunds wird bald zur Großbaustelle: Ende April beginnen die Arbeiten für den sechsspurigen Ausbau zur Autobahn 40. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Denn es gibt klare Verlierer der Ausbaupläne.

Man muss schon fast schreien, wenn man sich an den Zapfsäulen der Westfalen-Tankstelle an der B1 verständlich machen will. Unaufhörlich dröhnt der Lärm von der nur wenigen Meter entfernten autobahnähnlichen Bundesstraße. In einigen Jahren soll der Krach hinter einer hohen Lärmschutzwand verschwinden. Aber damit auch die Zufahrt von der vielbefahrenen Schnellstraße zur Tankstelle.

"Es geht um meine Existenz", sagt Uwe Pier. Der Pächter der Westfalen-Tankstelle zwischen Holzwickede und Sölde gehört zu den Opfern der Ausbau-Pläne, die vom Landesbetrieb Straßen.NRW entwickelt und jetzt von der Deges umgesetzt werden. Die Deges, eine gemeinsame Tochter von Bund und zwölf Bundesländern, hat im Auftrag des Bundes die Federführung für den Ausbau der B 1 zur A 40 im Osten Dortmunds bis zum Autobahnkreuz Dortmund/Unna übernommen.

In den vergangenen Monaten wurden am Rande der Fahrbahn schon Bäume gefällt und Büsche gerodet. Ende April rollen die Bagger an, um zunächst den Boden für den Bau einer neuen Brücke zu bereiten. Es wird der Auftakt zu gut fünf Jahre dauernden Bauarbeiten sein.

Erste Pläne gab es bereits 2003

Die ersten Planungen dafür reichen gut 15 Jahre zurück - und waren begleitet von vielen Diskussionen und Planänderungen. Nach ersten Ankündigungen im Jahr 2003 legte Straßen.NRW 2009 der Stadt einen ersten Planentwurf zur Abstimmung vor. Der stieß allerdings auf heftige Kritik. Mehr als 200 Einwendungen gingen nach der öffentlichen Auslegung gegen den Planfeststellungsentwurf ein. Hauptkritikpunkt war der Lärmschutz. Der eigentlich für 2012 angestrebte Planfeststellungsbeschluss geriet in weite Ferne.

Nach einem Erörterungstermin mit den Kritikern im Oktober 2011 entschied Straßen.NRW, das Lärmschutz-Konzept auf Basis eines neuen Verkehrsgutachtens überarbeiten zu lassen. Die Veränderungen, die sich daraus ergaben, waren so gravierend, dass die überarbeitete Planung Ende 2014 noch einmal öffentlich ausgelegt wurde - mit der Möglichkeit für Anwohner und andere Betroffene wie die Stadt, erneut Einwendungen geltend zu machen.

Auch das wurde eifrig genutzt. 84 Einwendungen gingen bei der Bezirksregierung Arnsberg als Genehmigungsbehörde ein. Im September 2015 gab es einen weiteren Erörterungstermin, der allerdings keine Annäherung der Positionen brachte.

Hauptstreitpunkt: der Lärmschutz im Bereich Stadtkrone-Ost. Mehrere Meter hohe Lärmschutzwände würden das Einfahrtstor nach Dortmund verschandeln, lautet die Kritik. Die bringt vor allem die Initiative B1plus vor, die von Architekten und Stadtplanern getragen wird. Ihre Kritik ist grundsätzlicher Art. Der Durchgangsverkehr gehört eigentlich auf den Autobahnring um Dortmund und muss nicht mitten durch die Stadt geführt werden, erklären die Initiatoren - zumal die B1 im Bereich der Innenstadt dann erst recht zum Nadelöhr wird. Denn der vieldiskutierte B1-Tunnel ist noch in weiter Ferne.

Auf Unverständnis stößt bei den Kritikern vor allem, dass Straßen.NRW direkt ab dem Knoten mit der B 236 ein Tempo von 130 Stundenkilometern zur Grundlage für die Planungen gemacht hatte. So sind die Vorgaben des Bundes, lautet die Erklärung - auch, wenn jedermann klar ist, dass es in diesem Bereich, der den Charakter einer Stadtautobahn hat, künftig ein Tempolimit von 100 oder 120 geben wird.

Vor diesem Hintergrund reichten Stadt und die Entwicklungsgesellschaft Stadtkrone-Ost denn auch Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss durch die Bezirksregierung vom Mai 2016 ein - zogen diese später aber wieder zurück.

Man vertraut auf eine Zusage des Landes, dass auf eine Lärmschutzwand an der Südseite der B1 - also unmittelbar an der Stadtkrone-Ost - verzichtet werden kann, wenn die Büromeile dort geschlossen wird. Dann sollen die Bürobauten, ähnlich wie bei der Automeile an der Nordseite, als Lärmschutz-Riegel für die dahinterliegenden Wohnquartiere wirken.

