Die Bombe fiel direkt in den Garten

"Wir mussten über Berge von Schutt klettern"

Dortmund - Hildegard Boßhammer, 1924 geboren. Hatte den Koffer immer griffbereit.

Mein Vater war Oberingenieur im Brückenbau. Geboren bin ich in Darmstadt, als Kind bin ich nach Dortmund gekommen. 1939 war ich gerade im Landjahr in Hämelschenburg bei Hameln, als der Krieg ausbrach. Richtig begriffen haben wir es nicht, als der Krieg losging. Da waren wir noch zu jung. Im Gegenteil. Als der Krieg ausbrach, haben wir uns noch gefreut. So war?s damals.

Die Bombe ist nie explodiert

In unserem Garten, an unserem Haus im Kreuzviertel, hatten wir einen Bombentrichter. Wir mussten unser Haus verlassen. Meine Mutter war zu dem Zeitpunkt schon mit meinem jüngsten Bruder zu ihrer Schwester nach Darmstadt vorgefahren. Mein Vater und ich sind dann hinterher, anschließend aber wieder zurück nach Dortmund.

Die Bombe ist nie explodiert, die lag da nur drin. Mein Vater war bei der Union beschäftigt und Arbeiter haben alles in Ordnung gebracht. Vorher haben wir noch das Buch Mein Kampf in den Trichter geworfen. Das durfte nur keiner wissen (lacht). Wenn diese Bombe explodiert wäre, wäre unser Haus kaputt gewesen. Die Arbeiter haben alles zugemacht. Ich weiß nicht, ob sie die heute noch im Garten haben

Jeder im Bunker hat gezittert

Bei uns an der Ecke war ein Bunker. Immer wenn Fliegeralarm war, sind wir dahin. Unser Koffer stand immer fertig gepackt im Keller, damit wir den mitnehmen konnten.

Als wir im Bunker saßen, hatten wir wer weiß wie Angst. Jeder hat gezittert. Das weiß ich noch. Als wir aus dem Bunker kamen, und noch alles stand, haben wir uns gefreut.

Nach den Bomben brannten die Bäume

Als der ganz große Angriff war, war ich schon im Beruf. Ich war im Telegrafenamt, da mussten wir in den Bunker zum Körner Platz laufen, wenn die Sirenen heulten. Da brannten die ganzen Bäume auf dem Ostwall.

Der Leiter der Post hat uns durch so ein kleines Kellerfenster gezogen, dass wir raus und weglaufen konnten. Das war nicht einfach. Am nächsten Morgen wollte mein Vater gucken, ob mir was passiert war. Da kam er mir schon entgegen und sagte mir, dass Zuhause nichts passiert war. Wir mussten über Berge von Schutt klettern, bis wir nach Hause gehen konnten.

Die Nachbarin wurde deportiert

Gegenüber wohnte ein Ehepaar, da war die Frau Jüdin. Und die wurde abgeholt. Die hatten auch zwei Kinder in meinem Alter. Wir haben zusammen gespielt. Dann wurde die Mutter plötzlich weggeholt. Es hat sich herumgesprochen, dass es Lager gibt. Wir haben gedacht, dass es Arbeitslager sind. Dass da sowas passierte, haben wir nicht mitgekriegt.

Als der Krieg zu Ende war, war das für uns eine Erlösung. Dass wir alles hinter uns hatten und jetzt auf bessere Zeiten zugingen.

Und als die Amerikaner kamen, waren sie sehr freundlich zu uns. Die haben Süßigkeiten aus dem Jeep geworfen, wenn sie durch die Straßen fuhren und uns gesehen haben. Da haben wir die ersten Bananen gesehen.

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