Ausstellung auf Zeche Zolllern

Spannende Wissens-Ausstellung zwischen Mata Hari und Mondrakete

"Alles nur geklaut?" ist der Titel einer Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. Besucher können vom 23. März bis 13. Oktober "die abenteuerlichen Wege des Wissens" kennenlernen.

Am Anfang war das Rad. Es war neben Faustkeil und Feuer eine der ersten und wichtigsten Erfindundungen der Menschheit - und steht so auch am Beginn der Sonderausstellung "Alles nur geklaut?" im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. Es geht um bahnbrechende Erfindungen und ihre Folgen, um die Frage wie Wissen genutzt, geschützt und bisweilen auch missbraucht wird.

Die Geschichte des Rads ist dafür nur ein Beispiel. Die Zeitspanne bei der Installation in der Werkstatt der Zeche Zollern reicht von der Jungsteinzeit mit einem 4000 Jahre alten Scheibenrad als ältestem Exponat der gesamten Ausstellung bis zum Formel-1-Reifen.

Auch sonst ist der Bogen weitgespannt. Wissen wird unter unterschiedlichen Aspekten beleuchtet. Eine Bücherwand mit einem 243-bändigen Universal-Lexikon zeigt, wie Wissen früher, ein Computer mit Wikipedia-Programm wie es heute gesammelt wird.

Historische Personen vermitteln Wissen

In der Regel sind die Ausstellungseinheiten mit historischen Personen verknüpft. Erfinder Karl von Drais, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit einem Laufrad für Aufsehen sorgte, steht beispielhaft für die Entwicklung des Rads. Bei Raketenbauer Wernher von Braun geht es um die Frage von Wissensnutzung und Moral.

Denn bevor der Wissenschaftler am Apollo-Programm der USA mitarbeitete, stand er mit dem Bau der V2-Rakete für den Zweiten Weltkrieg im Dienst der Nationalsozialisten und hatte keine Probleme damit, KZ-Häftlinge für das Rüstungsprogramm einzusetzen. Relikte der V2-Rakete und Modelle der Apollo-Rakete gehören zu den spannenden Exponaten der Ausstellung.

Weg durch das Ausstellungslabyrinth

Auf dem weiteren Weg durch das Ausstellungslabyrinth geht es um Patent- und Markenschutz. Man erfährt, dass Werner von Röntgen ganz bewusst auf ein Patent für die von ihm entdeckten Röntgen-Strahlen verzichtete und Bundeskanzler Konrad Adenauer vergeblich auf ein Patent für das von ihm entwickelte beleuchtete Stopf-Ei hoffte.

Besonders spannend ist die Spionage-Abteilung. Zu bewundern sind die Verschlüsselungsmaschine "Enigma" und Film-Requisiten von James Bond wie der Raumanzug aus "Moonraker". Im Mittelpunkt stehen aber zwei ganz unterschiedliche Spioninnen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Die berühmte Tänzerin Mata Hari, die für Deutschland spionierte, um ihr mondänes Leben weiterführen zu können, und die geheimnisvolle Spionin am Schreibtisch Elsbeth Schragmüller - Tochter des ersten Mengeder Amtsmanns Carl Anton Schragmüller.

Umgang mit der Informationsflut

Nicht fehlen darf natürlich eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie Wissen und Daten heute verarbeitet und genutzt werden. "Der Umgang mit der täglichen Informationsflut und mit dem gesammelten Wissen machen das Thema hochaktuell", stellt LWL-Direktor Matthias Löb fest.

1,2 Millionen Euro hat sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Sonderausstellung kosten lassen, die fast drei Jahre lang vorbereitet wurde. Und die Austellungsmacher gehen selbst ungewöhnliche Wege bei der Wissensvermittlung.

Unter dem Stichwort Inklusion wurde die Texte bewusst knapp gehalten, erklärt Projektleiterin Anja Hoffmann. Viele Inhalte werden multimedial vermittelt. Es gibt Tast- und Hörstationen. Mit Holographie-Technik und Schauspielern werden historische Figuren wie Carl von Drais und Elsbeth Schragmüller lebendig. Besucher können selbst "Selfies" in eine "Cloud" schicken, die über ihren Köpfen schwebt.

Besondere spielerische Elemente sind sechs Kammern des Wissens, aus denen man sich ähnlich wie in "Escape-Rooms" herausrätseln kann.

Und in einer Wissenswerkstatt haben sich Jugendliche aus Deutschland, Polen und Irland, sehr kreativ mit dem Thema Wahrheit und Wissen auseinandergesetzt.

Ausstellungs-Besucher sollten viel Zeit mitbringen.

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