+
Viele Menschen machen einen Bogen um Bettler. Nicht, weil sie nicht helfen wollen, sondern weil sie unsicher sind.

Bettler

Eine Spende macht reicher – im Herzen

Kreis RE - Adventszeit ist Spendenzeit. Auch Obdachlose bitten am Rande der Weihnachtsmärkte um eine milde Gabe. Doch muss es immer Geld sein?

Eine Märchenerzählerin ist Magdalena Wegener von der Wohnungssicherung der Caritas Waltrop/Oer-Erkenschwick nicht. Doch das, was sie berichtet, klingt fast zu schön, um wahr zu sein. So lebte einst ein armer, junger Mann nach einem Schicksalsschlag im Waltroper Moselbachpark – bei Wind und Wetter. Eines Tages spendete ihm eine mitfühlende Familie ein ausrangiertes Zelt, bot ihm sogar an, mit ihm Lebensmittel und Hygieneartikel einkaufen zu gehen, bis er sein Leben wieder in den Griff bekäme.

Die Herzen weit machen, den Armen geben, das lehrt uns das Christentum vor allem in der Adventszeit. Doch viele Menschen haben ein ungutes Gefühl, wenn sie Bettler in den hell erleuchteten Geschäftsstraßen sehen, etwas abseits von Glühwein, Mandeln und Weihnachtsreigen. Aber eben auch etwas abseits von der Gesellschaft. „Viele scheuen sich davor, Geld zu geben, weil sie Angst haben, der Bettler kaufe sich davon Alkohol“, weiß Magdalena Wegener aus Erfahrung.

Es muss auch nicht immer Geld und auch kein Zelt sein. Natürlich sei es nicht sinnvoll, einem Bettler, der vielleicht gerade gefrühstückt hat, ein weiteres Brötchen kommentarlos vor den Latz zu knallen. Vielleicht hat er sogar eine Weißmehlallergie. Auch Hundebesitzern ungefragt Tierfutter zu spenden, sei unklug, da manche Tiere unter Unverträglichkeiten litten. Wegeners Rat deshalb: „Das Mittel der ersten Wahl ist immer, mit dem Betroffenen ins Gespräch zu kommen und zu fragen, was er braucht.“ Oft seien das auch schlicht warme Anziehsachen, etwa eine dicke Jacke, warme Socken, Handschuhe.

Ein Gutschein vom Bäcker bietet sich an

Die Fachfrau kann aber auch verstehen, wenn man Berührungsängste habe und den Austausch mit dem Bettler scheue. In dem Fall bietet es sich an, Gutscheine etwa vom Bäcker für ein Brötchen oder einen heißen Kaffee oder aus der Drogerie für Seife oder Duschgel zu spenden. „Heute sind die Menschen vielfach schon dankbar, wenn man sie überhaupt registriert. Zu viele Passanten schauen aus Angst oder Scham weg, die Betroffenen fühlen sich nicht gesehen. Das schmerzt.“

Negative Erfahrungen mit Bandenkriminalität habe man hier noch nicht gemacht, sagt Wegener. Eventuell sei das eher ein Großstadtproblem, aber auch die Caritas in Köln gab gegenüber dem ARD-Mittagsmagazin an, dass es sich eher um meist große Familien mit ausländischen Wurzeln handele, die sich schlicht gegenseitig auf der Straße unterstützen. „Bandenkriminalität würde ich jetzt nicht verallgemeinern“, sagt auch Magdalena Wegener in Waltrop, zumal es keine repräsentativen Zahlen über Bettler gäbe.

Es seien zudem nicht ausschließlich Obdachlose, die bettelten. „Oft wissen Rentner nach dem Tod ihres Partners und dem Wegfall einer Rente nicht, wie sie ihre Wohnung halten sollen. Sie müssen sich neu orientieren, scheuen den Gang zu den Ämtern, weil sie nicht wissen, wen sie überhaupt auf ergänzende Sozialleistungen ansprechen müssen und weil sie es alleine schaffen wollen.“ Und selbst bei Geldspenden sollte man nicht jeden unter Generalverdacht stellen. Oft habe eine kleine Münze schon eine große Wirkung. Und ärmer mache sie wohl kaum. Eher reicher. Im Herzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Es geht um ihre Zukunft: Bauern fahren in Trecker-Kolonne zur Demo nach Bonn
Es geht um ihre Zukunft: Bauern fahren in Trecker-Kolonne zur Demo nach Bonn
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Nach schwerem Autounfall: Was wir wirklich wissen, was Spekulationen sind
Tausende Bauern demonstrieren, Prozessbeginn nach Amokfahrt, Vorsicht vor Giftködern
Tausende Bauern demonstrieren, Prozessbeginn nach Amokfahrt, Vorsicht vor Giftködern
Mallorca-Sängerin Krümel hat Auftrittsverbot, aber zum runden Geburtstag kommt "Der Wendler"
Mallorca-Sängerin Krümel hat Auftrittsverbot, aber zum runden Geburtstag kommt "Der Wendler"
Schon wieder ein entblößtes Geschlechtsteil: Und es gibt ähnliche Tat-Details
Schon wieder ein entblößtes Geschlechtsteil: Und es gibt ähnliche Tat-Details

Kommentare