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Gedränge am Hauptbahnhof Essen: Auf die Stoßzeiten im NRW-Nahverkehr reagiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit neuen Zugverbindungen.

Alle Änderungen auf einen Blick

Bahn-Pendler müssen sich umstellen: Neuer Fahrplan ab 15. Dezember - VRR erwägt Nachbesserungen

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Die Bahn kommt. Aber wann? Vor der Frage stehen Pendler ab 15. Dezember. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr krempelt den Fahrplan komplett um. Zum Wohl der Kunden, betont der VRR. Aber es gibt auch Verlierer.

  • Ab 15. Dezember 2019 gibt es einen neuen Fahrplan im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)
  • Die neun S-Bahn-Linien in NRW verkehren dann im 15- bzw. 30-Minuten-Takt (vorher alle 20 Minuten)
  • Der Regional-Verkehr (Regionalexpress/RE und Regionalbahn/RB) soll über neue Linien oder verdichtete Taktzeiten mögliche Versorgungslücken füllen

Update, 6. Dezember:

Gelsenkirchen / Region - Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Gelsenkirchen sieht sich wegen massiver Änderungen im neuen Fahrplan - teils zum Nachteil der Kunden - Kritik ausgesetzt. Jetzt rudert der VRR etwas zurück und verkündet laut Sprecher Dino Niemann, dass man die Reaktionen auf die Veränderungen ab 15. Dezember genau beobachten und eventuell noch Anpassungen am Fahrplan vornehmen werde.

Außerdem soll es künftig nur zwei statt drei Tarifbezirke im Verbundgebiet geben. Der VRR bewirbt sich für ein Modellprojekt, für das der Bund Fördergelder zur Verfügung stellt. 

VRR: "Größte Fahrplananpassung seit der Jahrtausendwende"

Unsere ursprüngliche Berichterstattung:

Nahverkehrskunden in Nordrhein-Westfalen stehen ab Sonntag, 15. Dezember, vor der "größten Fahrplananpassung seit der Jahrtausendwende", wie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit Sitz in Gelsenkirchen auf seiner Internetseite verkündet. Das Unternehmen berichtet stolz von "zwei Millionen zusätzlichen Kilometern pro Jahr", die die Züge künftig zurücklegen werden. 

Aber trotzdem gibt es beim neuen Fahrplan-Konzept, das die Metropol-Region endgültig fit machen soll für die Einführung des Rhein-Ruhr-Express (RRX), nicht nur Gewinner. Für manche Kunden dürfte es - trotz neuer Linien - sogar schwieriger werden, in angemessener Zeit von A nach B zu kommen. 

PDF-Download: Schienenschnellverkehrsplan 2020

Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019: Weiterführende Informationen des VRR

Neuer VRR-Fahrplan: Pendler im Kreis Recklinghausen profitieren meist

Auch für Pendler im Kreis Recklinghausen ändert sich ab Mitte Dezember so einiges - aber meist zum Vorteil.

