Autokorso

Polizei warnt vor „Hochzeits-Blockaden“

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Kreis RE/Düsseldorf - Rasende „Feiergesellschaften“ beschäftigen den Innenausschuss in Düsseldorf. Klagen gibt es auch über „Freudenschüsse“.

In Oer-Erkenschwick radiert ein 24-Jähriger bei einem Hochzeits-Autokorso vor ein paar Tagen mit durchdrehenden Reifen einen kreisrunden Gummi-„Donut“ auf den Asphalt. In Essen stoppen Polizisten eine rasende „Hochzeitsgesellschaft“, die auch bei „Rot“ fährt – zwei Fahrer (25, 26) müssen den Führerschein abgeben, der Bräutigam landet auf der Wache. Und dann blockiert eine „Feiergesellschaft“ mit Luxuskarossen die Autobahn 3, um Fotos zu schießen. All diese Auswüchse waren gestern Thema im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages – Menschen kennen das sinnlose Hin- und Herfahren nebst „Freudenschüssen“ aus Schreckschusswaffen seit Jahren.

Nach den Vorfällen der vergangenen Tage warnt die Polizei eindringlich vor Straßenblockaden durch Hochzeitsgesellschaften. „Wenn es dabei zu einem Unfall kommt, werden die Verantwortlichen ihres Lebens nicht mehr froh“, sagte Polizeisprecher Kim Freigang in Düsseldorf. Die Ermittler seien guter Dinge, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Im Innenausschuss des NRW-Landtages erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU), dass die Polizei im Fall der A 3-Blockade gegen zehn Beschuldigte ermittle – sieben davon seien identifiziert. Weiter heißt es im Ausschuss: Nach bisherigen Erkenntnissen sei keiner der Halter der Luxuskarossen an dem Vorfall beteiligt gewesen. Eines der insgesamt fünf beteiligten Autos sei auf eine Stiftung zugelassen. Zwei Sportwagen der Marke Porsche hätten zwar nicht gestoppt werden können, die Kennzeichen seien aber bekannt.

Einer Zivilstreife warenLuxus-Sportwagen aufgefallen, die mit Warnblinklicht auf allen Spuren der A 3 bei Ratingen hin und her pendelten, so den Verkehr hinter sich ausbremsten und schließlich stoppten.

Verhöhnung mit „dem guten Anwalt“

Als die mutmaßliche Hochzeitsgesellschaft die Polizei bemerkte, fuhren alle Teilnehmer umgehend wieder an. Später seien einzelne Fahrer gestoppt worden. Sie hätten die Beamten wissen lassen, diese bräuchten sich keine Gedanken zu machen, man „kenne einen guten Anwalt“. Alle hätten abgestritten, etwas falsch gemacht zu haben, oder angegeben, bereits mit ihren Anwälten telefoniert zu haben.

Wegen der festlichen Kleidung und den auffälligen Blumendekorationen an den Autos gehen die Behörden davon aus, dass es sich um eine Hochzeitsgesellschaft handelte. Den Männern im Alter zwischen 25 und 32 Jahren wird gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Nötigung vorgeworfen.

Seit Jahren gibt es Beschwerden von Bürgern

-Eine türkische Hochzeitsgesellschaft sorgte am Heiligabend 2016 für Aufsehen in Recklinghausen-Süd und im Hertener Süden. Die Polizei stoppte zahlreiche Fahrzeuge eines lärmenden Auto-Korsos. Es waren Schüsse aus Schreck- schusswaffen abgefeuert und rote Ampeln missachtet worden. Durch das Verkehrschaos wurden andere Autofahrer behindert. -Schon im April 2016 hatte es – ebenfalls in Herten – einen Hochzeits-Korso mit „Freudenschüssen“ für ein Paar mit türkisch-kurdischen und libanesischen Wurzeln gegeben, der die Polizei auf den Plan rief und eine Feier in Bottrop zum Ziel hatte. Die Polizei schrieb Anzeige u.a. wegen des Abfeuerns von Schreckschusswaffen. -In Oer-Erkenschwick stoppte die Polizei im April 2014 einen Korso nach Beschwerden über Raserei und Schüsse. -Auf dem Zubringer zur A 43 gefährdete eine Schüsse abfeuernde „Feiergesellschaft“ im November 2014 den Verkehr durch Wendemanöver. -Im Dezember 2017 sammelten Anwohner der Waldsiedlung in Marl Dutzende Patronenhülsen aus ihren Vorgärten, auch hier war bei einer Hochzeit geballert worden.

Auch wenn es sich den Namen nach um Fahrer mit Migrationshintergrund handele, könnten sich diese nicht auf kulturelle Bräuche berufen. „Da geht es um Auswüchse, die eher mit einem Hormon-Überschuss und einer fragwürdigen Einstellung zu Regeln zu tun haben“, sagte der Polizeisprecher. „Das sind Menschen, die Verbotsschilder für Landschaftsverschönerung halten und Tempokontrollen für Abzocke.“ Es sei wohl auch kein Wunder, dass es sich ausschließlich um Männer gehandelt habe. Die Polizei ermittelt wegen Verkehrsgefährdung und Nötigung. (mit dpa)

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