Bodypainting

Die Haut ist ihre Leinwand

Dortmund - Fast nackt in einem belebten Geschäft in der Dortmunder Innenstadt zu stehen und sich nicht bewegen zu dürfen, klingt wie ein Albtraum. Gesine Marwedel macht in dieser Situation Kunst. Sie hat ein Model bemalt - und zwar so, dass es völlig mit einem Bücherregal verschmilzt.

Es ist noch recht ruhig in der Mayerschen Buchhandlung am Westenhellweg, als die Bodypainterin Gesine Marwedel ihre Farben und Pinsel vor einem Bücherregal ausbreitet. Sie positioniert Fina (Name von der Redaktion geändert) vor einem Regal mit Liebesromanen. Fina trägt nur einen Bademantel und auch den legt sie bald ab. Sie ist eines von Gesine Marwedels Models. Fina war schon eine Fliese, ein Roboter und eine Schnecke. Und heute wird sie dank der Bodypainterin zu einem Bücherregal.

Ein Mensch als Leinwand ist schon etwas Besonderes. Der Künstler hat keine ebene Fläche und keine gleichmäßige Form. Trotz dieser augenscheinlichen Tücken hat Gesine Marwedel vor fast zehn Jahren die klassische Leinwand weitgehend aus ihrem künstlerischen Schaffen verbannt. Inzwischen malt sie als Bodypainterin hauptsächlich auf menschlicher Haut.

Eine Leinwand, die sich bewegt

"Es ist schon etwas anderes, eine Leinwand zu haben, die sich bewegt und auch mal pinkeln gehen muss", erzählt Gesine Marwedel und lacht. Es sei aber schön, nicht alleine zu Hause zu malen, sondern sich beim Malen mit dem Model unterhalten zu können. Am liebsten malt die 30-Jährige Abstraktes und Tiere. "Aber es kommt auch immer ein bisschen auf meine Laune an, ob es vielleicht auch etwas Gruseliges wird", sagt sie.

Gruselig wird es heute nicht. Fina bekommt schließlich nur Liebesschmöker auf die Haut gemalt. "Das Malen an sich ist angenehm", erzählt sie. "Am Anfang, wenn noch viel nackte Haut zu sehen ist, ist es schon etwas komisch. Aber am Ende fühle ich mich wie angezogen." Sie hat schon häufig mit Gesine Marwedel zusammengearbeitet. Die beiden verstehen sich sehr gut - auch das sei wichtig beim Bodypainting, das Vertrauen zum Künstler.

Eine Frau verschwindet

Gesine Marwedel verwendet ausschließlich dermatologisch getestete Bodypainting-Farben. Mit Wasser und Seife seien die gut abwaschbar. "Nur bei Türkis wird es schwierig", sagt Fina, als die Bodypainterin ihr direkt zu Beginn mit einem Pinsel voller türkiser Farbe zu Leibe rückt. Liebesromane sind eben "leider" pastellfarben.

Innerhalb von gut fünf Stunden malt Gesine Marwedel Regalbretter und Bücher Stück für Stück auf Finas Körper. Wer das Ganze von dem Referenzpunkt der Bodypainterin aus betrachtet, sieht das Model nach und nach im Bücherregal verschwinden. Auch Gesicht, Ohren und Haare müssen bemalt werden, um den Effekt zu erzielen.

Besucher und Mitarbeiter der Buchhandlung beobachteten das Treiben interessiert. "Wahnsinn", ist wohl das meist gesagte Wort an diesem Tag.

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