  • So wird die umsteigefreie S-Bahn-Verbindung (S2) von Recklinghausen nach Dortmund Hbf künftig nicht nur wochentags, sondern täglich angeboten – und das sogar bis kurz vor Mitternacht. Die Linie wird von Abellio betrieben. Die Niederländer versprechen Neufahrzeuge, die mit kostenlosem WLAN und Toiletten ausgestattet sind sowie eine geänderte Einstiegshöhe für den barrierefreien Zugang bieten.
  • Ab Mai 2020 wird außerdem die S9, die bis dahin in Bottrop endet, über Gladbeck-West bis Recklinghausen Hbf verlängert.  Auch hier übernimmt Abellio den Betrieb mit Neufahrzeugen und derselben Komfortausstattung.
  • Die Regionalexpress-Linien RE2 (Rhein-Haard-Express) und RE42 (Niers-Haard-Express), die auch über Haltern, Marl und Recklinghausen verkehren, bieten zwischen Essen Hbf und Münster Hbf täglich drei statt zwei Fahrten pro Stunde an. 
  • Allerdings geht es mit dem RE2 ab 15. Dezember vom Bahnhof Marl-Sinsen nicht mehr direkt nach Düsseldorf oder zum Düsseldorfer Flughafen. Um Zeit zu sparen, werden dann sechs Haltestellen nördlich von Recklinghausen nicht mehr angesteuert - darunter Marl-Sinsen und auch Haltern-Sythen. In der Gegenrichtung - aus Düsseldorf kommend - bleibt das Angebot laut VRR aber über den RE42 bestehen.
  • Die neue Rhein-Emscher-Bahn (RB 32) verkehrt gemeinsam mit dem RE3 alle 30 Minuten. Somit profitieren Fahrgäste von einer weiteren schnellen Verbindung pro Stunde zwischen Oberhausen, Essen-Altenessen, Gelsenkirchen, Herne, Castrop-Rauxel, DO-Mengede und Dortmund Hbf. Nach Angaben von Betreiber Abellio haben auch diese Neufahrzeuge kostenloses WLAN an Bord und verfügen über hohe Sitzplatzkapazitäten.
Abellio wird einige der neuen Linien im Ruhrgebiet betreiben. Das niederländische Nahverkehrsunternehmen verspricht seinen Kunden auf den Strecken moderne Züge. Hier das Modell "Alstom Coradia LINT 41 DMU", das aktuell bereits auf der Glückauf-Bahn (RB 46) zwischen Bochum und Gelsenkirchen unterwegs ist.

Neuer VRR-Fahrplan: Vestische muss ihre Bus-Verbindungen anpassen

So schön die neue Nahverkehrswelt auf den ersten Blick aussehen mag: Der geänderte VRR-Fahrplan hat auch einen Domino-Effekt, und der kann für so manchen Pendler zur Krux werden. Denn um gute Anschlüsse zwischen Bus und Bahn anzubieten, muss auch die Vestische zeitgleich ihre Fahrpläne anpassen

Die Folge: Auf 35 von 125 Linien wird es neue Abfahrtzeiten geben – betroffen sind vor allem die Fahrgäste in Dorsten, Marl, Recklinghausen, Gladbeck und Bottrop. Das ist oft zum Vorteil der Kunden, aber eben nicht immer.

Ob und wie massiv Ihre Buslinie  von den Änderungen betroffen ist, können Sie online auf einer Informationsseite der Vestischen erfahren.

Neuer VRR-Fahrplan: Metropolen wie Essen gehören zu den Verlierern

Der Kreis Recklinghausen kommt beim neuen Nahverkehrskonzept insgesamt aber gut weg. In anderen Ruhrgebiets-Städten ist der Zorn dagegen groß. Ausgerechnet in Metropolen wie Essen gehören die Pendler eher zu den Verlierern der VRR-Reform.

In der zweitgrößten Revierstadt werden wichtige S-Bahn-Verbindungen, wie zum Beispiel die S3 (Oberhausen - Hattingen), auf einen 30-Minuten-Takt heruntergestuft. Als Lückenfüller auf Teilen dieser Strecke soll zwar die neue Regional-Bahn RB49 (Wesel - Wuppertal) fungieren. Doch die fährt nur montags bis freitags, und dann auch nur bis kurz vor 19 Uhr. Wer am Wochenende oder werktags am späteren Abend abfahren möchte, muss somit deutlich länger auf die nächste Verbindung warten.

In Sozialen Netzwerken wie Twitter machen VRR-Kunden ihrem Ärger daher schon im Vorfeld Luft.

Der Fahrgastverband Pro Bahn möchte sich der pauschalen Kritik am neuen Nahverkehrsplan zwar nicht anschließen und sieht mehr positive als negative Elemente. Gleichzeitig erkennt aber auch Pro Bahn, zum Beispiel in Essen, "Nachteile für Fahrgäste im S-Bahnverkehr".

