Auszeichnung

Cityring der Innenstadt-Kaufleute geht an Wihoga-Leiter Harald Becker

Harald Becker wird am Montag mit dem Cityring der Innenstadt-Kaufleute ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit sein innovativer Einsatz als Bildungsmanager für die Wirtschaftsschule Wihoga.

Wer mit Harald Becker spricht, hört ihm die Begeisterung für "seine" Wihoga, die er seit 2007 leitet, an. Der 59-Jährige ist Motor für viele Veränderungen an den Wirtschaftsschulen für Hotellerie, Gastronomie, Handel und Dienstleistungen (Wihoga).

Genau dafür ehrt ihn der Cityring, die Gemeinschaft der Innenstadt-Kaufleute, am Montag (14.1.) mit ihrer höchsten Auszeichnung - dem Cityring. Vor der Verleihung im Westfälischen Industrieklub haben wir mit Harald Becker gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zum Cityring. Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?

Ich empfinde das als eine sehr große Ehre, nicht nur für mich, sondern für das gesamte Gastgewerbe, über das ja oft viel zu negativ geredet wird. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit der Preisverleihung dazu führt, dass das Gastgewerbe stärker als Lifestyle-Branche wahrgenommen wird und dass die Gäste die Mitarbeiter in der Gastronomie mehr wertschätzen. Mein Anliegen ist es auch, dass die duale Ausbildung wieder einen höheren Stellenwert bekommt in der Gesellschaft.

Die Wihoga wird in diesem Jahr 60 Jahre alt, Sie selbst sind seit 30 Jahren dabei, seit elf Jahren als Leiter. Lässt sich die Wihoga von damals überhaupt noch vergleichen mit der heutigen Einrichtung?

Nein, überhaupt nicht. Geblieben ist die Schülerzahl mit 300 bis 360. Es gab lange aber nur zwei Bildungsgänge: die Wirtschaftsfachschule, wo wir staatlich geprüfte Betriebswirte ausbilden, also bereits ausgebildete Leute aus der Praxis, die dann das Management dazu lernen. 1986 kam dann die Hotelberufsfachschule dazu, wo junge Leute auf eine duale Ausbildung vorbereitet werden. Viele davon sind später wiedergekommen, um sich zum Betriebswirt ausbilden zu lassen. Das war bis Juli 2015 so mit zwei Bildungsgängen.

Aber dann war es durch die Veränderungen in der Branche Zeit, sich breiter aufzustellen. Wir haben 2015 das Wirtschaftsgymnasium für Hotellerie, Gastronomie, Tourismus und Event eröffnet. Das hat auch gleich großen Erfolg gehabt. 2018 haben wir die ersten Abiturienten verabschiedet. Dieses Wirtschaftsgymnasium wird inzwischen als iPad-Klasse geführt. Damit stellt sich auch der ganze Unterricht um auf mehr Selbstständigkeit der Schüler. Und seit diesem Schuljahr kann man das Wirtschaftsgymnasium mit Mode- und Luxusmanagement verbinden.

Die Gastronomie hat sich ja extrem verändert. Systemgastronomie, Catering und Franchise waren früher noch kein Thema. Inwieweit prägt das die Ausbildung?

Diese Veränderungen sind hier auch immer schon sehr offen angegangen worden, das unterscheidet uns auch von anderen Hotelfachschulen. Catering hat bei uns schon 1996 auf Initiative der Branche einen Zusatzstudiengang hervorgerufen, für den wir mit einem Innovationspreis ausgezeichnet wurden. Das läuft auch immer noch. Wir haben auch sehr früh schon Marketing oder EDV unterrichtet.

Würden Sie jungen Menschen raten, in die Gastronomie zu gehen, und was muss man mitbringen?

Ja. Es lohnt sich schon, in die Gastronomie zu gehen. Das ist eine boomende Branche. Es ist am Anfang natürlich relativ hart, aber das gilt für jede Dienstleistung. Außerdem sind Erfahrungen in Hotellerie und Gastronomie eine sehr gute Basis für alle anderen Dienstleistungsberufe und beschleunigen beobachtbar Karrieren. Wir sehen ein eher gesellschaftliches Problem, weil viele junge Leute nur noch eine geringe Frustrationstoleranz und wenig Durchhaltevermögen haben. Da kommt es auch auf die Qualitäten der Führungskräfte an. Wir hoffen ja immer, dass unsere Absolventen, in den Betrieben, die sie führen, entsprechend agieren. Da haben wir auch sehr gute Beispiele. Zudem haben junge Leute sehr viel Spaß an den vielfältigen Facetten der Gastronomie, viele finden das peppiger, als am Schreibtisch zu sitzen.

Neuestes Kind der Wihoga ist das Mode- und Luxusmanagement. Worum geht es da?

Das geht sehr stark in Richtung Einzelhandel. Die Initiative wurde von Thomas Schäfer (Geschäftsführer Handelsverband, Anm. d. Red.), Heinz-Herbert Dustmann (Ladenbau-Unternehmer und IHK-Präsident) und Wirtschaftsförderungschef Thomas Westphal angestoßen. Die haben die Erfolgsstory der Wihoga beobachtet und gesagt, so etwas brauchen wir für unsere Branche auch. Man hat mich dann um einen Ratschlag gebeten und der ist dann so geendet, dass wir diesen neuen Bildungsgang gemeinsam entwickelt haben. Wir haben ja überwiegend Lehrer mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund beziehungsweise Diplom-Handelslehrer. Insofern können wir das gut abdecken.

Die Wirtschaftsfachschule für den Modehandel ist im Grunde genommen fast eine Blaupause der Wirtschaftsfachschule für Gastronomie und Hotellerie. Der Lehrplan wurde natürlich komplett neu erstellt. Da haben wir die Chance gehabt, sehr aktuelle Themen einzupflegen wie E-Commerce, Visual Merchandising und Warenwirtschaft. Und wir haben die Themen Mode und Luxusmanagement auch schon als Differenzierung im Wirtschaftsgymnasium eingebaut.

Gibt es noch neue Pläne?

Wir planen in Kooperation mit der FH Dortmund ein duales Studium über vier Jahre mit vier Abschlüssen. Das soll parallel für die Hotellerie und den Modehandel laufen. Für den Bachelor-Teil werden die Studierenden dann gemeinsam beschult. Nach zwei Jahren kann man vor der IHK die Prüfung als Einzelhandels-Kauffrau oder -Kaufmann beziehungsweise Hotel-Fachfrau oder -Fachmann ablegen, nach drei Jahren wird man staatlich geprüfter Betriebswirt mit Ausbilderschein und nach vier Jahren hat man den Bachelor. Das wird dann etwa 300 Euro im Monat kosten.

Unsere Wirtschaftsfachschule ist darin integriert. So haben die Studierenden vom ersten Tag teilweise auch schon Unterricht durch Dozenten der Fachhochschule Dortmund und durch unsere Lehrer der Wirtschaftsfachschule. Außerdem arbeiten wir generell an einer kompletten Neuorientierung im pädagogischen Bereich. Da gibt es tiefgreifende Veränderungen von Unterrichtsinhalten, Methoden und Organisation. Es geht um individuelles Lernen, weg vom Lernen im Gleichschritt. Das ist unsere Hausaufgabe für die nächsten Jahre.

Was macht Harald Becker dann noch privat, wenn Zeit übrig bleibt?

Ich bin Familienmensch, wir reisen gerne und halten immer Ausschau nach neuen Konzepten und Ideen. Oft treffen wir dann gern auch ehemalige Schüler, die uns dann hinter die Kulissen blicken lassen.

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