Die Stadtkrone-Entwickler sind angesichts der aktuell großen Nachfrage nach Büroflächen auch zuversichtlich, dass das bis zum Abschluss des Ausbaus in voraussichtlich vier Jahren zu schaffen ist. Es gebe vielversprechende Gespräche für die letzten sechs Grundstücke in erster Reihe, erklärte Ludger Schürholz als Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft auf Anfrage.

Baubeginn trotz Klagen

Zwei Klagen sind trotzdem noch anhängig. Sie kommen vom Betreiber der Esso-Tankstelle an der Marsbruchstraße, die ebenso wie die Westfalen-Tankstelle von Uwe Pier von der A40 abgeschnitten wird - und vom Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Westfalen-Tankstelle steht.

Wann über die Klagen entschieden wird, ist noch nicht absehbar, teilte eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts in Münster auf Anfrage mit. Die Klagen haben allerdings keine aufschiebende Wirkung - es kann also gebaut werden.

Die Tankstellen-Betreiber sind aber nicht die einzigen Opfer des B1-Ausbaus. Betroffen ist auch der Gartenverein Einigkeit in Aplerbeck, dessen Gärten direkt an der B1 liegen. Hier soll die Trasse im Bereich der Brücke über die Aplerbecker Straße sogar um bis zu zwölf Meter nach Norden wachsen. Vier bis sechs Gärten müssen dafür geopfert werden, berichtet die Vorsitzende des Gartenvereins, Jeanette Pesch.

Ob es danach hinter einer höheren Lärmschutzwand tatsächlich leiser wird für die Kleingärtner weiß man ebenso wenig, wie den Zeitpunkt der Ausbauarbeiten im Bereich der Gartenanlage.

Der aktuelle Bauzeiten-Plan

Richtig los gehen mit dem Ausbau der B1 wird es wohl erst im Sommer 2019, wie Karl Heinz Aukschun, Projektleiter bei der Deges erklärt. Zuvor steht erst einmal eine wichtige Brücke auf dem Bauprogramm: Die Überquerung der B1 im Bereich Buddenacker/Köln-Berliner-Straße zwischen Neuasseln und Aplerbeck mit der Auffahrt Sölde. Sie ist eine von zwölf Brücken, die im Zuge des Ausbaus ersetzt oder erneuert werden.

Ende April beginnen an der Anschlussstelle Sölde erste Bodenarbeiten - begleitet von archäologischen Experten, die nach Relikten aus der Stadtgeschichte suchen. "Die neue Brücke wird neben der bestehenden errichtet", erklärt Aukschun. Die Fahrbahn des Buddenackers wird dazu nach Süden verschwenkt. Wenn die neue stützenfreie Stahltrog-Brücke steht, kann die alte Brücke abgerissen werden. Dann muss die Verbindung zwischen Köln-Berliner-Straße und Buddenacker für etwa zwei Monate gekappt werden. Die B1 wird beim Einschwenken des neuen Brückentrogs und für den Abriss der alten Brücke voraussichtlich an jeweils ein oder zwei Wochenend-Tagen voll gesperrt. Bis Mitte 2019 soll der Verkehr dann über die neue Brücke rollen.

Dann beginnt im ersten, sechs Kilometer langen Bauabschnitt zwischen Marsbruchstraße und Holzwickede der eigentliche, knapp drei Jahre dauernde Ausbau der B1, die in Richtung Norden um drei bis vier Meter verbreitert wird. Der Verkehr auf der B1 kann auf verengten Fahrspuren weiterfließen - erst verschwenkt in Richtung Norden, später auf der Südseite. Das ist ein Zustand, der dann gut drei Jahre andauern und mit Sicherheit für Verkehrsbehinderungen sorgen wird. Erst 2022/23 folgen dann die Bauabschnitte 2 und 3. Doch hier gibt es noch ein paar Unwägbarkeiten.

Es gibt noch Unwägbarkeiten

Wenn der erste Bauabschnitt Mitte 2019 beginnt, soll auch schon weiter östlich gebuddelt werden. Im Bereich Holzwickede entstehen ab Mitte 2019 Anlagen zur Entwässerung der Strecke. Dass der eigentliche zweite Bauabschnitt zur Erweiterung auf sechs Spuren erst 2022 beginnt, hat seine Gründe. Denn die Planungen stehen hier noch auf wackeligen Füßen. So steht noch die Planfeststellung für eine neue Ortsumgehung für Holzwickede aus, die im Bereich der Straße Oelpfad auf die B1 treffen soll. Auch hierzu sind Klagen zu erwarten. Und weiter östlich arbeitet der Landesbetrieb Straßen.NRW noch an den Planungen für den Umbau des Autobahnkreuzes Dortmund/Unna.

Ebenfalls noch offene Fragen gibt es im dritten Bauabschnitt an der Stadtkrone-Ost, die 2022/23 ganz am Ende des Gesamtprojekts steht - mit Rücksicht auf die noch offene Lösung für den Lärmschutz.

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