Bombenattentat auf den BVB

Darum dauert der Prozess gegen Sergej W. so lange

Dortmund - An die vergangenen beiden BVB-Spiele gegen Monaco denkt man mit Schrecken zurück. Vor dem erneuten Duell in der Champions League werfen wir einen Blick auf den andauernden Prozess.

Auf dem Weg zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco explodierten in der Nähe des Dortmunder Teamhotels am 11. April 2017 drei Sprengsätze. Seit Dezember 2017 läuft der Prozess gegen Sergej W., den Verursacher des Sprengstoffanschlags auf die Mannschaft des BVB. Doch obwohl der 29-Jährige das Bombenattentat frühzeitig gestanden hat, sind noch nicht alle Details geklärt. Wir beantworten vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit dem AS Monaco die wichtigsten Fragen rund um den Aufsehen erregenden Prozess.

Warum dauert der Prozess so lange?

Sergej W. gibt zwar zu, die drei Splitterbomben in der Hecke versteckt und bei der Abfahrt des BVB-Mannschaftsbusses am Teamhotel gezündet zu haben. Er betont jedoch immer wieder, er habe bei der Konstruktion und beim Ausrichten der Sprengkörper bewusst dafür gesorgt, dass keine nennenswerten Schäden entstehen konnten. Um diese Behauptung zu überprüfen, musste zuletzt ein ballistisches Gutachten eingeholt werden. Das hat viele Wochen in Anspruch genommen.

Zu welchem Ergebnis ist der Gutachter gekommen?

Der Physiker des Fraunhofer-Instituts hält die Sprengkraft der drei Bomben für eher gering. Entsprechend langsam sind auch die darin versteckten Metallstifte durch die Luft geflogen. Aber: Jeder Stift war nach Ansicht des Experten eine potenziell tödliche Gefahr. Nämlich dann, wenn er die Halsschlagader oder ins Auge getroffen hätte. Und: Der Sachverständige sagt klipp und klar: "Man kann bei einer solchen Bombe nicht bestimmen, wohin die Splitter fliegen."

Die Staatsanwaltschaft hat Sergej W. wegen versuchten Mordes angeklagt. Hat sich daran etwas geändert?

Nein. Oberstaatsanwalt Carsten Dombert hält an seinem Anklagevorwurf fest und sieht ihn durch das Gutachten vom Fraunhofer-Institut noch untermauert. Sergej W. habe beim Zünden der Bomben zumindest in Kauf genommen, dass es Todesopfer geben konnte. Juristisch nennt sich das "bedingter Tötungsvorsatz".

Mit welcher Strafe muss Sergej W. rechnen?

Auch bei einer Verurteilung wegen Mordversuchs kann das Gericht eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängen. Viele Beobachter rechnen auch genau damit. Dennoch werden die Richter das Teilgeständnis des Angeklagten und auch seine Bereitschaft, Schmerzensgeld an den verletzten Motorrad-Polizisten zu zahlen, zu Gunsten des Angeklagten werten müssen.

Wie geht es dem Polizisten aktuell?

Der Beamte hatte bei dem Attentat ein Knalltrauma erlitten. Er hat mehrmals wieder versucht, in die alte Arbeitsroutine zurückzukehren. Zurzeit sieht es aber so aus, als würde er das nicht schaffen und dienstunfähig geschrieben werden müssen.

Wie lange dauert es noch bis zu einem Urteil?

Die aktuelle Planung sieht vor, dass Ende Oktober plädiert werden soll. Ein Urteil könnte dann Anfang November gesprochen werden. Allerdings hat Verteidiger Carl Heydenreich zuletzt noch die Einholung eines weiteren Gutachtens beantragt. Darin soll sich ein anderer Sachverständiger noch einmal zur Sprengkraft der Bomben äußern, weil dies nicht exakt ins Fachgebiet des Physikers des Fraunhofer-Instituts fällt. Kommt das Gericht dem nach, wäre der Zeitplan natürlich nicht mehr einzuhalten.

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