Borussia Dortmund

Favre will den BVB-Lauf gegen Hertha am Leben erhalten

Dortmund - Spitzenreiter Borussia Dortmund will gegen Hertha seinen Höhenflug fortsetzen. BVB-Trainer Favre erinnert sich gern an seine Zeit in Berlin.

Wer die Geschichte vom Ende her betrachtet, erhält einen falschen Eindruck. Da sitzt Lucien Favre in einem eigens angemieteten Raum im Berliner Hotel Adlon und schildert seine Sicht der Dinge. Es ist der 6. Oktober 2009, zehn Tage zuvor war der Schweizer als Trainer von Hertha BSC entlassen worden. Nun prangert er fehlende Investitionen in die Mannschaft an und mangelnde sportliche Kompetenz in der Klubführung. Anschuldigungen, die Hertha kurz darauf mit einer fristlosen Kündigung quittiert und die Favre 1,2 Millionen Euro an ausstehendem Gehalt kosten.

Favre führt Hertha nach oben

Heute sagt Favre, er habe "super Erinnerungen" an seine erste Etappe in Deutschland, "ich habe nur Positives im Kopf über diesen Verein". Schließlich führte der BVB-Trainer die Hertha ab 2007 steil nach oben und 2009 fast zur Meisterschaft, zwei Spieltage vor Schluss lag die Hertha nur einen Zähler hinter dem späteren Titelträger VfL Wolfsburg.

Einer seiner Leistungsträger damals ist heute sein indirekter Nachfolger: Pal Dardai. "Ich wusste, dass Pal einmal Trainer werden will", erzählt Favre und bescheinigt dem Ungarn mittels einer Anekdote höchste Fußball-Intelligenz: "Wir hatten einmal ohne Vorbereitung unser Spielsystem gewechselt und er wusste sofort, was er machen sollte. Er hat das sofort kapiert." Wer solche Fähigkeiten aufweist, steigt in Favres Achtung kilometerweit auf.

Besondere Lehrmethode

In Fabian Lustenberger, ein anderer Fußball-Schlaukopf, steht nur noch ein Spieler im Kader, der damals zum Aufgebot zählte und der Amüsantes zu berichten weiß über Favres Lehrmethode beim Passspiel: "Wir haben mit zwei Kontakten gegeneinander gespielt. Es gab eine Regel: Er gewinnt. Wenn er Bälle gespielt hat, die du nicht annehmen konntest, war es dein Fehler."

Mit eben diesem unerbittlichen Streben nach Perfektion hat Favre seit Sommer den BVB zum Titelkandidaten in der Bundesliga verwandelt. Auf den vermeintlich ärgsten Konkurrenten, den FC Bayern, haben die Schwarzgelben vier Zähler Vorsprung. Münchens Trainer Niko Kovac, noch ein Ex-Berliner, will vor dem direkten Duell am 10. November in Schlagdistanz bleiben. "Wir müssen den Druck so aufbauen, dass wir dann die Chance haben, vorbeizuziehen", verkündete Kovac. Eine Einlassung, die vor allem aufzeigt, wie ernst die unbezwungene Borussia genommen wird, die Land und Leute mit spektakulären Einlagen verzückt.

Zorc erwartet ein zähes Spiel

Mit den Begriffen Rausch und Euphorie, die spätestens seit dem 4:0 gegen Atletico Madrid am Mittwoch durch Dortmund kursieren, können die sportlich Verantwortlichen in der Öffentlichkeit jedoch wenig anfangen. Gegen Hertha BSC könne es "sehr zäh" werden, mutmaßt Sportdirektor Michael Zorc, Favre erwartet wie immer "ein sehr, sehr schweres Spiel". Immerhin können die Berliner, derzeit Sechster der Tabelle, auf Siege gegen die Bayern (2:0 ) und Gladbach (4:2) verweisen, gegen die Besten können sie also überraschen. Die jüngsten zwei Unentschieden in Mainz (0:0) und gegen Freiburg (1:1) verbreiten weniger Schrecken.

Doch auch wenn Hertha unter Dardai mehr für Männerfußball als für Zauberei steht, gilt die Mannschaft als unangenehm. Mehrfach verfolgten die Hauptstädter gegen den BVB ihre Gegenspieler in klassischer Manndeckung über den gesamten Platz - das macht vor allem dem Gegner wenig Freude, hilft aber manchmal. "Hertha ist eine sehr gute Mannschaft in dieser Saison", betont Favre. Borussias ungeschlagener Lauf soll trotzdem Bestand halten im 13 Pflichtspiel der Saison. Die Bilanz des Trainers gegen seinen Ex-Klub stimmt zuversichtlich: Favre gewann von neun Spielen gegen Hertha sechs und verlor nur eins.

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