199 Bewohner vermittelt

Stadt sucht weiterhin Unterkünfte für Hannibal-Mieter

Dorstfeld - Bald drei Monate ist es her, dass 752 Mieter aus dem Hannibal in Dorstfeld ausziehen mussten. Weihnachten verbringen viele von ihnen in Unterkünften der Stadt. Die bemüht sich um die Mieter - erntet aber auch Kritik.

Am 21. September 2017 wurde der Hannibal geräumt. Seitdem ist einige Zeit vergangen, der riesige Wohnkomplex war nicht mehr so oft in den Medien - aber natürlich haben sich die Probleme vieler Mieter nicht in Luft aufgelöst. 359 Hannibal-Mieter leben derzeit nach wie vor in Unterkünften der Stadt, (im Oktober waren es knapp 400). 259 Menschen - 74 Haushalte - sind in Wohnungen, die die Stadt Dortmund vorhält. 100 Hannibal-Mieter harren mit vielen Mitbewohnern in drei Übergangswohneinrichtungen aus.

Stadt Dortmund hat 199 Mieter vermittelt

Wie der Name sagt, ist das keine Dauerlösung. "Es ist niemand gerne in einer Übergangseinrichtung", sagt Stadtsprecher Frank Bußmann. 60 Wohnungen lässt die Stadt derzeit renovieren und mit Möbeln ausstatten, um auch sie den Hannibal-Mietern anzubieten.

359 Menschen leben also in Wohnungen der Stadt, von knapp 200 Menschen hat die Stadt keine Kenntnis, wo sie untergekommen sind. Bei Freunden, Verwandten, in neuen Wohnungen. Die übrigen 199 Hannibal-Mieter - 70 Haushalte - hat die Stadt in Wohnungen vermittelt, die ihr aus der Wohnungswirtschaft und von privaten Vermietern gemeldet wurden.

"Das ist erfreulich", sagt Anja Laubrock, stellvertretende Leiterin des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung. Die für die Vermittlung zuständige Kollegin sei "sehr engagiert, sie macht das mit viel Herzblut". Auf Wunsch begleiteten auch Mitarbeiter des Sozialamtes Mieter bei Wohnungsbesichtigungen und bei Vertragsabschlüssen.

Kritik an der Stadt

Die Vermittlung bleibt aber in vielen Fällen schwierig. "Viele haben den Wunsch im Stadtteil zu bleiben - klar", sagt Laubrock. Aus Dorstfeld würden aber nur einzelne Wohnungen gemeldet. Immer wieder mal sei bei gemeldeten Wohnungen auch die Miete zu hoch. Zudem fehlten nach wie vor Wohnungen für vier oder mehr Personen sowie Single-Wohnungen.

Ob wirklich genug für die Hannibal-Mieter getan wird, fragt sich Anja Naujokat. Sie wollte eine Wohnung im Dortmunder Süden für die Hannibal-Bewohner direkt in einem Übergangswohnheim anbieten. Das ging aber nicht. Die Vermittlung laufe nur über die Stadt, habe der Leiter des Heims bedauert. Daraufhin bot Naujokat ihre Wohnung bei der Stadt an. Bis jetzt erfolglos.

Schwarzes Brett für alle Bewohner?

Naujokat sagt: "Ich würde es begrüßen, wenn die Organisation der Wohnungsvermittlung nicht ausschließlich über die Mitarbeiter der Stadt laufen würde, sondern auch die Möglichkeit bestünde, ein Wohnungsangebot an das Übergangswohnheim zu schicken, das dann an einem Schwarzen Brett für alle Bewohner zugänglich gemacht wird." Vielleicht, sagt sie, könnten auch Sozialarbeiter bei der Wohnungssuche helfen.

Ein Hannibal-Mieter ist Martin Illert. Er und seine Frau beziehen ab Januar eine neue Wohnung, zwar nicht in Dorstfeld, sondern in Scharnhorst. Aber das sei in Ordnung für ihn, sagt Illert. Er suchte über die bei der Stadt eingehenden Angebote, "man hat uns da schon geholfen", sagt er.

Intown als "Übeltäter"

Fündig wurden er und seine Frau aber letztlich selbst auf dem freien Wohnungsmarkt. "Ich sehe das Bemühen der Stadt", sagt Illert und erkennt es an - einerseits.

Andererseits habe die Stadt bei vielen Hannibal-Mietern einen schlechten Ruf, alles laufe "sehr bürokratisch". Mieter blieben im Dickicht aus Anträgen, Formularen, Quittungen auf der Strecke.

"Wir Mieter glauben, dass die Räumung eine außerordentliche Situation, so wie etwa eine Flut, war." Es hätte danach mehr und schnellere Hilfe der Stadt geben können, sagt Illert. Das dürfe gleichwohl nicht davon ablenken, dass der Hannibal-Vermieter Intown der "Übeltäter" sei. Dessen Geschäftsprinzip - Miete kassieren und nichts tun - mache Illert auch drei Monate nach der Räumung noch sprachlos.

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