Autoverkäufer getötet

"Audi-Mord": Neuer Zeuge verlängert Prozess mit neuen Details

LÜTGENDORTMUND - Im Prozess um die Ermordung eines Autoverkäufers in einer Wohnung am Stadtrand von Lütgendortmund hat das Bochumer Schwurgericht am Montag drei weitere Verhandlungstage bis in den Januar festgelegt. Eigentlich sollte am Montag ein Urteil fallen - doch zuletzt war überraschend ein Brief aus dem Gefängnis aufgetaucht.

Der Brief richtete sich direkt an den Vorsitzenden Richter, verfasst hatte ihn ein ehemaliger Häftling aus dem Dortmunder Gefängnis an der Hamburger Straße. Der Mann behauptet darin, dass er sich mit dem Hauptangeklagten im "Audi-Mord-Prozess", einem 33-jährigen Bochumer, für 14 Tage eine Zelle geteilt habe. Dabei habe ihm der Bochumer "alles über den Tatablauf" berichtet.

Dieses Detailwissen, so heißt es in dem Brief, würde der Häftling nun sehr gerne vor einer Urteilsverkündung preisgeben. Denn über den Hauptangeklagten hat der Brief-Verfasser nur Negatives zu berichten. "Er ist wirklich brandgefährlich", heißt es unter anderem.

Angeklagter weist Aussagen zurück

Der Hauptangeklagte reagierte auf den Inhalt des Briefes geschockt - und verwies die Mitteilungen ins Reich der Erfindungen. "Ich bin einfach nur baff", sagte der 33-Jährige. "Das ist alles zusammengewürfelt und gesponnen." Er wiederum erhob nunmehr Vorwürfe gegen den Briefe-Schreiber. Dieser Mann habe ihn nämlich im Gefängnis erpresst und gedroht, falls er ihm nicht 30.000 Euro gebe, würde er seinen Fall negativ beeinflussen.

Plumpe Falschbeschuldigung oder mörderisches Detailwissen? Die Richter wollen den Häftling nun in Kürze noch als Zeugen vorladen. Darüber hinaus wollen sie möglicherweise auch noch ein technisches Gutachten einholen.

Opfer von hinten überwältigt

Laut Anklage sollen der Hauptangeklagte und ein mutmaßlicher Komplize (30) aus Lütgendortmund im Januar 2017 gemeinsam einen russischen Autoverkäufer ermordet haben. Während der Dortmunder den Verkäufer des blauen Audi R8 abgelenkt haben soll, soll der 33-jährige Bochumer ihn von hinten in den Schwitzkasten genommen und erwürgt haben.

Während des dreiminütigen Todeskampfes soll er dem Opfer zudem immer wieder mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen haben. Nach dem Mord, so die Anklage, prahlten beide Angeklagte mit dem "R8" im Bekanntenkreis.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt für beide Angeklagte lebenslange Haft beantragt. Mit einem Urteil ist nun frühestens am 9. Januar 2018 zu rechnen.

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