Ausgesetzte Tiere

Eine ausgesetzte Gelbwangenschildkröte wird am Gondelteich geduldet

Das Aussetzen ungeliebter Haustiere ist keine Seltenheit. Doch herrenlose Amphibien stellen eine Bedrohung für die Natur dar. Wie eine Schildkröte, die am Gondelteich wohnt.

Wenn die Lust am Haustier vergeht oder eine Haltung aus verschiedenen Gründen nicht mehr gewünscht oder gewollt ist, kommt es leider immer wieder vor, dass Besitzer ihre Tiere aussetzen. In Castrop-Rauxel ist zunehmend festzustellen, dass Schildkröten, Fische, Eidechsen und andere Amphibien heimlich und illegal in städtischen Gewässern ausgesetzt werden. Nach dem Landesnaturschutzgesetz machen die Besitzer sich damit strafbar. Nicht einheimische Tierarten dürfen nicht ausgesetzt werden.

Ein großer Teil der ausgesetzten Tiere überlebt den ersten Winter nicht, da die Tiere wärmere Gewässer benötigen. Milde Winter überleben jedoch vor allem Schildkröten, die bis zu 70 Jahre alt werden können.

Ökologisches Gleichgewicht wird gestört

Je nach Amphibienart kann das ökologische Gleichgewicht im Gewässer empfindlich gestört werden. Viele Schildkröten sind Allesfresser und ernähren sich von Eiern, Larven und Pflanzenteilen sowie verschiedenen für den Naturhaushalt wichtigen Kleintieren wie zum Beispiel Wasserflöhen, die das Wasser durch ständiges Filtern säubern. So wird durch das Aussetzen von Schildkröten das lokale Aussterben besonders gefährdeter Tierarten, wie etwa andere Amphibien, beschleunigt.

Oft sind es gerade die seltenen Arten wie Laubfrosch und Kammmolch, die auf diese Weise binnen weniger Jahre lokal ausgerottet werden können. Dieser Vorgang geht schleichend vor sich, da in der Regel nicht erwachsene Tiere, sondern die Eier, Larven und Kaulquappen vertilgt werden. Auch seltene, unter Schutz stehende Insekten, wie unter anderem einige Libellenarten, sind betroffen.

Schildkröte wird sich hier nicht vermehren können

Eine Gelbwangenschildkröte lebt seit etwa drei Jahren am Gondelteich im Stadtgarten. Da sich diese Art dort vermutlich nicht vermehren kann, duldet der Bereich Stadtgrün und Friedhofwesen der Stadtverwaltung den Aufenthalt des ungebetenen Gastes. Ein zweites Tier der Art wurde noch nicht gesichtet. Andere ausgesetzte Tiere werden von den engagierten Mitgliedern des Angel- und Gewässerschutzvereins DoCas-Blinker 1982 dem Gebiet entnommen und einem Zoofachgeschäft übergeben.

Die Stadtverwaltung appelliert an alle, die mit dem Gedanken spielen, sich ein Haustier zuzulegen, sich diese Entscheidung bewusst zu überlegen, Verantwortung zu übernehmen und auch an die Konsequenzen zu denken. Und wer bereits ein Haustier hat und es nicht mehr halten kann oder möchte, muss sich über entsprechende Möglichkeiten informieren, das Tier in gute Hände weitervermitteln oder sich an eine Tierschutzorganisation wenden.

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