Bochumer Landgericht

Pfarrer spürt Folgen des Einbruchs bis heute

Bochum/ Kreis RE - Ein 55-jähriger Pfarrer sagt als Zeuge im „Pfarrhaus-Banden“-Prozess aus. Die Täter sollen in Dortmund, Castrop-Rauxel, Haltern und Recklinghausen zugeschlagen haben.

Im Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser wird immer deutlicher, dass die Taten auch an den Geistlichen nicht spurlos vorbeigegangen sind. Vor allem, wenn sie den Tätern direkt in die Augen gesehen haben – so wie Pfarrer Michael Ortwald von der St. Urbanus-Gemeinde in Dortmund-Huckarde.

Es war der 29. Juli 2018, ein schöner Sommertag. Es war mittags, Ortwald kam gerade vom Gottesdienst zurück. Auf den ersten Blick schien alles normal. „Mir ist nichts aufgefallen“, sagte der 55-Jährige am Dienstag als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht. Das änderte sich jedoch schlagartig, als er die Diele des Pfarrhauses betrat.

Die Tür des Garderobenschranks stand offen, genau wie eine Zwischentür. „Das war sehr ungewöhnlich.“ Und dann sah er plötzlich zwei Männer. „Sie sahen ungepflegt aus, verschwitzt und mit Dreitagebart.“ Sie waren dabei, Schränke und Schubladen zu öffnen und alles zu durchsuchen. „Ich war so verblüfft, dass ich sie tatsächlich gefragt habe, was sie da machten“, sagte Ortwald den Richtern.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. „Der Kleinere der beiden hat mich von hinten umklammert, von dem anderen bekam ich einen Fausthieb aufs Kinn.“ Was folgte, war ein Gerangel, in dessen Verlauf sich der Pfarrer befreien konnte. An der Tür bekam er jedoch noch einen weiteren Schlag – diesmal hinten auf den Kopf. Wahrscheinlich mit dem Griff eines Schraubendrehers. „Ich bin dann aber raus, zu einem Restaurant.“ Die Täter flüchteten ebenfalls. Ihre Beute: rund 60 Euro aus zwei Altenheim-Kollekten.

Die Folgen spürt der Geistliche bis heute. „Ich werde bei jedem Geräusch wach“, sagte er den Richtern. Die Täter sollen zu der „Pfarrhaus-Bande“ gehören, die auch in Castrop-Rauxel, Haltern und Recklinghausen zugeschlagen hat. Drei der mutmaßlichen Mitglieder stehen zurzeit in Bochum vor Gericht. Sie schweigen zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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