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Radweg zugeparkt: Da kann der Bürger schon mal sauer werden.

Bürger zeigen Falschparker an

Für die einen Hobby, für die anderen Notwehr

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Kreis Recklinghausen - Ein Knöllchen von der Politesse? Okay, Pech gehabt! Aber von einem Mitbürger wegen Falschparkens angezeigt zu werden, da kommt so richtig Freude auf… Im Kreis Recklinghausen passiert das hundertfach im Jahr.

Wir haben in den Rathäusern nachgefragt: In der kleinen Stadt Waltrop gab es in diesem Jahr bereits 67 solcher „Fremdanzeigen“, in Castrop-Rauxel waren es mehr als 150, in Herten sogar 320. „Die Anzahl hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, die Tendenz ist weiter steigend“, sagt Hertens Stadtsprecherin Ramona Eifert. Recklinghausen berichtet von „vier bis fünf Bürgern“, die regelmäßig Falschparker melden. Was treibt diese Menschen an?

Darüber kann nur spekuliert werden. Wer Behinderten-Parkplätze besetzt, Radwege oder Bürgersteige blockiert, den trifft wohl zurecht der Zorn der Allgemeinheit. Aber was ist mit denen, die im Parkverbot oder an einer abgelaufenen Parkuhr stehen? Muss man die verpfeifen? Manche Menschen mögen das als eine Art Hobby verstehen, für andere ist es aber auch Notwehr. Dazu Ludger Böhne von der Stadt Dorsten: „In der Regel greifen Bürgerinnen und Bürger zu diesem Mittel, die sich anders nicht gegen andauernde Beeinträchtigungen zu helfen wissen. Weil zum Beispiel ständig die Zufahrt zugeparkt wird. Manchmal steckt aber auch ein Streit in der Nachbarschaft dahinter.“

Die Städte rufen nicht aktiv dazu auf, Falschparker zu melden. Aber unglücklich ist man in den Ordnungsämtern darüber offensichtlich auch nicht. „Unsere Politessen können ja schließlich nicht überall sein“, meint Dirk Lehmanski (Stadt Datteln). Und zusätzliche Einnahmen gibt es ebenfalls, auch wenn keine Kommune sich auf Anfrage unserer Zeitung in der Lage sieht, diese konkret zu beziffern. Dieser Aspekt stehe ganz sicher nicht im Vordergrund, betont Ludger Böhne (Dorsten). „Die Privatanzeigen müssen manuell mit vergleichsweise hohem Aufwand erfasst werden.“

Nicht jeder ist bereit, als Zeuge auszusagen

Der Aufwand für den Bürger, der einen Falschparker nicht ungestraft davonkommen lassen will, ist auch nicht ohne. Er muss ein eindeutiges Foto anfertigen, Datum, Uhrzeit, den Ort des Geschehens, Kfz-Kennzeichen und das Fahrzeugfabrikat benennen und vor allem auch seine persönlichen Daten hinterlassen. Anzeigen, deren Erstatter anonym bleiben wollen, werden grundsätzlich nicht bearbeitet. Und das aus gutem Grund: Denn kommt es zu einem Einspruch, muss der Zeuge möglicherweise vor Gericht aussagen. Dazu ist nicht jeder bereit.

Es gibt nur eine Stadt im Kreis Recklinghausen, die Meldungen über Falschparker keine direkten Sanktionen folgen lässt: Haltern am See. Dort gehen die Politessen Bürger-Hinweisen auf Missständen im ruhenden Verkehr zwar nach, um gegebenenfalls selbst aktiv zu werden. „Wir wollen aber nicht das Denunziantentum fördern“, betont Stadtsprecher Georg Bockey. Meistens wären es ohnehin Nachbarn, die sich gegenseitig anzeigten. Und die sollten besser miteinander reden, als sich das Leben schwer zu machen, so die selige Botschaft aus der Seestadt.

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