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Mieterin Claudia Feller (l.) und Hauseigentümerin Marion Rible zeigen anhand des Zollstocks: Bekommt die Baumscheibe für die naturgeschützte Linde einen Radius von 1,70 Meter, kommt kein Auto mehr zu der Garageneinfahrt.

Bauarbeiten

Viel Ärger um eine alte Linde in Dorsten-Wulfen

DORSTEN-WULFEN - Der Kreis RE will einen 90 Jahre alten Baum schützen – aber deshalb kommt eine Mieterin mit ihrem Auto bald nicht mehr in die Garage. Jetzt schlägt die Stadt der Hausbesitzerin einen kuriosen Umweg vor.

Die Gehweg-Arbeiten für den Endausbau des Orthöver Weges in Dorsten-Wulfen rücken für Claudia Feller unerbittlich näher. Voraussichtlich am Montag nächster Woche werden die Bauarbeiter die Hausnummer 102a erreicht haben und dort einen neuen Bordstein setzen, die Zufahrt zur Garageneinfahrt pflastern. Und das wird einschneidende Folgen für Anwohnerin Claudia Feller haben: „Wenn das so kommt, werde ich mit meinem Wagen nie mehr in die Garage kommen“, sagt sie.

Der Grund ist die fast 90 Jahre alte Linde am Rande der Einfahrt. Der Baum ist Teil einer Baumallee, die 2016 unter Naturschutz gestellt worden ist. Und muss deshalb nun besonders geschützt werden: Durch eine Baumscheibe im Radius von 1,70 Meter ab Baumrinde, die von Autos nicht überfahren werden darf.

Die Folge wäre: Da die Garagenzufahrt sehr eng ist, kommt Claudia Feller künftig mit ihrem kleinen Renault Clio zwischen Baumscheibe auf der einen und Vorgarten auf der anderen Seite nicht mehr durch. Die Haushälfte, in dem die Wulfenerin zur Miete wohnt, gehört ihrer Nachbarin Marion Rible. Die Eigentümerin will sich nicht mit dem Kompromissvorschlag der Stadt, die Auftraggeberin für die Bauarbeiten ist, abfinden.

Ludger Böhne, Pressesprecher der Stadt, bestätigte auf unsere Anfrage, dass man Hausbesitzerin Marion Rible eine „Schräglösung“ angeboten habe. Heißt: Marion Rible, so die Idee der Stadt, könne doch ihren Vorgarten um zwei, drei Quadratmeter verkleinern und zurückbauen, um eine Schräganfahrt in die und aus der Garage zu ermöglichen. „Das bedeutet, dass ich auf meine Kosten alles erneuern muss: Zaun, Pflanzen, den Unterbau, das Pflaster“, so die Eigentümerin. „Da kommen schnell ein paar tausend Euro zusammen. Und das wird immer wie Flickwerk aussehen.“

Stadt hatte über Pläne zuvor nicht informiert

Und deswegen weigert sich die Wulfenerin, die enttäuscht darüber ist, dass die Stadt sie vorher nicht von sich aus über die Pläne informiert hat, auf den Vorschlag der Stadt einzugehen. Immerhin sei sie damals beim Bau des Hauses von der Stadt verpflichtet worden, den Stellplatz nachzuweisen. Und immerhin hat sie mit ihrer Mieterin einen Vertrag über die Nutzung der Garage abgeschlossen, den sie nicht brechen wolle.

„Es handelt sich hier um einen typischen Fall, in dem die vorhandenen Gegebenheiten mit einer notwendigen Veränderung der Gesamtsituation in Konflikt geraten“, heißt es vonseiten der Stadt. Das heißt: Die Bewohner der in den 1960er-Jahren errichteten Bebauung waren es gewohnt, „sehr scharf“ an den aus den 1930er-Jahren stammenden Bäumen vorbei auf ihre Grundstücke zu fahren. Doch nun hätten sich die Zeiten geändert. Auf der anderen Straßenseite beginnt seit Kurzem das Neubaugebiet Bückelsberg-Ost, weswegen der Orthöver Weg neue Kanäle und Gehwege bekommt. Zudem ist die Allee unter Naturschutz gestellt worden.

Deswegen habe der Kreis als Untere Naturschutzbehörde laut Ludger Böhne „darauf bestanden, dass alles unterlassen wird, was dem Baum schaden könne“. Fachlich erforderlich wäre laut Gesetz sogar eine Baumscheibe mit einem Abstand von 2,50 Metern: „Durch den Einbau von sogenannten Wurzelbrücken konnte die Stadt erreichen, dass der Abstand verringert werden konnte.“ Haus-Eigentümerin Marion Rible hat mit Dr. Wolfgang Wesener aus Recklinghausen einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht eingeschaltet. Gegenüber unserer Redaktion erklärte sie, dass sie die Bauarbeiten stoppen will.

Anwalt will Bauarbeiten stoppen lassen

Ihr Anwalt habe am Donnerstag einen Erlass auf einstweilige Anordnung beim Verwaltungsgericht auf vorläufige Unterlassung der Bauarbeiten eingereicht. „Ich bin nicht gegen den Baumschutz“, erklärt die Wulfenerin: „Aber eine Linde hat so tief liegende Wurzeln, dass die Garagenzufahrt noch lange Jahre so wie bislang möglich sein müsste.“

Die Kreisverwaltung bestätigte, dass sie die Stadt Dorsten zu Beginn der Bauarbeiten auf den besonderen Schutz der Bäume hingewiesen habe. „Wir sperren uns aber nicht, über andere Möglichkeiten nachzudenken, die man im Sinne der Betroffenen ergreifen könne“, so Kreis-Pressesprecher Jochem Manz. „Wir würden es begrüßen, wenn sich kurzfristig ein Vor-Ort-Gespräch mit Kreis und Stadt ergibt, um sich die Situation dort anzusehen.“

Eine praktikablere Lösung käme auch anderen Anwohnern zupass: Im unteren Bereich des Orthöver Wegs steht mindestens eine weitere Garage, deren Nutzer ein ähnliches Ungemach droht ...

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