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Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bochum-Grumme, aus der dem Serben die Flucht gelang.

Fünf Meter hohe Mauer überwunden

Bochumer Häftling wie vom Erdboden verschluckt: Polizei sucht schon seit einer Woche

Immer noch keine Fortschritte im Fall des verschwundenen Häftlings aus Bochum:  Vor einer Woche gelang ihm die Flucht aus der dortigen Justizvollzugsanstalt, seitdem sucht die Polizei nach ihm.

Update, Donnerstag, 10:26 Uhr

Bochum - Eine Woche nach seinem Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bochum sucht die Polizei weiter einen 42-Jährigen. Das sagte ein Polizeisprecher am frühen Donnerstag auf Anfrage. Der Serbe hätte eigentlich eine Haftstrafe bis 2021 absitzen müssen. Er war wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilt worden.

Vergangenen Donnerstag gelang ihm aber die Flucht. Er überwand die fünf Meter hohe Gefängnismauer. Der Mann hatte sich laut JVA in der Gefängnis-Turnhalle um die Sportgeräte gekümmert. Dabei bereitete er wohl seinen Ausbruch vor. Er baute als Steighilfe eine lange Stange zusammen, die er in einem Container für Sportgeräte versteckte.

Update, Dienstag, 08:10 Uhr

Die Suche nach dem aus der Justizvollzugsanstalt Bochum entflohenen Häftling geht weiter. Der Mann sei "nach wie vor auf der Flucht", sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage am Dienstagmorgen. Zwar habe es einige Hinweise gegeben, es habe jedoch keiner zum Erfolg geführt.

Update, Montag, 16:12 Uhr

Fenster nicht vergittert, Container nicht ordentlich gesichert und mögliche Mängel bei Beaufsichtigung: Nach dem Ausbruch am vergangenen Donnerstag hat eine erste Untersuchung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum erste Mängel offenbart. Das Oberlicht, über das der 42 Jahre alte Gefangene auf ein Vordach klettern und so auf den Sportplatz gelangen konnte, hätte vergittert sein müssen, wie die Sprecherin der JVA, Candida Tunkel, am Montag erklärte.

Auf dem Sportplatz wurden die ermittelnden JVA-Bediensteten als nächstes fündig: In einem dort abgestellt Container hatte der Mann demnach eine Stangenkonstruktion deponiert, mit der er die Gefängnismauer überwinden konnte. Der Container sei nicht ausreichend gesichert gewesen, weil das Schloss offenbar manipuliert werden konnte, sagte Tunkel weiter. Der Container werde nun weggeschafft.

Der Eingang der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bochum.

JVA: Überwachungstürme waren nicht besetzt

Auch haben sich laut Tunkel Fragen ergeben, ob der Mann überhaupt Sportwart hätte sein dürfen und ob es Mängel bei seiner Beaufsichtigung gegeben haben könnte. Der wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilte Serbe sei in unregelmäßigen Abständen bei seiner Tätigkeit als Sportwart beaufsichtigt worden.

Eine weitere Schwachstelle zur Zeit des Ausbruchs war der Umstand, dass die fünf Überwachungstürme der JVA wegen einer Asbestsanierung nicht besetzt gewesen seien. Zwar habe es alternative Sicherungsmaßnahmen gegeben, diese hätten jedoch offenbar nicht ausgereicht, betonte Tunkel. Wachleute auf den Türmen hätten den Ausbruch laut JVA sehen können. Eine Kameraüberwachung gab es in dem Bereich demzufolge nicht. Die Sicherheitsmaßnahmen seien insgesamt nun nachgebessert worden, erklärte die JVA-Sprecherin am Montag.

Schon zwischen 2011 und 2013 gab es drei Ausbrüche 

Der Fall ist der JVA zufolge noch nicht abschließend geklärt. Bis dahin gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Die JVA Bochum hatte bereits in der Vergangenheit als "Pannenknast" Schlagzeilen gemacht. Zwischen 2011 und 2013 war drei Insassen die Flucht gelungen - als Folge wurden der damalige Gefängnisdirektor suspendiert und die Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet. Insgesamt gab es nach Angaben des Justizministeriums seit 2010 zehn Ausbrüche aus NRW-Gefängnissen.

