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Die angebliche Heilpraktikerin vor Gericht.

Prozessstart in Bochum

Instagram-Star soll ohne Qualifikation Lippen aufgespritzt haben – jetzt droht Haftstrafe

Weil sie illegal Lippen aufgespritzt hat, muss sich eine 26-Jährige seit Dienstag vor dem Landgericht in Bochum verantworten. 

Weil sie mindestens 3000 illegale Lippenvergrößerungen bei Frauen und Männern durchgeführt haben soll, muss sich eine 26-jährige Internet-Influencerin seit Dienstag vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Es geht um misslungene Spritzen-Behandlungen, falsche Heilpraktiker-Urkunden und massiven Steuerbetrug.

Zu den Vorwürfen sagt sie nichts

Nachdem die selbsternannte Beauty-Spezialistin um kurz nach 12 Uhr von Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt worden war, schlug sie sich vor Scham immer wieder die Hände vor das Gesicht und begann auch, zu weinen. Im Zuschauerraum saßen zahlreiche Bekannte und Verwandte. Zu den Vorwürfen wollte die 26-Jährige vorerst nichts sagen. Verteidiger Oliver Gaertner hatte aber am Rande des Prozesses bereits durchblicken lassen, dass die Bochumerin sich wohl weiten Teilen der Anklagevorwürfe nicht entgegenstellen wird.

Behandlung in Hotels oder Privatwohnungen

Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann wirft der Angeklagten vor, seit 2015 zahlreichen jungen Frauen und Männern illegal Lippen und Nasen aufgespritzt zu haben. Die Schönheitsbehandlungen durch minimalinvasives Einspritzen von Hyaluronsäure wurden laut Anklage in Privatwohnungen oder extra gebuchter Hotels durchgeführt. Die Kunden soll die 26-jährige Influencerin über ihren privaten Instagram-Account „d...beauty“ akquiriert haben. Die Bezahlung erfolgte laut Staatsanwaltschaft je nach Aufwand und stets bar. Durchschnittlich kostete das Lippen-Aufspritzen laut Anklage 300 Euro.

Für die Opfer war es oft sehr schmerzhaft

Weil mindestens 34 Behandlungen schiefgegangen sein sollen und bei den Kundinnen und Kunden schmerzhafte Entzündungen, Knubbel, bis hin zu Schwarzverfärbungen erzeugt haben sollen, lautet die Anklage neben Betrug und Verstoß gegen das Heilpraktiker-Gesetz auch auf gefährliche Körperverletzung. Gleich mehrere Frauen mussten nach den Lippenvergrößerungen offenbar ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Im Fall einer Frau heißt es in der Anklageschrift wörtlich: „Aufgrund der Blutergüsse und Schwellungen sind die Lippen der Zeugin seitdem asymmetrisch.“ 

Eine andere Frau konnte angeblich „eine Woche lang nichts essen und nur durch einen Strohhalm trinken“.

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Werner von Braunschweig

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