Bahnhofs-Brände

Zweiter Feuerwehrmann legt Geständnis ab

HERTEN - Im Prozess um die Brandserie rund um den alten Bahnhof in Westerholt hat sich am Mittwoch (21.11.) auch der zweite Angeklagte (25) zu den Vorwürfen geäußert. „Das Ganze tut mir unheimlich leid“, hieß es in einer von Verteidiger Siegmund Benecken verlesenen Erklärung des damaligen Mitglieds der Freiwilligen Feuerwehr.

Nachdem der mitangeklagte Ex-Jugendfeuerwehrmann (20) bereits am vergangenen Freitag zugegeben hatte, bei den drei Bahnhofsbränden im Herbst 2017 seine Finger im Spiel gehabt zu haben, nickte nun auch der 25-Jährige zumindest seine indirekte Verwicklung in die brisante Angelegenheit ab. „Wie es überhaupt zu der Diskussion über die Brände kam, weiß ich gar nicht mehr genau“, hieß es in der Erklärung des suspendierten Polizei-Kommissaranwärters. Letztlich müsse er aber einräumen, sich – „getragen von der Vorstellung, so zu Feuerwehreinsätzen zu kommen“ – mitreißen lassen zu haben.

Den fünf Jahre jüngeren Mitangeklagten kenne er bereits seit der Jugendfeuerwehr. Per Zufall habe man sich vor drei, vier Jahren wiedergetroffen. „Die Feuerwehr war in der Regel unser Thema und da hatte mein Mitangeklagter auch richtig Ahnung von“, ließ der 25-Jährige weiter erklären.

Über „WhatsApp“ kommuniziert

Irgendwann habe ihm der 20-Jährige gesagt, dass er „einen Bekloppten“ kennengelernt habe, der „gerne mal was anzünden“ wolle. Zunächst habe er sich gedacht: „Der erzählt mir doch was vom Pferd.“ Dann habe er sich jedoch „verbal aktiv eingeschaltet“ und auch häufig mit dem Mitangeklagten über den Handy-Nachrichtendienst „WhatsApp“ kommuniziert.

Auf diese Weise sei er dann mehr oder weniger in die Geschehnisse reingerutscht. Bei den Bahnhofsbränden sei es ihm aber stets nur um seine Feuerwehreinsätze gegangen. Eine Gesundheitsgefährdung für die Obdachlosen hätten er und der Mitangeklagte absolut ausgeschlossen. „Zutreffend“ sei aber, dass er die Brände unterm Strich „gutgeheißen“ habe. Zudem heißt es in der Erklärung des 25-Jährigen: „Richtig ist auch, dass ich einmal gesagt habe, ein Samstag als Tattag wäre das Beste. Mir wäre das Wochenende am liebsten gewesen, weil ich so zu einem Feuerwehreinsatz kommen könnte.“

Prozess wird fortgesetzt

Bei den Löscheinsätzen am Bahnhof und auch bei den Nachbesprechungen hatte sich der 25-Jährige nach Angaben von Zeugen unauffällig präsentiert. „Er hat sich dabei nicht hervorgehoben“, sagte ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Der Leiter der Hertener Feuerwehr fand als Zeuge praktisch nur lobende Worte für den 25-Jährigen: „Als Feuerwehrmann war er ein sehr hilfsbereiter, freundlicher und zuvorkommender Mensch, er hatte immer ein sehr offenes und kameradschaftliches Verhalten.“

Laut Anklage soll der 25-Jährige den Mitangeklagten zum Legen der Brände angestiftet haben, um innerhalb der Feuerwehrgruppe „glänzen“ zu können. Der Prozess wird fortgesetzt.

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