Seit Donnerstag ist der Ausbrecher auf der Flucht. Die Polizei hat nach eigenen Angaben noch nicht den entscheidenden Hinweis erhalten. Die Großfahndung nach dem 1,75 Meter großen Mann laufe weiter. 2021 hätte seine Haftzeit den Angaben nach geendet.

Update, Sonntag, 16:32 Uhr

Das zweite Fahndungsfoto der Polizei zeigt den Serben im Jahr 2014, damals mit kurzen Haaren. Das erste Foto stammt nach Angaben der Polizei aus dem Jahr 2015. Dort trägt der flüchtige 42-Jährige seine Haare deutlich länger.

Dieses Foto aus dem Jahr 2014 zeigt den flüchtigen Häftling Aleksander Erceg (42) mit kurzen Haaren.

Update, Freitag, 15:12 Uhr

Die Polizei tappt bei der Suche nach dem flüchtigen Häftling zwar weiter im Dunkeln. Aber sie hat nun Erkenntnisse darüber bekannt gegeben, wie der 42-Jährige die hohe Mauer der Justizvollzugsanstalt (JVA) überwinden konnte. Nach Angaben der Behörde nutzte er dazu eine Stangenkonstruktion und überwand die fünf Meter hohe Mauer. Wegen Sanierungsarbeiten sind die Wachtürme derzeit wohl nicht besetzt.

42-Jähriger war Sportwart in der JVA

Dabei kam ihm offenbar seine Stellung als Sportwart zugute: Der Serbe sei für die Wartung der Geräte in der Turnhalle zuständig und dabei nicht permanent überwacht worden. So konnte er Teile aus dem Sportbereich der JVA organisieren und als Steighilfe für die Mauer entsprechend zusammenbauen. 

Wahrscheinlich sei er am Donnerstagabend über ein Oberlicht im zweiten Stock auf ein Vordach gesprungen, von dort in den Innenhof gelangt und dann über die Mauer geklettert. In diesem Bereich gebe es keine Kameraüberwachung. Zuvor hatte er den Stacheldraht auf der Mauer noch mit einem Kleidungsstück abgedeckt, um sich daran nicht zu verletzen.

Update, Freitag, 11:43 Uhr

Der 42-jährige Häftling, der am Donnerstagabend aus der Justizvollzugsanstalt in Bochum ausgebrochen ist, befindet sich weiter auf der Flucht. Die Fahndung sei bisher erfolglos gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Die Ermittler hätten zudem keine konkrete Vermutung, wo sich der Mann aufhalten könnte, hieß es.

Ursprüngliche Meldung:

Ein Häftling ist am Donnerstagabend aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Bochum geflohen. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, überwand der 42-jährige Straftäter Aleksander Erceg eine rund fünf Meter hohe Mauer der Einrichtung im Ortsteil Grumme und flüchtete zu Fuß über die Karl-Lange-Straße in Richtung Castroper Straße. Dann verliert sich die Spur des Mannes aus Serbien. 

Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach Flüchtigen, auch Spürhunde und ein Hubschrauber sind an dem Einsatz beteiligt. Der Serbe saß wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes in der JVA. Er habe noch eine Haft bis 2021 zu verbüßen, hieß es weiter.

Polizei veröffentlicht Beschreibung des Flüchtigen

Aleksander Erceg wird von der Behörde folgt beschrieben: Circa 1,75 Meter groß, schlanke, drahtige Figur. Er hat braune Augen und schulterlange nach hinten gegelte braune Haare. Er hat Tätowierungen am Oberkörper und an beiden Oberarmen.

Mit diesem Foto wird nach dem flüchtigen Aleksander Erceg (42) gesucht.

In der Justizvollzugsanstalt Bochum sitzt derzeit auch Sergej W. ein, der für den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war.

Schon im Jahr 2013 war einem Häftling die Flucht aus dem Bochumer Gefängnis gelungen. Der 26-jährige Niederländer wurde im März 2014 in Amsterdam wieder festgenommen.

Ein Intensivtäter, der in Herten-Süd seine schwangere Ex-Freundin bedroht und geschlagen hat, stand in Bochum vor Gericht. Seine Taten hatten in einem Fall fürchterliche Folgen. 

Ein 39-jähriger Mann aus Castrop-Rauxel mit einem ziemlich langen Strafregister ist der Polizei in Hamm ins Netz gegangen.

dpa/lnw

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