Berliner Synagoge

Zentralrat erinnert mit Merkel und Steinmeier an Terror von 1938

BERLIN - Vor 80 Jahren brannten in Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte. Die Erinnerung an die Pogromnacht wird von rechten Demonstrationsaufrufen überschattet.

Hunderte Synagogen und Geschäfte wurden angezündet und geplündert, Zehntausende gedemütigt und deportiert, 100 Menschen ermordet. Am 9. November 1938 setzten die Nationalsozialisten eine Welle der Gewalt und des Terrors gegen die Juden in Deutschland in Gang. Bei einer Gedenkstunde erinnert an diesem Freitag (9. November, 11.00 Uhr) der Zentralrat der Juden mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Pogromnacht vor 80 Jahren.

In der Berliner Synagoge Rykestraße werden Merkel und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Ansprachen halten, das ZDF überträgt die Veranstaltung live ab 11.00 Uhr. Zu den Gästen zählen auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sowie Prominente aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kirche und Kultur.

Mit mehr als 2000 Sitzplätzen zählt die Synagoge in der Rykestraße neben der Synagoge in Budapest zu den größten jüdischen Gotteshäusern in Europa. In der Pogromnacht war die Synagoge zunächst in Brand gesteckt worden. Der Polizeikommandant des Reviers gab aber schnell einen Löschungsbefehl, da das Feuer auf die umliegenden Wohnhäuser überzuspringen drohte. Noch bis 1940 wurden in der Synagoge Gottesdienste abgehalten, danach wurde das Gebäude als Lager für die Wehrmacht beschlagnahmt.

Unterdessen hat die Berliner Innenverwaltung eine Demonstration von Rechtspopulisten und Rechtsradikalen zu einem "Trauermarsch für die Toten von Politik" am 9. November am Berliner Hauptbahnhof verboten. Der Aufzug "würde in eklatanter Weise den Sinn und moralisch-ethischen Stellenwert dieses Gedenktages negieren", hieß es in einem Schreiben an die Veranstalter. Zentralratspräsident Schuster begrüßte das Verbot. Er erklärte, mit der Demonstration wäre das Gedenken an die Opfer der Schoah "auf schändlichste Weise" missbraucht worden.

Am 9. November 1938 hatte die NS-Spitze über eine Telefon- und Telegrafenkette den Befehl für den inszenierten "Volkszorn" in ganz Deutschland ausgegeben. Vorwand war die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath durch den jüdischen Emigranten Herschel Grynszpan in Paris. Grynszpans Familie war zuvor in Polen von den Deutschen deportiert worden.

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