Borussia Dortmund

Schulterschluss zwischen BVB und Fans

Dortmund - Marco Reus warf einen Blick in den Rückspiegel. „Ich meine mich zu erinnern“, sagte der BVB-Kapitän diplomatisch, „dass wir in den vergangenen Jahren oder zumindest einmal nicht so eine Stimmung hatten. Insofern tut das allen Beteiligten sehr gut.“ Das Ganze sei der Lohn für die Ergebnisse und die Arbeit der vergangenen Wochen und Monate.

Reus erinnerte sich ganz richtig, als er über den Empfang auf der Mitgliederversammlung des BVB in der Westfalenhalle sprach. Über den im Jahr 2018. Das war der, der guttat. Und über den im Jahr 2017. Das war der, der wehtat. Vor zwölf Monaten war der Gang zur Mitgliederversammlung ein schwerer gewesen. Am Tag zuvor hatte der BVB im eigenen Stadion im Derby gegen Schalke eine 4:0-Führung leichtfertiger verspielt als Spielsüchtige ihr Geld im Casino. Der erhoffte Walk of Fame auf der Mitgliederversammlung am Tag danach wurde zum Walk of Shame. Schande statt Ruhm, Pfiffe und Buhrufe statt Applaus und Jubel.

Stimmung ist gekippt - ins Positive

Ein Jahr später ist die Stimmung dramatisch gekippt – freilich zum Guten. Der Schulterschluss zwischen Spielern und Fans, die in der vergangenen Saison spürbar auf Distanz zur Mannschaft gegangen waren, ist geglückt. Die Mitgliederversammlung diente als weiterer Beweis, doch Reus hätte den Blick gar nicht so weit zurück schweifen lassen müssen. Noch deutlicher nämlich wurde die Rückkehr des „BVB-Gefühls“, wie es Borussia Dortmunds Verantwortliche gerne nennen, Samstag in Mainz. Nach dem Spiel gab es aus der Kurve Schals für die Spieler. Friede, Freude, Fangeschenke – you‘ll never freeze alone.

Ausgerechnet nach einem Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05 also ist die Stimmung beim BVB so herzlich und euphorisch wie lange nicht. Auch hier bietet sich der Vergleich mit der jüngsten Vergangenheit an: Am 33. Spieltag der Vorsaison, am 5. Mai dieses Jahres, hatten die Schwarzgelben vor eigenem Publikum 1:2 gegen Mainz verloren. Aus echter Liebe war längst echte Wut geworden. Die Südtribüne schickte die Mannschaft weg. Dort, wo die treusten der Treuen stehen, dominierten Frust und Enttäuschung. Roman Weidenfeller wurde bei seinem letzten Heimspiel für seine Verdienste gefeiert, der Rest der Mannschaft wurde vom Hof gepfiffen. Außer Roman könnt ihr alle gehen!

Bodenhaftung mit beiden Füßen

Sechs Monate und 19 Pflichtspiele ist das jetzt her. Im Fußball kann’s halt manchmal ganz schnell gehen. Hans-Joachim Watzke empfiehlt daher „Bodenhaftung mit beiden Füßen“. Der BVB-Boss sagt: „Wir haben jetzt wieder eine Mannschaft, in der du spürst, dass da ein besonderer Geist herrscht.“

Fans sind wieder stolz

Ein besonderer Geist – und ein besonderes Verhältnis zu den Fans. Intern ist darauf in der Aufarbeitung der vergangenen Spielzeit großer Wert gelegt worden. Kurz vor den Spielen geht die Mannschaft bewusst noch einmal auf die Fans zu. „Ich hatte das Gefühl, dass es für die Fans wichtig ist, dass sie wieder stolz auf diese Mannschaft sein können“, sagt Watzke. Die Zuschauer hätten ein feines Gespür dafür, ob eine Mannschaft wirklich versuche, alles aus sich rauszuholen. Und Präsident Reinhard Rauball erklärt: „Es ist eine Freude, wie die ziemlich neue Mannschaft von den Fans akzeptiert worden ist.“

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