Ausbildung zum Bestatter immer beliebter

Es gibt viele Bestattungshäuser, aber wenig Ausbilder

DORTMUND - Fabienne Hense, 21, wird Bestatterin. Im August hat sie ihre Ausbildung begonnen. Sie ist damit eine von aktuell fünf Auszubildenden in Dortmund für diesen Beruf. Die Ausbildung ist noch jung. Aber gefragt.

Mit dem Tod beschäftigt sich Fabienne Hense jeden Tag. Das ist ihr Beruf. Ohne den Tod würde es keine Bestatter geben. Aber der Tod, die Arbeit mit Verstorbenen, das sei nur ein kleiner Teil ihres Berufs. Vielmehr beschäftige sie sich jeden Tag mit dem Leben.

Im August hat die 21-Jährige ihre dreieinhalbjährige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft im Bestattungshaus Weber in Brackel begonnen. Sie ist die erste Auszubildende in dem Unternehmen, das vor fünf Jahren von der Friedhofsgärtnergenossenschaft Dortmund gekauft worden ist. Und sie ist, laut Handwerkskammer, nur eine von derzeit fünf Auszubildenden in Dortmund insgesamt.

Seit 2007 staatlich anerkannte Ausbildung

Erst seit 2007 ist die Bestattungsfachkraft ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. 2003 startete die Erprobungsphase. Zuvor gab es keine geregelte Ausbildungsverordnung, oft reichte eine Weiterbildung, um Bestatter zu werden.

Tischlereien waren es früher meist, die sich um Bestattungen gekümmert haben. Der Bestatter habe überführt, beerdigt, fertig. Das sei längst nicht mehr so, sagt Susanne Wolf, Geschäftsführerein des Bestattungshauses Weber. Die Gesellschaft habe sich verändert und mit ihr der Beruf. "Es geht um Vertrauen", sagt Wolf.

45 Unternehmen, vier Ausbilder

Bei der Handwerkskammer sind aktuell 45 Bestattungsunternehmen aus Dortmund angesiedelt. Vier von ihnen bilden aus. Dazu gehört das Bestattungsunternehmen Hibbeln in Eving.

Meik Hibbeln (28) führt das Unternehmen mit seiner Schwester und seiner Mutter, seit der Vater vor elf Jahren gestorben ist. Das Unternehmen hat zurzeit zwei Auszubildende. "Wir bilden permanent aus, ich möchte Nachwuchs haben", sagt Hibbeln.

"Wir brauchen jungen Nachwuchs"

Ähnlich sieht es Susanne Wolf: "Wir brauchen jungen Nachwuchs. Wir sind zu alt." Und der müsse qualifiziert sein: "Es ist ein so sensibles Thema. Da sollte man nur Gelernte einsetzen."

Der Tod, sagt Ulrich Heynen von den Friedhöfen Dortmund, komme immer plötzlich. Die Angehörigen seien selten vorbereitet. "Je qualifizierter der Bestatter ist, desto pietätvoller und einfacher wird der restliche Ablauf."

"Nie eine Notlösung"

Wer sich für die Ausbildung entscheide, mache das meistens aus einem persönlichen Grund, sagt Kai Thomaschewski, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer. "Es ist nie eine Notlösung".

Manche haben das Bedürfnis, etwas zurückzugeben, anderen zu helfen. Manche haben selbst schlechte Erfahrungen gemacht. Manche haben einen wichtigen Menschen verloren. "Die Entscheidung für diesen Beruf ist eine Bewusste", sagt Meik Hibbeln.

Ein würdiger Abschied

Bei Fabienne Hense war es der Tod der Oma vor sieben Jahren. "Da habe ich erst verstanden, was Trauer wirklich ist", sagt sie. Vor ein paar Monaten starb ihr Pferd. Ein Tier, kein Mensch. Aber ein Lebewesen, dem sie nah war, das sie begleitet hat. Der Schmerz war groß, aber es habe sie in ihrem Job bestärkt, sagt sie. "Für mich ist ein Verstorbener immer noch ein Mensch. Ich möchte ihm einen würdigen Abschied bereiten."

Ihre Aufgaben als angehende Bestatterin sind vielfältig. "Wir sind ein bisschen von allem: Seelsorger, Jurist, Kaufmann und Kreativköpfe", sagt Susanne Wolf.

Tag und Nacht erreichbar

Bestatter organisieren Trauerfeiern und Beisetzungen. Sie müssen Rechtsvorschriften, Normen, Riten und Gebräuche kennen. Sie kümmern sich um Beurkundungen, schreiben Traueranzeigen. Sie versorgen die Verstorbenen. "Es fasziniert mich, was mit dem Körper nach dem Tod passiert", sagt Fabienne Hense.

Bestatter müssen Handwerkliches können, Särge und Urnen herrichten etwa. Und vor allem: Sie beraten die Hinterbliebenen, sind Tag und Nacht erreichbar. "Man muss selbstbewusst, kreativ, flexibel und sensibel sein", sagt Susanne Wolf. "Die Grundlage ist Empathie", sagt Susanne Lategahn von Lategahn Bestattungen mit Stammsitz in Hörde, einem weiteren Ausbilder.

Vielseitigkeit

Sie möge, sagt Fabienne Hense die Vielseitigkeit des Berufs. "Jeder Sterbefall ist individuell", sagt sie. "Ich war mir am Anfang unsicher, ob ich mit der Trauer der Angehörigen zurechtkomme." Bislang funktioniere das gut.

