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Ein Streifenwagen der Polizei steht auf der Velsstraße vor einer Häuserreihe.

Beamter greift zur Waffe

74-Jähriger von Polizei getötet - Ermittlungen laufen

BOCHUM - Ein 74-Jähriger Mann greift bei einer Polizeikontrolle nach einem "waffenähnlichen" Gegenstand. Ein Polizist feuert, trifft ihn tödlich. Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts laufen.

Ein Polizist hat bei einem Einsatz in Bochum einen 74-Jährigen vor einem Wohnhaus erschossen. Der Mann habe nach ersten Erkenntnissen einen "waffenähnlichen Gegenstand" aus dem Hosenbund gezogen und auf den unmittelbar vor ihm stehenden Beamten gezielt, sagte ein Sprecher der Essener Polizei am Montag. Der Polizist habe den Senior noch vergeblich aufgefordert, die Waffe fallen zu lassen, dann mehrere Schüsse abgegeben. Anwohner hatten die Polizei am Sonntag wegen des 74-Jährigen zu Hilfe gerufen - es ging um Randale und Sachbeschädigung. Gegen den 35-jährigen Polizeibeamten werde nun wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.

Wie in solchen Fällen üblich, übernimmt eine andere Dienststelle die Untersuchungen. In dem Fall ist es die Mordkommission Essen. Die Leiche des Mannes werde obduziert, sagte der Essener Polizeisprecher. Der 35-jährige Beamte sei nicht vom Dienst suspendiert. Grundsätzlich komme als Vorwurf fahrlässige Tötung oder fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge bei den Ermittlungen in Betracht, das müsse die Staatsanwaltschaft klären. Diese war zunächst nicht erreichen.

Mehrere Zeugen

Vor den Schüssen am Abend waren Polizei und Rettungswagen mehrfach seit den frühen Morgenstunden von dem 74-Jährigen selbst oder von Nachbarn alarmiert worden - aus unterschiedlichen Gründen, wie der Polizeisprecher berichtete. Der tödliche Vorfall habe sich auf der Straße vor einem Mehrfamilienhaus ereignet. Versuche, den Mann wiederzubeleben, seien gescheitert. Es habe mehrere Zeugen gegeben, die nun befragt werden sollten, darunter mindestens drei weitere Polizeibeamte und einige Anwohner. Ob der Schütze selbst bereits vernommen wurde, war noch unklar.

Bei dem waffenähnlichen Gegenstand handelt es sich nach derzeitigem Kenntnisstand um keine scharfe Schusswaffe, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Der Schütze und die ebenfalls zum Einsatz gerufenen Kollegen würden medizinisch betreut, einige seien traumatisiert.

"Keine zweite Chance"

Für Beamte sei es enorm schwierig, in diesen oder ähnlichen Situation abzuwägen, sagte Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei. "Kommt eine als Gefahr eingeschätzte Person auf kurze Distanz auf den Beamten zu, muss er selbst entscheiden." Meistens seien die Schüsse dann nicht auf Arme oder Beine gerichtet, denn eine Verletzung an den Gliedmaßen könne noch eine Gegenreaktion hervorrufen. "Man muss zuverlässig treffen, man hat möglicherweise keine zweite Chance", sagte NRW-GdP-Sprecher Hegger.

Dass Menschen durch Polizeikugeln sterben, kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor. Wie aus jüngsten verfügbaren Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht, hatten Polizisten 2017 bundesweit bei Einsätzen 14 Menschen erschossen. Zudem wurden 39 Menschen verletzt. Die Zahlen lagen etwas höher als in den Jahren zuvor - mit 11 Tote und 28 Verletzten durch Polizeischüsse 2016. Grund für die Zunahme sieht die Gewerkschaft der Polizei auch eine gestiegene Zahl von Messerangriffen. Hegger sagte: "Diese Attacken können sehr schnell tödlich sein, da muss sich ein Polizist wehren."

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