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Prof. Ortwin Benninghoff (M.), Oleksandr Babintschuk (l.) und Oksana Popsuy (r.) treten am 23. November zugunsten der Telefonseelsorge in Recklinghausen auf.

Beratung und Hilfe

Telefonseelsorge: Im Internet sind die Themen noch „härter“

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Kreis RE - Die Streicher des Konservatoriums in Tschernigow spielen zugunsten der Telefonseelsorge – damit die ihre Chatberatung ausbauen kann.

Sie rufen an, wir haben Zeit“: Dieses Gesprächsangebot machen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge Menschen mit Sorgen und Problemen – Frauen und Männern, die mit dem Alltag nicht mehr klar kommen, die Beziehungskonflikte haben, die unter Krankheit oder Einsamkeit leiden.

Doch anders als der Name vermuten lässt, ist die Einrichtung der evangelischen und katholischen Kirche längst nicht mehr nur übers Telefon zu erreichen. Seit zehn Jahren bietet die Recklinghäuser Telefonseelsorge auch eine Chatberatung an. „Und diesen Bereich würden wir gerne weiter ausbauen“, sagt die Leiterin der Telefonseelsorge, Gunhild Vestner. „Denn der Bedarf ist dort sehr viel größer, als unser Angebot im Moment sein kann.“

Die Telefonseelsorge hat derzeit 24 ehrenamtliche Kräfte, die zusätzlich zu ihrer normalen Ausbildung auch noch auf die Arbeit im Chat vorbereitet wurden. Gerne würde die Einrichtung weitere Frauen und Männer in diesem Bereich schulen. Doch dafür benötigt sie Geld. Und das könnte jetzt über ein Benefizkonzert hereinkommen: Unter der Überschrift „Gehör (be)schenken“ treten die Streicher des Konservatoriums in Tschernigow zugunsten der Telefonseelsorge im Kreis RE auf. Sie spielen am Freitag, 23. November, um 19.30 Uhr in der Recklinghäuser Sankt-Markus-Kirche (Westerholter Weg). Der Eintritt ist frei, aber es wird eben um Spenden gebeten – und die sollen speziell in die Chatberatung fließen.

972 Chat-Beratungen im vergangenen Jahr

„Dieses Konzert wird von unserem Förderverein veranstaltet und ist im Prinzip ein Geburtstagsgeschenk des Internationalen Sternschen Musikverlags – und darüber freuen wir uns sehr“, sagt Vestner. Die Streicher führen unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach, Leopold Mozart und Wolfgang Stockmeier auf – oder auch von Levko Kolodub, einem der bedeutendsten Komponisten der Ukraine. „Und Prof. Ortwin Benninghoff wird nicht nur dirigieren, sondern auch so unterhaltsam und informativ durchs Konzert führen, wie man das hierzulande selten erlebt“, verspricht Vestner.

Der Oberhausener Benninghoff hat 2001 die Kiever Kammerakademie gegründet. Das Orchester hat bereits zwei Benefizkonzerte für die Telefonseelsorge gegeben. Zwischen dem Orchester und den Streichern des Konservatoriums gibt es diverse Überschneidungen, zum Beispiel in Person der Solisten Oksana Popsuy (Violine) und Oleksandr Babintschuk (Violine), die auch jetzt wieder dabei sein werden. Von dem Benefizkonzert soll also das Publikum kulturell profitieren – und die Chatberatung finanziell. Letztere sei auch deshalb so wichtig, sagt Vestner, weil sie ein absolut eigenständiges Profil habe. „Die Chatberatung ist noch anonymer, weil man nicht einmal die eigene Stimme preisgeben muss“, so Vestner. Das sei wichtig für Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht hätten. Und führe dazu, dass im Chat noch „härtere“ Themen angesprochen würden: „Der Chat ist noch krisenhafter.“

Im vergangenen Jahr hat die hiesige Telefonseelsorge 972 Chat-Beratungen durchgeführt. Die Ratsuchenden waren vor allem junge Menschen (unter 30) sowie Frauen. Und häufiger als am Telefon ging es um Suizid (19 Prozent), sexualisierte Gewalt (7) oder selbstverletzendes Verhalten (7). „Es wäre absolut wünschenswert, dass der Anteil der Internetseelsorge weiter wächst“, so Vestner. „Im Moment ist unser Angebot wie ein Tropfen auf den heißen Stein.“

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