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Die Starts erfolgen häufig am frühen Morgen oder am Abend. Dann sind die thermischen Bedingungen für eine Ballonfahrt am günstigsten – auch unter dem Aspekt Sicherheit.

Ballonsport

Brenzlig wird es bei der Feuertaufe

MARL - Mehr als 1000 Ballonfahrten haben Eric Baltussen und seine Piloten in den letzten Jahren erfolgreich abgewickelt. Sicherheit habe dabei immer Vorfahrt, sagt der Chef der Firma Ballonsport Marl.

Brenzlig wird es für Erstfahrer – zumindest wenn sie mit dem Ballonsport Marl unterwegs sind – auf jeden Fall nach der Landung. Dann nämlich werden ihnen bei einer standesgemäßen Feuer- und Sekttaufe die Haare kurzzeitig angesengt und abgelöscht. Mit diesem Ritual und einer Urkunde werden sie feierlich in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben – vorausgesetzt sie halten ein paar grundlegende Regeln ein. Zum Beispiel die, nie wieder „Ballon fliegen“ zu sagen. Es heiße schließlich Ballonfahrt, erklärt Eric Baltussen. Der Berufspilot führt den in diesem Jahr aufgelösten Marler Ballonsport-Verein als gewerbliches Unternehmen weiter. Unfälle wie die Havarie eines Heißluftballons Ende September in Bottrop registriert er mit Betroffenheit. In Bottrop hatte sich ein Ballon mit sechs Personen an Bord in 65 Metern Höhe an der Spitze eines Hochspannungsmastes verfangen. Die Insassen hatten großes Glück und konnten nach mehreren Stunden weitgehend unverletzt gerettet werden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ist dabei, die Ursache der Havarie zu ermitteln. Baltussen ist sich im Klaren darüber, dass solche Meldungen zur Verunsicherung führen. Doch er weist auf die strengen Sicherheitsvorschriften hin, die sowohl für die Piloten als auch für das Material gelten.

In Marl hat die Ballonfahrt Tradition. In den 60er Jahren ist dort bereits der Ballonclub Westfalen e.V. gegründet worden. Damals gingen ausschließlich Gasballone an den Start. Doch als 2008 der Chemiepark eine überflüssig gewordene Gasleitung am Sinsener Startplatz kappte, konnte die Gaszufuhr nur noch über Lkw gestemmt werden. Eine teure Lösung. Der Verein litt unter Mitgliederschwund und laut Baltussen wie viele andere auch unter Nachwuchsmangel. In diesem Jahr gab der Verein schweren Herzens auf.

Eric Baltussen, seit 1986 hauptberuflich in der Luftfahrt tätig, wenn zuerst auch als Drachen- und Gleitschirmflieger, bietet Ballonfahrten zwischen 150 und 1000 Metern Höhe nun als gewerbliches Unternehmen an – auch für Gehandicapte. Fünf Heißluftballone und ein Gasballon sind auf dem Marler Gelände im Sinsener Nonnenbusch untergebracht, dazu noch eine Näherei, eine Werkstatt, Büroräume und natürlich der Startplatz selbst. „Es gibt wenige Betriebe, die das alles unter einem Dach haben“, sagt Baltussen nicht ohne Stolz.

Er liebt die Fahrten in den frühen Morgenstunden, wenn der Tag gerade erst erwacht. „Oft noch im Dunkeln bauen wir auf, bereiten den Start vor.“ Vier Mann sind allein nötig, um den 50 Kilo schweren überdimensionalen Brenner oberhalb des Ballonkorbs zu installieren.

Die Wetterlage ist entscheidend

Neben fünf Gasflaschen, die für etwa 1,5 Stunden Fahrt eingeplant sind, allerdings mindestens zwei Stunden reichen, finden bis zu sieben Gäste Platz, die selbst mit Hand anlegen dürfen. Los geht es bei Sonnenaufgang. Oder auch in den Abendstunden. Dann bietet die geringe Thermik die größte Sicherheit für eine Ballonfahrt. „Mit insgesamt drei Piloten haben wir in den letzten Jahren weit über 1000 erfolgreiche Ballonfahrten durchgezogen“, so Baltussen. Allerdings: Die Wetterlage müsse es zulassen. Manchmal sei es schwer zu vermitteln, warum eine Fahrt bei schönstem Wetter abgesagt werden müsse. „Aber wenn in 150 Metern Höhe kein Wind geht und man nicht von der Stelle kommt, ist das erstens uninteressant und zweitens unsicher. Denn dann müssten wir im Wald landen.“ Auch der Jahrhundertsommer 2018 war eher abträglich: „Wenn draußen über 30 Grad herrschen, wird es im Korb nochmals sechs Grad wärmer. Das ist nicht nur für die Menschen eine Belastung. Auch das Material würde über die Maßen beansprucht.“

Schon gewusst?

Bei maximalen Temperaturen von 100 Grad innerhalb der Hülle fährt ein Ballon. Das liegt daran, dass die warme Luft im Ballon leichter ist als die umgebende Luft – und zwar um 300 Gramm pro Kubikmeter.

Vorausgesetzt, dass ein Ballon bis zu 900 Kilo Eigengewicht aufbringt und mit zehn Gästen bis zu 1800 Kilo wiegt, sind 6000 bis 7000 Kubikmeter nötig, um aufsteigen bzw. in der Luft bleiben zu können.

In der Anschaffung kostet ein Ballon in dieser Größenordnung zwischen 40.000 und 100.000 Euro.

In einer Höhe von bis zu 150 Metern ist jedes im Ballon gesprochene Wort auf dem Boden zu verstehen, weil man genau so schnell ist wie der Wind.

Sicherheit gehe in der Ballonfahrt aber immer vor, auch wenn jüngst durch das Ballonunglück in Bottrop ein anderer Eindruck entstanden sein mag. „Die Kontrollen sind wesentlich schärfer als bei Autofahrern. Und das ist auch gut so.“

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