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Der Prozess läuft am Landgericht Bochum.

Vor dem Bochumer Landgericht

Schulfotograf (63) übernimmt Verantwortung - auch für seine Mitarbeiter

Im Prozess um mutmaßlich jahrelange Bestechung bei Schulfoto-Aufträgen in der Region hofft der Firmenchef  jetzt auf eine Bewährungschance. Auch Schulen im Kreis RE sind betroffen.

Mit einem Geständnis ist am Bochumer Landgericht der Prozess um den mutmaßlichen Bestechungs-Skandal bei bundesweiten Schulfoto-Aufträgen fortgesetzt worden.

Im Anschluss an ein mehrstündiges Verständigungsgespräch hinter verschlossenen Türen verlas Verteidiger Dr. Martin Meinberg am Dienstag im Namen des 2018 von seinem Amt als Geschäftsführer zurückgetretenen Chefs (63) eines Gelsenkirchener Foto-Unternehmens eine Geständniserklärung. Darin übernahm der Familienvater schonungslos die volle Verantwortung für unter seiner Führung von 2012 bis 2018 möglicherweise zustande gekommene illegale Akquise-Vorgänge bei der Schulfotografie. 

Rote Linie überschritten

Das System der Foto-Firma sei zwar keinesfalls durchweg auf die Gewährung von Zuwendungen an die Schulen ausgerichtet gewesen, hieß es. Insbesondere nach den deutlichen Korruptions-Vorgaben durch den Bundesgerichtshof (BGH) im Jahr 2011 habe sich dann aber wohl im Betrieb eine Art verdecktes ‚Weiter so‘ eingeschlichen. „Ich wusste, dass es weiter Einzelfälle gab, in denen ich nicht ausschließen konnte, dass die ‚rote Linie‘ überschritten wird. Ich hätte klarere Vorgaben geben müssen“, hieß es in der Erklärung des 63-Jährigen.

Insgesamt stelle er sich mit breiter Brust vor alle leitenden Firmenmitarbeiter, insbesondere aber auch den mitangeklagten Vertriebsleiter (45). „Ich hatte niemals das Gefühl, dass jemand bewusst hinter meinem Rücken agiert hat“, hieß es. Um insgesamt 354 bedenkliche Foto-Aufträge deutschlandweit an verschiedenen Schulen geht es in der Anklage. 

Bargeld, Gutscheine oder Spenden für die Schulen

Für die Erteilung der lukrativen Aufträge soll (zur zeitlichen Verschleierung teils Monate vorher) mit Bargeld, Gutscheinen oder Spenden im Wert von mindestens 350.000 Euro hantiert worden sein. Am Hittorf-Gymnasium in Recklinghausen sollen die Verantwortlichen als Gegenleistung absprachegemäß über 2200 Euro Bargeld aus Briefumschlägen entnommen haben. Die Realschule in Datteln soll zwischen 2013 und 2016 Gutscheine im Gesamtwert von 2650 Euro erhalten haben.

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