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Das Landgericht Hagen hat eine hohe Haftstrafe verhängt. 

Landgericht Hagen

Baby stirbt nach Gewalt-Orgie und Schlägen mit dem Staubsaugerrohr - zwölf Jahre Haft

Nach der tödlichen Misshandlung seines Gelsenkirchener Pflegekindes ist ein 30-Jähriger wegen Totschlags verurteilt worden. Gerade auch sein Verhalten nach der Tat macht die Richter fassungslos.

In seinem nur einjährigen Leben hat der kleine Ayden viel Leid erfahren. Der Junge kam in Gelsenkirchen als Frühchen zur Welt. Weil seine Luftröhre nicht richtig entwickelt war, musste er mehrere Operationen überstehen. Das Gelsenkirchener Jugendamt trennte ihn schließlich von seinen leiblichen Eltern und vermittelte ihn in eine Pflegefamilie nach Plettenberg. Doch da wurde alles nur noch schlimmer.

Ayden weinte viel und ließ sich dann nur schwer beruhigen. Seine Pflegemutter zog sich deshalb immer weiter zurück. Und sein neuer Papa, der Angeklagte, wurde immer wütender und enttäuschter. „Es gefiel ihm nicht, dass er zu Hause nun auch noch diese Aufgaben erledigen musste“, sagte der Vorsitzende Richter Marcus Teich am Mittwoch in der Urteilsbegründung.

Was er getan hatte, sagte er nicht

Am Nachmittag des 2. Januar eskalierte dann die Situation. Ayden schrie wieder einmal, und der Angeklagte verlor nach Ansicht der Richter die Nerven. Die ganze Wut, der ganze Frust entluden sich in einer plötzlichen Orgie der Gewalt. Der Angeklagte schüttelte das Kind heftig hin und her und schlug immer wieder auf dessen Kopf ein. Mindestens einmal benutzte er dazu das Endstück eines Staubsaugerrohrs.

Als Ayden völlig apathisch wurde, er sich erbrach, alarmierte der Installateur zwar seine Ehefrau. Doch was er getan hatte, sagte er ihr nicht. So ließ er es geschehen, dass wertvolle Stunden beim Kinderarzt und im Plettenberger Krankenhaus ungenutzt verstrichen. Als die Ärzte schließlich ahnten, dass der Junge an schweren Hirnverletzungen litt, war es im Grunde schon zu spät. Ayden starb in der Nacht.

„Ayden war ein Kind, das besondere Pflege, besondere Zuwendung benötigte“

Die Richter sind davon überzeugt, dass der Angeklagte bei seinem Gewaltausbruch in Kauf nahm, dass sein Pflegesohn sterben könnte. Und über sein Verhalten nach der Tat konnten sie nur fassungslos den Kopf schütteln. „Ayden war ein Kind, das besondere Pflege, besondere Zuwendung benötigte“, sagte Richter Teich. „Der Angeklagte hat ihm aber die dringend erforderliche ärztliche Hilfe verweigert.“

Beim Urteil in Hagen - zwölf Jahre Haft - war auch Aydens leiblicher Vater aus Gelsenkirchen anwesend. Worte für den Angeklagten fand der Mann nicht. Zu Prozessbeginn hatte er noch ein T-Shirt getragen, auf dem er den 30-Jährigen als „Kindermörder“ bezeichnete.

Von Martin von Braunschweig

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