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Zu Hause hat sich der ehemalige Bergmann Lothar ?Gustav? Scholz ein eigenes kleines Museum voller Erinnerungsstücke aufgebaut.

Bergbau

„Der Bergbau gehört einfach zu mir“

Datteln - Lothar „Gustav“ Scholz blickt schweren Herzens Richtung Zechenschließung. Er selbst hat jahrelang im Bergbau gearbeitet.

Der Pütt habe allen Arbeit geboten, erinnert sich Lothar Scholz – genannt Gustav – zurück an alte Tage. Er hat mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Bergmann auf Emscher-Lippe in Datteln begonnen. „So ganz identifizieren konnte ich mich anfangs damit nicht“, sagt der heute 70-Jährige. „Ich wollte eigentlich Grubenelektriker werden.“ Sein Vater war damals Bergmann, so war es üblich, dass auch er diesen Berufsweg einschlägt. Die bevorstehende Schließung der letzten deutschen Zeche bereitet ihm Herzschmerz. „Ich habe dem Bergbau alles zu verdanken“, sagt er. „Die Schließung will ich gar nicht wahrhaben. Die Kohle ist einfach out – das kann man nicht verstehen.“

Die Bergleute bildeten eine Einheit

Angefangen hat für Lothar „Gustav“ Scholz, der seinen Spitznamen dem deutschen Boxer Gustav „Bubi“ Scholz zu verdanken hat, alles 1963 mit einer Lehre. „Auf dem Pütt ist man ganz schnell erwachsen geworden“, erinnert er sich. Der Ton war „hart, aber herzlich. Wir bildeten eine Einheit“, so Scholz. „Einer für alle, alle für einen.“ Nach seiner Lehre besuchte er eine Berufsaufbauschule mit insgesamt 46 Leuten. „Zwei Drittel waren Elektriker, ein Drittel Schlosser und dazwischen war ich. Das war für mich die Chance. Ich wusste, wenn ich etwas verändern will, dann nur über Bildung.“ Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis er den höheren Schulabschluss hatte. Nach einem halben Jahr schrumpfte die Gruppe auf 20 Leute, nach einem Jahr waren es nur noch neun. „Morgens arbeiten und abends die Schulbank drücken, das war für viele zu viel.“ Scholz jedoch habe „das durchgezogen bis zum Schluss.“ Anschließend hat er an der Fachhochschule für Bergbau in Bochum Bergtechnik studiert. „Da ist der Groschen gefallen“, sagt er. „Da hab ich gemerkt, Bergbau ist viel mehr als dicke Arme.“ In den Semesterferien habe er in Schachtanlagen gearbeitet. Als 1972 die Zeche Emscher-Lippe geschlossen wurde, war er im Studium. „Das hat mich schon emotional betroffen gemacht.“ Drei Jahre nach der Schließung beendete er sein Studium als graduierter Ingenieur. Übergangslos ging es für ihn dann nach Berlin, wo er für vier Jahre nochmals studierte. „Nebenbei hab ich beruflich Bergtechnik unterrichtet.“

Danach hat er sich auch für den Schuldienst entschieden. „Das haben viele nicht verstanden“, erinnert sich Scholz. „Aber ich wusste, hier bist du richtig, und ich habe es bis heute nicht bereut.“ Seine Lehrbefähigung für Bergtechnik hat er in Münster erhalten und bis zu seinem 65. Lebensjahr unterrichtet. Noch heute engagiert er sich in verschiedenen Vereinen und hat sich zu Hause ein kleines Bergbau-Museum aufgebaut. „Ich bin stolz, die Möglichkeit bekommen zu haben, diesen Weg für mich zu gehen. Der Bergbau gehört einfach zu mir.“

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