Schlimme Schicksalsschläge, junge Menschen, die aus dem Leben gerissen wurden, habe sie noch nicht erlebt. Es waren eher alte, kranke Menschen. Es berühre sie trotzdem. Jedes Mal. Es sei ihre Aufgabe, einen schönen Abschied zu ermöglichen.

Emotionen gehören dazu

Julia Fialek hat 2011 ihre Ausbildung bei Lategahn beendet, ist dort nun angestellt. Sie kam über ein Schulpraktikum zum Bestattungshaus. "Nach der ersten Woche war mir klar, dass ich nichts anderes machen möchte", sagt sie. "Man bekommt sehr viel zurück." Aber, sagt sie, "man muss das wirklich wollen." Der Druck sei oft groß. Manchmal sei sie nah dran, selbst zu weinen, sagt Fialek.

Gefühle seien wichtig. Ja, essenziell, sagen die Bestatter. "Wenn wir aufhören, emotional zu sein, sind wir fehl am Platz", sagt Susanne Wolf. Umso wichtiger sei es, im Team über alles zu sprechen, sich gegenseitig aufzufangen. "Es gibt Fälle, die nagen an einem. Das darf man nicht zu nah an sich heranlassen", sagt Meik Hibbeln. Jeder müssen seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen. "Es ist", sagt Susanne Lategahn, "eine Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz."

Es gibt drei Berufsschulen

Zur Ausbildung gehört Schule. Fabienne Hense besucht die Berufsschule in Wermelskirchen. Sie hat dort alle paar Wochen Blockunterricht. Es ist eine von drei Schulen (weitere sind in Bad Kissingen und Springe) in Deutschland. In ihrer Klasse seien 53 angehende Bestatter.

"Ein Traumberuf war das früher nicht", sagt Susanne Wolf. Das habe sich geändert. Vielleicht, vermutet Wolf, liege das an Fernsehserien. "Die jungen Leute wollen sehen, wie ein Toter aussieht."

70 Prozent weibliche Bewerber

Er habe etwa 20 bis 25 Bewerber im Jahr, sagt Meik Hibbeln. 70 Prozent Frauen. Wie in vielen anderen Bereichen sei es schwierig, gutes Personal zu bekommen.

Raphaela Schletter von Huhn Bestattungen aus Huckarde, die ebenfalls ausbilden, sagt: "Wir bekommen jährlich etwa 50 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz - ohne Werbung."

Nachwuchssorgen gebe es bei den Bestattern nicht, bestätigt Kai Thomascheweski. Die Ausbildungszahlen steigen. Offene Stellen werden besetzt. Aber es sei eine Nische im Ausbildungsbereich.

Nicht jeder darf ausbilden

Die meisten Bestattungsunternehmen sind familiengeführt. Sie lösen die Nachwuchsfrage oft intern. "Als Außenstehender in diesen Beruf zu kommen ist schwierig", sagt Susanne Wolf. Ein weiterer Grund, warum es wenige Ausbildungsbetriebe gibt, ist - neben dem finanziellen Aufwand -, dass viele Bestatter nicht befähigt sind, auszubilden.

Sie müssen eine Meisterprüfung abgelegt haben oder eine Abschlussprüfung und Berufspraxis nachweisen. "Aber die Hürde ist nicht so groß", sagt Ausbildungsberater Kai Thomaschweski. Das dürfe kein Hindernis sein.

Der Konkurrenzkampf ist groß

Daniel Karoske ist Quereinsteiger. Der gelernte Versicherungsfachmann hat 2013 das Bestattungshaus Müller in Dorstfeld übernommen. Er hat keinen Ausbildungsschein, sagt aber: "Es besteht großes Interesse an dem Beruf. Die Nachfrage ist stark gestiegen." Das führt er auch darauf zurück, dass es ein offizieller Ausbildungsberuf ist.

Der Konkurrenzkampf unter den Bestattern ist groß. "Der Dortmunder Markt ist unheimlich umkämpft", sagt Susanne Lategahn. Viele, sagen die Bestatter, würden Preisvergleiche im Internet anstellen und ein paar schwarze Schafe, die mit Dumpingpreisen locken, gebe es auch in dieser Branche.

Das A und O

"Ohne Alleinstellungsmerkmale ist man verloren", sagt Susanne Lategahn. Ehrliche Beratung, das bestätigen alle, sei das A und O. "Man darf nicht mit dem Preis gehen, sondern mit der Qualität", sagt Meik Hibbeln. Dabei spielten Vorsorgegespräche eine immer größere Rolle.

Fabienne Hense sagt: "Mir gibt es Antrieb weiterzumachen, wenn die Leute ein schönes Leben hatten. Das wünsche ich mir auch für mich." Über ihren eigenen Tod denke sie kaum nach.

Dankbarkeit motiviert

Jeder Mensch, der sterbe, schaffe eine gewisse Demut, sagt Susanne Wolf. "Man versucht, das Leben mehr zu genießen", sagt sie. "Es bring einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Deshalb ist dieser Beruf so kostbar." Die Dankbarkeit der Hinterbliebenen ist ein Antrieb. "Den Menschen zu helfen gibt mir unheimlich viel Motivation", sagt Meik Hibbeln. "Das bekommt man mit keinem Geld bezahlt."

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