Autofriedhof an der Bornstraße

Ein alter Schrottbus soll zum Schmuckstück werden

DORTMUND - Ein Schandfleck ist der städtische Streifen an der Bornstraße im Dortmunder Norden schon seit Jahren. Nach der Rodung sieht der zugemüllte Autofriedhof nun noch trostloser aus. Busfahrer Bruno Weizmann steht trotzdem mit leuchtenden Augen zwischen den Schrottfahrzeugen. Mit einem davon hat er etwas ganz Besonderes vor.

Bruno Weizmann ist Busfahrer mit Leib und Seele. Und mit Herz. Kleine Fahrgäste lieben ihn, weil er immer gute Laune hat und sie ab und an den Knopf für die Türöffnung drücken dürfen. "Ich liebe meinen Beruf wirklich", sagt der 60-Jährige, der früher in der Stahlproduktion gearbeitet hat und erst mit 54 Jahren auf dem Busfahrersitz landete.

Mehrere Interessenten für den gestrandeten Bus

An der Brachfläche neben dem "Junkyard" an der Bornstraße, vor der sich andere angeekelt abwenden, geht Bruno Weizmann das Herz auf. Denn mitten auf dem Areal steht ein alter Gelenkbus. Auf den ist Bruno Weizmann, von seinen Kollegen auch liebevoll "Alte Säge" genannt, scharf, seit er ihn irgendwann zwischen all dem Schrott und Gestrüpp entdeckt hat.

Er möchte die Front abtrennen, aufarbeiten und in seinem Kleingarten in Derne als fahrbaren Wind- und Sichtschutz aufstellen. Aufgearbeitet und wie die DSW21-Busse lackiert in Rot, Weiß und Schwarz soll das ein Glanzstück der Gartenanlage werden. "Das wird super aussehen", schwärmt Weizmann.

Der DSW21-Mitarbeiter hat sich verrannt in die Idee. Seit Wochen verhandelt er mit der Stadt, der Eigentümerin des Geländes. Die aber möchte den Schrottbus lieber komplett in einem Stück loswerden. Dafür gebe es auch Bewerber, und deshalb muss Bruno, die Säge, abwarten. Sollten die anderen ihren Plan nicht umsetzen, könnte der Busfan mit der Flex anrücken. Aber noch ist nichts entschieden.

Grundstück ist seit Jahren verwahrlost

Auch in dieser Sache geht es also an der Bornstraße /Ecke Schlägelstraße nur sehr langsam voran. Im Frühjahr sollen auf dem städtischen Gammelstreifen Blumen blühen, hatte Oberbürgermeister Ullrich Sierau versprochen, nachdem diese Zeitung in der Serie "Vergessene Orte" über das traurige Areal an der wichtigen Zufahrtsstraße in die City berichtet hatte.

Mit der Räumung geht es nur langsam voran

Denn seit Jahren wuchern Unkraut und Abfallberge auf dem Gelände, das einst von Autohändlern gepachtet war. Diese Verträge sind seit Langem gekündigt, 2016 haben die Händler ihre alten Verkaufscontainer endgültig verlassen. Der Schrott aber blieb stehen, samt Tankanhänger und Fässern mit unbekanntem Inhalt. Neue gewerbliche Nutzungspläne ließen sich nicht kurzfristig realisieren, hatte die Verwaltung im September erklärt. Aber zumindest die Fahrzeugwracks sollten verschwinden.

Inzwischen ist das Gestrüpp gestutzt, verrottende Wohnwagen, Anhängern, Imbiss- und Bauwagen stehen noch immer auf dem Gelände. Aber auch ein großer Müllcontainer der EDG. Von einem schmucken Grünstreifen aber ist das Gelände noch weit entfernt. "Mit der Räumung wurde im November 2017 begonnen", teilt Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage mit. Die Fläche sei "zum großen Teil mit Bäumen und Sträucher überwuchert, sodass eine Räumung nur sukzessive erfolgen kann".

Hilfe bei der Entsorgung angeboten

Bruno Weizmann würde gern dazu beitragen, auch über die 40-Bus-Zentimeter hinaus. "Ich würde mithelfen, den Rest zu entsorgen", bietet der Hobby-Boxer an. Denn er sieht "seinen" Bus schon vor sich, mit leuchtenden Lampen und geputzten Scheiben. Und daneben das von seinen Boxkollegen eigens für ihn gefertigte Bushaltestellenschild "Zur alten Säge".

Warum eigentlich Säge? "Weil ich immer die Säge mache, wenn etwas gut läuft", sagt Bruno Weizmann und bewegt den Unterarm wie einst Boris Becker, der die Gewinner-Geste erfunden hat. Sollte das noch klappen mit der Busfront, dann wäre sie sicher wieder fällig, die Säge.

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