Der Verband führt als Beispiel die S1 ins Feld. Auch hier entfällt der 20-Minuten-Takt - die Züge pendeln nur noch zweimal pro Stunde zwischen nur Essen und Düsseldorf.

Deutsche Bahn verkauft keine VRR-Fahrkarten mehr

Für Nahverkehrskunden könnte die Suche nach dem passenden Zug aber auch durch eine weitere Änderung erschwert werden. Denn die Deutsche Bahn verkauft an ihren Schaltern ab dem 15. Dezember keine VRR-Tickets mehr! 

Diese müssen Pendler nun in den Bahnhöfen an den entsprechenden Fahrkarten-Automaten kaufen. Oder aber eine neue App des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr auf dem Smartphone bzw. Tablet installieren. 

Der VRR hat eine neue Handy-App für alle Nahverkehrstarife in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Titel: "mobil.nrw".

Neue Ticket-App des VRR: Tarifgrenzen sollen endlich fallen

Der VRR verspricht: Das Überqueren von Verbundgrenzen ist damit kein Problem mehr. Die Kunden können auf dem Handy Strecken in ganz NRW planen und digitale Fahrscheine für den Nahverkehr kaufen. Neu ist im Vergleich zum DB-Navigator die Möglichkeit, über Paypal zu bezahlen. Außerdem kann auch über Lastschrift und Kreditkarte abgerechnet werden.

Einen Haken gibt es allerdings auch hier: Wer mithilfe von "mobil.nrw" eine weitere Fahrtstrecke sucht, etwa von Recklinghausen nach Minden, kann nur Angebote des Regionalverkehrs buchen: Intercity-Züge werden nicht berücksichtigt, der Fernverkehr ist nicht integriert.

Außerdem berichten erste Nutzer bereits über Probleme: Tickets können erst direkt vor Fahrtantritt erworben werden, weil sie mit der Buchung gültig werden. Am Mittwoch, 4. Dezember, war es außerdem gar nicht möglich, zu buchen. Denn es kam immer wieder eine Fehlermeldung beim Bezahlvorgang

Nahverkehrs-App "mobil.nrw":

VRR: Ticketpreise steigen im neuen Jahr wieder

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr erhöht zum Jahreswechsel erneut seine Ticketpreise. Allerdings bleibt es bei manchen Tickets auch beim alten Preis.

Bei folgenden Einzeltickets steigen die Preise im Jahr 2020:

  •  4er-Ticket: von 10,50 Euro für Preisstufe A auf 10,70 Euro
  • 10er-Ticket: von 22,60 Euro für Preisstufe A auf 22,90 Euro
  • 24-Stunden-Ticket: von 7,10 Euro für Preisstufe A auf 7,20 Euro
  • 48-Stunden-Ticket: von 13,50 Euro für Preisstufe A auf 13,70 Euro
Außerdem muss für einige Monatskarten und Abonnements mehr bezahlt werden:
  • Ticket 1000, ohne Abo: von 69,80 Euro im Monat auf 71,20 Euro im Monat (Preisstufe A)
  • Ticket 2000, ohne Abo: von 79,20 Euro im Monat auf 80,80 Euro im Monat (Preisstufe A)
  • Das Sozialticket kostet ab 1. Januar 2020 monatlich 70 Cent mehr, also insgesamt 39,35 Euro. 
  • Beim Schokoticket ändert sich laut VRR erstmals nichts am Preis für die Schüler. Allerdings steigt der Anteil, den die Schulträger dazu beisteuern, um 1,8 Prozent. 

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Millionen Menschen in ganz Deutschland nutzen täglich öffentliche Verkehrsmittel - und ärgern sich oft über Störungen. Der Bund will die Zuschüsse für ein besseres Angebot nun aufstocken.

Ein Autofahrer, der in Gelsenkirchen deutlich zu schnell unterwegs war, wird nun wohl auch öfter ÖPNV fahren müssen. Ebenfalls in Gelsenkirchen wird aktuell eine junge Frau mit einem Foto gesucht. 

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